Vallnord DHI Worldcup 2017 Vallnord DHI Worldcup 2017

Downhill Worldcup 2017 #4 Vallnord: Rennbericht

Brosnan und Nicole siegen in Andorra

Adrian Kaether am 03.07.2017

Es war ein Rennen für die Götter. Bei den Damen holt Nicole ihren zweiten Sieg. Bei den Männern blieb Danny Hart trotz allem auf dem Bike, Minnaar und Brosnan duellierten sich um den Sieg.

23 Prozent Gefälle. Im Schnitt! Der Worldcup-Track von Vallnord in Andorra vernichtet ganze 616 Höhenmeter auf nur 2,6 Kilometern Länge, das ist fast doppelt so steil wie bekannte deutsche Trails à la Canadian Trail in Freiburg. In manchen Abschnitten stürzt sich der Kurs dermaßen in die Tiefe, dass die Veranstalter für den Trackwalk Seile anbringen mussten, um die Strecke überhaupt begehbar zu machen. Dazu kamen schmale Rinnen, tiefer Staub und ständig wechselnde Bedingungen, die selbst den besten Fahrern im Rennen das Leben ziemlich schwer machten.


Rückkehr von Rachel Atherton


Bei den Damen war die größte Neuigkeit die Rückkehr von Ausnahmetalent Rachel Atherton. Bei einem heftigen Sturz im letzten Trainingslauf von Fort William hatte sich die Britin die Schulter ausgekugelt und musste in der Folge beim Worldcup in Leogang aussetzen. In Vallnord war sie wieder am Start und schlug sich trotz einiger Probleme mit Schmerzen im Rennen erstaunlich gut.

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Rachel Atherton wurde trotz ihres Crashes in Fort William vor wenigen Wochen in Vallnord Vierte. Eine beachtliche Leistung.


In der oberen Hälfte des Tracks war sie ganz die Alte und raste nahezu fehlerlos über die schwierige Strecke, erst in den unteren Abschnitten gab die Schulter etwas nach und Atherton musste das Tempo etwas drosseln. Trotzdem: Die erste Zeit unter fünf Minuten und ein Platz im Hotseat, unter diesen Umständen ein sehr gutes Ergebnis. Emilie Siegenthaler, Eleonora Farina und sogar Manon Carpenter konnten Athertons Zeit nicht schlagen, trotz intakter Schultern.


Tracey Hannah gegen Myriam Nicole


Erst Tahnee Seagrave gelang mit gut sechs Sekunden Vorsprung auf Atherton ein deutlicher Sprung nach vorne, die Drittplatzierte aus der Qualifikation – Marine Cabirou – reihte sich nur knapp vor Atherton auf das Podium ein. Blieben nur noch die beiden Favoritinnen: Myriam Nicole und Tracey Hannah. Beide sehr starke Fahrerinnen auf langen Strecken, für Myriam Nicole ist es sozusagen ein Heim-Worldcup mit Hauptsponsor Commencal direkt am Fuß des Berges. Tracey Hannah glänzt im Moment mit überlegener Fitness, da sie sich schon auf die WM in gut zwei Monaten in Cairns vorbereitet.

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Mit Platz drei das beste Ergebnis in Marine Cabirous Karriere. Herzlichen Glückwunsch.


Und es war ein Duell auf Augenhöhe. Myriam Nicole legte gut vor, mit einem fast fehlerfreien und sehr schnellen Run. Vor allem im steileren, unteren Stück machte sie Zeit gut und erreichte das Ziel fast drei Sekunden schneller als Tahnee Seagrave im Hot Seat. Tracey Hannah war fast gleichauf mit Myriam Nicole, doch dann rutschte das Vorderrad aus einer der tiefen Rinnen, der Grip war plötzlich gleich null. Hannah verlor die Kontrolle und ging über den Lenker. Zwar rappelte sie sich wieder auf, doch der Sieg war dahin.

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Myriam Nicole: Der Französin konnte in Vallnord einfach niemand folgen.


Es ist erst Worldcup-Sieg Nummer zwei für Myriam Nicole, die fast zwei Jahre mit gebrochenen Schlüsselbeinen kämpfte. Jetzt ist sie wieder da, der Wechsel zurück zu 27,5 Zoll scheint ihr gut getan zu haben. Sie ist die vierte Worldcup-Siegerin dieses Jahr im vierten Rennen, nachdem Rachel in Lourdes, Tracey in Fort William und Tahnee in Leogang gewann. Es bleibt also spannend, in Bezug auf die Gesamtwertung.

