Keine Carbon-Rahmen bei Pole Keine Carbon-Rahmen bei Pole

Kein Carbon-Rahmen von Pole Bicycles

Gewissensbisse: Pole streicht Carbon-Rahmen-Projekt

Sebastian Brust am 05.10.2017

Pole-Gründer Leo Kokkonen war erst total heiß auf den stylischen Carbon-Rahmen voller funktioneller Details. Und dann, kurz vor Produktionsstart, kam alles anders. Wegen der Kinder, sagt Kokkonen.

Es sei zu 90 % fertig gewesen. Das Carbon-Projekt sollte das große Ding von Pole Bicycles werden. Zwei Jahre tüftelten die Finnen, um einen Carbon-Rahmen zu entwerfen, der sich dem Namen Pole Bicycles als würdig erwiesen hätte: leicht, steif, robust, mit viel Style und voller technischer Finessen. Pole-Chef Leo Kokkonen flog nach China, um bei einem der größten und professionellsten Hersteller von Carbon-Rahmen den Deal einzutüten. Eigentlich war alles ganz okay, die Fabrik wirkte sauber und die Arbeiter glücklich.

Und doch war Kokkonen geschockt. Von der Luftverschmutzung. Vom Müll. Davon, dass die Regierung in China den Herstellern angeblich empfiehlt, Produktionsreste einfach ins Meer zu schütten. Und dass Carbon-Recycling – wenn es überhaupt gemacht wird – viel zu oft darin besteht, das Harz mehr oder vielmehr weniger kontrolliert zu verbrennen und die Faserreste, die übrig bleiben, kleinzuhäckseln und bestenfalls als Füllstoff für faserverstärkte Spritzgussteile zu verwenden. Seine Gründe erläutert Kokkonen auf der Pole-Webseite >>

Keine Carbon-Rahmen bei Pole

Pole-Gründer Leo Kokkonen musste das Carbon-Projekt streichen. Aus Gewissensgründen.

Gut möglich, dass das Angebot, was man der kleinen finnische Marke machte, auch schlicht und ergreifend zu teuer war. Schließlich weiß China auch, dass das Siegel "Made in China" längst nicht mehr der Muff billigster Ramschwaren umweht. Aus Kostengründen auf Fabriken in Ländern auszuweichen, die noch weniger auf ökologische und soziale Standards achten, kam für Pole aber natürlich überhaupt nicht in Frage. Logische Konsequenz: Schluss mit Carbon. Endgültig. Oder zumindest, solange es nicht ressourcen- und umweltschonender hergestellt und verarbeitet werden kann.

Die Entscheidung, so plötzlich von dem Carbon-Rahmen abzurücken, ruft auch Skeptiker auf den Plan. Denn schließlich ist durchaus bekannt, dass Carbon-Teile keinen ökologischen Heiligenschein verdienen. Bei Pole hat man sich entschieden. Aus Sicht von Kokkonen besser spät, als nie. Denn er möchte seinen Kindern eine Welt hinterlassen, die so sauber wie irgend möglich ist.

Angeblich hat man bei Pole Bicycles eine revolutionäre Verarbeitungsmethode für Aluminium im Köcher, mit der auch in Zukunft die hohen Anforderungen an Style, geringes Gewicht, hohe Steifigkeit und Haltbarkeit erfüllt werden können. Und das bei einem Höchstmaß an Recycling-Fähigkeit. Man bräuchte also gar kein Carbon. Wir sind gespannt.

Keine Carbon-Rahmen bei Pole

Ein erster Blick auf eine Hälfte des Prototypen des nächsten Pole-Rahmens.

Sebastian Brust am 05.10.2017
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