Enduro World Series 2017 #2 Tasmania Enduro World Series 2017 #2 Tasmania

Enduro World Series #2 2017: Tasmanien (AUS)

EWS in Tasmanien: Erster Sieg für Courdurier und Dailly

Adrian Kaether am 12.04.2017

Statt staubigen Trails erwartete die EWS-Piloten im tasmanischen Regenwald erneut eine Schlammschlacht erster Güte, voller Steine und Wurzeln. Ausgerechnet Südfrankreich trug am Ende den Sieg davon.

Der Mensch denkt, Gott lenkt. Das wusste auch schon Berthold Brecht. Und das alte Sprichwort bewahrheitete sich wieder, als sich am vergangenen Wochenende am Renntag der Enduro World Series in Tasmanien (AUS) der Himmel öffnete und die staubige Strecke vom Training im Rennen in einen tiefen Schlammpfuhl verwandelte. Staubige Abschnitte wurden wie Schmierseife, Bremsrillen wurden nasse Waschbretter, glitschige Wurzeln traten plötzlich hervor und aus den Ritzen zwischen den Steinen der Rock Gardens wurde jede Füllung herausgespült, was die glitschigen Felsen nur noch gefährlicher machte und den ein oder anderen heftig aus der Bahn warf.

Enduro World Series 2017 #2 Tasmania

Jared Graves auf der gerade so noch trockenen Stage 1. Er holte den Stagesieg.


Wie vor zwei Wochen in Neuseeland, wo Wyn Masters überraschend den Sieg davontrug, traf es auch in Australien die späten Starter besonders hart. Jared Graves startete gerade noch so im Trockenen und holte sich nach knapp über viereinhalb Minuten den ersten Platz, während Sam Hill und Richie Rude mit Platz 18 und Platz 23 etwas Zeit verloren.

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Als Greg Callaghan über die erste Stage raste, war die Strecke schon ziemlich nass und rutschig.


Isabeau Courdurier mit ernsthaften Siegchancen


Bei den Damen ging Isabeau Courdurier stark ins Rennen. Die Französin hatte bei der ersten Runde der EWS in Neuseeland aus gesundheitlichen Problemen kapitulieren müssen und war deswegen in Australien nur umso motivierter. Zweite auf der ersten Stage wurde Katy Winton, Cecile Ravanel fuhr nur auf Platz vier. Auch auf der nächsten Stage war Isabeau Courdurier die schnellste Dame, ebenso auf der übernächsten. Bereits seit dem Ausscheiden von Tracey Moseley und Anne-Caroline Chausson steht Isabeau Courdurier fast immer auf dem Podium, aber nie ganz oben. Jetzt in Australien tat sich wieder eine echte Chance auf.

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Die Brille hat Isabeau schon nach hinten gedreht, sie nützt in diesem Wetter sowieso nichts mehr. Da hilft nur noch Augen auf und Vollgas.


Aber Isabeau Courdurier blieb entspannt und ließ sich nicht durch die Chance auf ihren ersten EWS Sieg aus der Ruhe bringen. Auf Stage vier nahm sie die Pace etwas zurück, um nicht abzufliegen und fuhr so auf Platz zwei hinter Cecile Ravanel durch das Ziel, hatte aber kaum Zeit verloren. Die gleiche Taktik fruchtete auf der extrem anspruchsvollen Stage fünf, auf den Stages sechs und sieben konnte Courdurier ihrer Konkurrentin sogar wieder einige wenige Sekunden abnehmen. Damit hat die Französin endlich ihren ersten Enduro World Series Sieg eingefahren, der eigentlich schon seit fast zwei Jahren überfällig ist, die Dominanz von Cecile Ravanel scheint damit endlich gebrochen. Platz drei ging wieder an eine konstant schnelle Ines Thoma, Platz vier an die israelische Newcomerin Noga Korem, Platz fünf an Katy Winton. Beide wird man in Zukunft im Auge behalten müssen.

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Eine neue Frau auf dem obersten Treppchen. Es ist der erste Sieg für Isabeau Courdurier in der EWS überhaupt und mit Ausnahme von Gaststarterin Tracey Moseley der erste Sieg der letzten zwei Jahre, der nicht an Cecile Ravanel geht. 


Adrien Dailly und Greg Callaghan: Konstanz ist Trumph


Bei den Männern war auch noch nach drei Stages keine klare Tendenz absehbar. Auf Stage eins gewann Jared Graves, Stage zwei ging einen wiedererstarkten Martin Maes, Stage drei an Local Ben Forbes, doch alle drei hatten auf den jeweils anderen Stages mit eher durchwachsenen Platzierungen zu kämpfen und eine Enduro World Series gewinnt man bekanntlich nicht mit einer einzigen guten Wertungsprüfung. Erst auf Stage vier trat ein Mann aus dem Schatten, von dem wir sehr wohl schon wissen, dass er das Zeug zum Sieg hat. Greg Callaghan. Der Ire konnte mit den Bedingungen gut umgehen und leistete sich auch auf den ersten drei Stages keine groben Schnitzer. Auf Stage vier dann der Paukenschlag. Mit vier Sekunden Abstand auf Jared Graves, seinen schnellsten Verfolger, erreichte Greg Callaghan das Ziel. Es sah so aus, als würden die Enduro-Veteranen das Rennen unter sich ausmachen.

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Martin Maes hatte mehrere gute Stages. Ein Patzer auf Stage vier kostete mächtig Zeit, aber der Belgier ist zurück und wird die EWS 2017 mächtig aufmischen.


Doch sie hatten nicht mit Young-Gun Adrien Dailly gerechnet. Der Franzose fährt erst seit diesem Jahr in der Elite Klasse, gewann aber in den Jahren davor schon für Lapierre alles was man auf dem Enduro mit weniger als 21 Jahren so gewinnen kann, mehrfache Gesamtsiege in der U-21 Wertung der EWS inklusive. Schon in der Off-Season war er ein heißer Tipp für die Saison, doch so schnell hatte wohl noch niemand mit ihm gerechnet. Und da war er plötzlich, mit zwei vierten Plätzen auf den Stages zwei und vier lag er noch in Reichweite der Führungsgruppe, auf Stage fünf verfehlte er den Sieg um nur eine Sekunde hinter dem notorisch schnellen Sam Hill, auf der vorletzten Stage dann ein Stagesieg.

Die erfahrenen Profis wurden blass, die Erinnerung an den raketenhaften Aufstieg von Nachwuchstalent Richie Rude, der die letzten drei Jahre in Folge die Enduro World Series gewinnen konnte war noch sehr lebendig. Adrien Dailly blieb aber cool, denn er wusste gar nichts von seinem Glück und holte auf der letzten Stage Platz vier, während Greg Callaghan stürzte. Damit ging der Sieg in Tasmanien mit drei Sekunden Vorsprung auf Greg Callaghan an den völlig überrumpelten Adrien Dailly, der damit sein zweites Elite-Rennen überhaupt direkt gewonnen hat und erst im Ziel davon erfuhr, als plötzlich sein Name in der Anzeige aufblinkte. Dritter wurde Sam Hill, Platz vier ging an Richie Rude, Platz fünf an Florian Nicolai.

Hier finden sie alle Ergebnisse. >>Link<<.

Adrian Kaether am 12.04.2017
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