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Das Podium der Damen: Rachel Atherton, Tahnee Seagrave, Myriam Nicole, Marine Cabirou und Eleonora Farina.


Phil Atwill und Alex Marin legen vor


Bei den Männern gelang es zunächst Phil Atwill und Alex Marin mit Zeiten von knapp unter 4 Minuten 14 Sekunden zu beeindrucken. Schon diese Runs hatte nur wenige Fehler und bald war klar, wer hier noch schneller fahren will, der muss aufs Ganze gehen. Alles oder nichts. Einer, der sich das besonders zu Herzen nahm, war Kona Fahrer Connor Fearon. Der Australier gilt sowieso als einer der schnellsten Kurventechniker des Planeten, doch in Andorra hob er sich selbst noch auf ein anderes Level. Mit vollem Risiko raste er über die Strecke, verlor das Vorderrad in einer Off-Camber Section, fing sich wieder, hopte zurück auf die hohe Linie, driftete um die Kurven. Doch es war alles ein bisschen viel des Guten. Nach einigen Nahtod-Erfahrungen verlor Fearon in einer der letzten Kurven gleichzeitig den Grip an beiden Rädern und rutschte von der Linie. Kein übler Crash zum Glück, doch der Vorsprung war dahin.


Und dann kam Danny Hart. Auch wenn es am Ende nicht für den Sieg reichte: Sein Racerun wird als einer der krassesten Raceruns überhaupt in die Geschichte eingehen. Voll am Limit, die ganze Zeit, mehrere Male rutschte das Vorderrad weg, kurz vor der Kurve in der auch Fearon crashte dann ein echter Schreckmoment: das Vorderrad verlor Grip, landete in einer Rinne und schleuderte Danny fast über den Lenker, was in einem üblen Highsider und mindestens im Krankenhaus geendet hätte. Jeder andere wäre hier passé gewesen, doch mit übermenschlichen Instinkten, blitzschneller Reaktion und unmenschlicher Kraft riss Danny das Bike wieder zurück auf Linie und erreichte das Ziel nur einen Wimpernschlag später mit einem Vorsprung von mehr als fünf Sekunden, während der Puls der Zuschauer noch immer auf 180 war.


Brosnan gegen Minnaar

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Greg Minnaar war fehlerlos – wie schon die ganze Saison über. Es sieht ganz danach aus, als könnte er dieses Jahr Worldcup-Champion werden.


Doch krass ist nicht immer schnell, wie auch Danny Hart an diesem Tag lernen musste. Es war die überlegene Coolness und Fitness von Greg Minnaar und Troy Brosnan die das Rennen am Ende entschied. Mit einem schier unheimlichen Tempo und doch sehr sauber stürmten beide den Berg hinunter Richtung Ziel. Greg Minnaar als Erster, wie üblich mit einem eher langsam aussehenden Fahrstil. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen, der Südafrikaner ist immer viel schneller als er aussieht. Mit seinem 29 Zoll Bike wählte er etwas andere Linien als die Konkurrenz, konnte aber auch im steilen und staubigen Geläuf gut die Kontrolle behalten und leistete sich nur den kleinen Fehler, in den letzten beiden Kurven etwas zu konservativ zu sein.


Das war die Chance, die der Sieger der Qualifikation – Troy Brosnan – brauchte und auch nutzte. Ähnlich fehlerfrei wie Minnaar fuhr Brosnan teils ungewöhnliche, tiefe aber sehr saubere Linien, auch in den letzten Kurven gab Brosnan noch hundert Prozent, ohne den Reifengrip völlig zu überreizen. Sein Lohn: 0,2 Sekunden Vorsprung auf Greg Minnaar und der schon lange ausstehende zweite Worldcup-Sieg seiner Karriere nach Fort William 2014. Und wer weiß: Vielleicht bleibt es mit der WM in Brosnans Heimatland im September nicht der einzige große Erfolg für den Australier in dieser Saison.

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Der Mann der Stunde: Es ist erst der zweite Worldcup-Sieg für Troy Brosnan, nach seinem Erfolg in Fort William 2014.

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Das Podium der Herren: Loic Bruni, Greg Minnaar, Troy Brosnan, Danny Hart, Aaron Gwin (von links).

Herren: Hart, Minnaar, Brosnan. Damen: Cabirou, Seagrave, Nicole (in dieser Reihenfolge im Video zu sehen.

Alle Ergebnisse gibt's auf der Website der UCI, die Wiederholung gibt's auf Rebull TV zu sehen. Insbesondere der Run von Danny Hart ist ein Muss für jeden Downhill-Fan.

Adrian Kaether am 03.07.2017
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