EWS #6 2017 Colorado EWS #6 2017 Colorado

Enduro World Series #6 2017 in Aspen/Snowmass Colorado

Colorado im Geschwindigkeitsrausch

Adrian Kaether am 01.08.2017

Auf den schnellen Stages des sechsten Enduro World Series Rennens 2017 zahlte sich Erfahrung aus. Sam Hill und Cecile Ravanel holten die Siege, Graves, Maes, Courdurier und Brown waren in Form.

Yeti Cycles Big Mountain Enduro. Meistens steckt ja hinter den Slogans, die sich die Marketingfritzen ausdenken ziemlich viel heiße Luft, doch beim sechsten Rennen der Enduro World Series war der Name wirklich Programm. Nur sechs Stages waren an zwei Renntagen zu bewältigen, doch die hatten es dafür mächtig in sich. Keine Stage mit weniger als 400 Höhenmetern, jede Form von Untergrund, vom losen Schotter über dicke Brocken bis hin zu Schlamm und frisch aufgerissenem Boden, extreme Steilstücke, Off-Camber, Sprünge und vor allem eins: Speed ohne Ende.


Mehr als 35 Kilometer pro Stunde fuhren die schnellsten Männer. Im Schnitt! Und dass auf kurviger Strecke, meistens Singletrack, oft auch noch mächtig steil und nach kürzeren Regenschauern in der Nacht vor dem Rennen auch noch dazu gut aufgeweicht. Wer schon mal enttäuscht festgestellt hat, dass die eigenen Schnittgeschwindigkeiten bergab auf der Enduro-Hausrunde kaum je die 25 Kilometer-pro-Stunde Marke überschreiten, der weiß was 35 Kilometer pro Stunde im Schnitt bedeutet.

(c) Pinkbike


Steil, schnell, feucht


Los ging es mit einer Stage zum eingewöhnen, die aber schon extreme Steilstücke aufwies und wo Verbremser oder zu hohe Geschwindigkeiten direkt mit einem Abflug belohnt wurden. Sam Hill und Isabeau Courdurier sicherten sich den ersten Sieg des Tages, bevor auf der Traverse von Snowmass nach Aspen zum Start von Stage 2 erstmal zweieinhalb Stunden mächtig gekurbelt werden musste.

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Sooooo steil war das auf Stage 1.


Die wesentlichen Höhenmeter vor Stage zwei wurden aber zum Glück mit der Seilbahn überwunden, denn die Fahrer brauchten alle ihre Kräfte auf Stage zwei überhaupt das Ziel zu erreichen. Mehr als acht Kilometer Distanz und ganze 1107 Tiefenmeter standen auf dem Programm. Selbst Richie Rude, der mit seiner überlegenen Fitness auf dieser mörderischen Stage zum Sieg fuhr, brauchte fast 13 Minuten und 30 Sekunden. Bei den Damen ging der Sieg an Cecile Ravanel, die damit allein schon gut 25 Sekunden auf ihre schnellste Verfolgerin Anita Gehrig herausfuhr.


Der erste Tag endete mit einer etwas versöhnlicheren Stage. Drei Kilometer und 443 Höhenmeter waren für die Fahrer nun im Vergleich zur vorangegangenen Stage quasi reine Erholung. Für die meisten jedenfalls, mit Ausnahme von Jared Graves, der crashte aber trotzdem nur gut zehn Sekunden verlor.


Tag zwei: Suche nach dem universellsten Mountainbiker


Die Enduro World Series gilt gemeinhin als die Suche nach dem perfekten Mountainbiker. Denn wer hier schnell sein will, der muss mutig, technisch herausragend und außerdem auch noch extrem fit sein. Die vierte Stage war beispielhaft für dieses Programm. 7,7 Kilometer mit 912 Tiefenmetern, Start auf über 2500 Meter über Null, hochalpines Gelände mit jeder Menge losem Geröll und Off-Camber am Anfang, technische und langsamere Stücke in der Mitte und Highspeedpassagen mit angelegten Sprüngen am Ende. Hier wurde den Athleten wirklich alles abverlangt und die dünne Luft machte das Ganze natürlich nicht leichter.


Es ist schon bezeichnend, dass gerade auf dieser Stage Jared Graves den Sieg knapp vor Sam Hill und Martin Maes holte. Übrigens auch die drei Herren, die am Ende auf dem Podium stehen sollten. Doch auch Jared Graves brauchte mehr als 14 Minuten für die heftige Prüfung. Richie Rude, ebenfalls notorisch stark auf langen Stages, holte sich direkt nach dem Start einen Platten und war damit chancenlos. Ein ähnliches Bild wie bei den Männern zeigte sich bei den Damen, wo Casey Brown den Sieg vor Isabeau Courdurier und Cecile Ravanel holte. Auch hier standen alle drei Damen am Ende auf dem Podium.

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Casey Brown auf den frisch angelegten Kurven auf Stage vier.


Doch noch war das Rennen nicht vorbei. Auf den letzten beiden Stages mit jeweils gut 500 Höhenmetern und drei Kilometern konnten Cecile Ravanel und Isabeau Courdurier jeweils noch einen Sieg holen, während bei den Männern Sam Hill Stage fünf gewann, bevor Adrien Dailly sein sonst teils eher etwas durchwachsenes Rennen wenigstens mit einem Sieg auf der technischen letzten Stage beendete.


Sieg für Sam Hill und Cecile Ravanel


Der Sieg ging trotzdem ganz knapp an den ehemaligen Downhill-Weltmeister Sam Hill, der sich mit nur 03,89 Sekunden Vorsprung auf Martin Maes ganz oben aufs Treppchen hievte. Dritter mit gut acht Sekunden Rückstand wurde der Vorjahressieger Jared Graves. Damien Oton und Jesse Melamed holten die Plätze vier und fünf. Bei den Damen dagegen fiel der Sieg von Cecile Ravanel mit mehr als 47 Sekunden Vorsprung wieder einmal sehr deutlich aus. Zweite wurde Isabeau Courdurier vor Casey Brown, Anita Gehrig und Katy Winton auf den Plätzen drei, vier und fünf. Ines Thoma wurde Achte.

Fotostrecke: EWS #6 2017 Colorado


Das Rennen um den Gesamtsieg ist damit bei den Damen eigentlich schon entschieden. Cecile Ravanel hat 600 Punkte Vorsprung auf ihre nächste Verfolgerin, in zwei Rennen ist das nicht mehr aufzuholen. Eng wird dagegen das Rennen um Platz zwei. Katy Winton hat 1750 Punkte, Ines Thoma 1740, Isabeau Courdurier 1720 Punkte.


Bei den Männern geht es dagegen weiterhin um Platz eins. Aktuell führt Sam Hill mit 2540 Punkten vor Adrien Dailly mit 2500 Punkten. Platz drei hält Greg Callaghan, der nach den letzen beiden Rennen etwas an Boden verloren hat, mit 2240 Punkten. Die Plätze vier und fünf belegen Martin Maes und Jerome Clementz mit 2000 und 1960 Punkten.


Weiter geht es mit der EWS #7 in Whistler am 14. August 2017.


Alle Ergebnisse finden Sie auf der Website der Enduro World Series.

Adrian Kaether am 01.08.2017
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