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MTB Kultschmiede Fat Chance sammelt Geld

Rahmenbauer Chris Chance hat das Startkapital zusammen

Henri Lesewitz am 09.02.2015

Nach 15 Jahren Schaffenspause will es Chris Chance zurück in die Oberliga der Rahmenbauer schaffen. Das Geld für den Neustart hat er inzwischen in der Community gesammelt. BIKE hat mit ihm gesprochen.

Er gehörte zu den Ersten, die einen Mountainbike-Rahmen fertigten. Die von ihm ausgetüftelte „Eastcoast“-Geometrie war mitprägend für die Entwicklung des Sports. Chris Chance zählte zu den legendärsten Rahmenbauern der Anfangsjahre. Von 1982 an produzierte er handwerklich meisterhaft gefertigte Stahlrahmen, die heute den Status von Ikonen haben. Nach einer turbulenten Phase mit finanziellen Engpässen und Umstrukturierungen zog sich Chris Chance Ende der Neunziger schließlich frustriert aus dem Fahrrad-Business zurück. Fünfzehn Jahre lang gab es kaum ein Lebenszeichen von ihm. Seine weltweite Fan-Gemeinde jedoch verehrte ihn weiterhin wie einen Gott. Dann das plötzliche Comeback!

Jubel und Kritik

Auf der Interbike-Messe in Las Vegas verkündete Chance die Wiederbelebung seiner inzwischen längst eingestellten Marke Fat Chance, von der im Grunde nur noch die Markenrechte existierten. Die Reaktion auf das Revival war zweigeteilt. Die Fans jubelten. Andere blieben skeptisch. Chance konnte weder ein detailliertes Konzept vorweisen, noch einen Prototypen. Es gab nur ihn, den aus der Versenkung aufgetauchten Ex-Rahmenbauer. Und eine Homepage mit bunten Fotos, aber ohne wirkliche Infos. Als er Ende des vergangenen Jahres die Fan-Gemeinde dazu aufrief, über die Art des künftigen Fat-Chance-Rahmens abzustimmen, wurde auch dem Letzen klar, dass Chris Chance offenbar wirklich bei Null anfing. Die Online-Umfrage brachte eine riesige Resonanz. Kurz darauf wurden die wichtigsten Eckdaten präsentiert: Modellname Yo Eddy, Rohre aus True-Temper-Stahl, Trail-Geometrie für 130 Millimeter-Federgabeln, Varianten für 27,5 Zoll-Laufräder oder 29 Zoll.

Anschub-Hilfe über Kickstarter-Kampagne

Mehr Informationen gab es nicht, als Chance vor wenigen Wochen nun eine Crowdfunding-Aktion auf der Online-Plattform Kickstarter anschob. Um das Startkapital für das Revival zusammenzubekommen, können Unterstützer des Projektes Produktpakete kaufen, die es noch gar nicht gibt. Das kleinste Paket, ein Sticker-Pack, kostet 25 Dollar. Das teuerste Paket für sagenhafte 5000 Dollar beinhaltet neben zahlreichen Team-Klamotten einen "I’m Back"-Rahmen einer auf maximal 100 Stück limitierten Serie.

Chris chance

Chris Chance setzt auf die Unterstützung seiner Fans beim Neustart seiner Marke Fat Chance.

Die anfängliche Euphorie in den Szene-Foren wich nach und nach Enttäuschung. Kein Prototyp, keine Fotos, dafür üppige Summen für spärlich beschriebene Überraschungs-Pakete. Kann so ein Comeback gelingen, das nichts weniger als die Anknüpfung an den Kult-Status der so viel zitierten goldenen Jahre zu Ziel hat? Die Sammelaktion auf Kickstarter spülte die Mindestsumme zur Wiederbelebung von Fat Chance gerade noch rechtzeitig ein.

BIKE sprach exklusiv mit Chris Chance über seine Pläne. Im Gespräch gab sich Chance freundlich, aber auch zurückhaltend. Wo die künftigen Fat-Chance-Rahmen gebaut werden sollen und in welcher Stückzahl, dazu wollte er sich nicht konkret äußern. Branchen-Insider munkeln, dass Chance plant, mittelfristig ähnliche Stückzahlen zu produzieren wie einst – also bis zu 2000 Rahmen im Jahr. Was ein ziemlich ambitioniertes Ziel wäre. Doch wie gesagt: Offizielle Aussagen dazu gibt es weder von Chris Chance, noch von irgendjemand anderem.

Chris Chance im Interview

BIKE-Magazin: Du hast die Fans im Internet darüber abstimmen lassen, wie das künftige Fat Chance aussehen soll. Wieso?
Chris Chance: Dadurch verstehe ich besser, was die Leute da draußen wollen. Es gibt jetzt all diese Spielarten wie All Mountain, Trail, Cross Country. In jeder dieser Richtungen werde ich meinen eigenen Ansatz entwickeln. Heute wird anders gefahren als vor 20 Jahren. Außerdem spreche ich mit Leuten, die sich mit Fullys auskennen und vielleicht sogar eins mit mir konstruieren können. Und ich will mehr über Carbon lernen. Ich finde, das ist ein großartiges Material.


Worauf legst Du Wert bei einem Bike?
Handling ist sehr wichtig für mich. Es muss sich gut anfühlen, wenn du dein Gewicht verlagerst, beim Lenken, Beschleunigen, Klettern. Das ist es, worum es geht: die richtige Balance herzustellen, damit die Gewichtsverlagerung gut funktioniert. Und eine coole Lackierung, die ist natürlich auch wichtig.

Um Kapital für den Neustart zu sammeln, hast Du eine Crowdfunding-Aktion im Internet gestartet. Warum dieser Weg?
Ich spürte den Enthusiasmus der Fans und wollte mit ihrer Hilfe die Firma in Gang bringen. Es gibt Leute, die uns gern unterstützen. Aber es gibt noch mehr, denen es darum geht, wie viel sie für ein Rad ausgeben. Kickstarter war eine Erfahrung. Eine Möglichkeit, mit Hilfe von Fans und Enthusiasten loszulegen.

Du hast dein Finanzierungsziel erreicht, aber es sind aktuell nur 30 Rahmen reserviert. Da lag dein Ziel doch sicher höher, oder?
Es gibt Leute, die nicht in den Relaunch der Firma investieren wollten. Das ist richtig. Aber wir werden im Geschäft sein und Rahmen verkaufen. Ich bin allen dankbar, die uns bei Kickstarter unterstützt haben.

Wirst du die Räder selbst bauen?
Ich werde da mitmischen, aber in einem Team. Ich werde nicht die ganze Zeit dabei sein, aber zu einem guten Teil.

Chris chance jersey

Das Jersey ist eines der Produkte, die man in der Kickstarter-Kampagne kaufen kann.

Das komplette Interview mit Chris Chance erscheint in BIKE 4/2015, die ab 3. März am Kiosk liegen wird. Welche Summe Chris Chance für das Revival zur Verfügung steht, ist mittlerweile klar: 130328 US-Dollar kamen über den Vorverkauf von Vorserien-Rahmen und Merchandise-Artikeln zusammen. Die Mindestsumme lag bei 116000 Dollar. Wir blieben weiter am Thema dran.

Hersteller-Website: www.fatchancebicycles.com

Henri Lesewitz am 09.02.2015
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