Kona Process G2 2018 Kona Process G2 2018

Neuheiten 2018: Kona Process 153 und 165

G2 – die neue Generation des Kona Process

Adrian Kaether am 15.09.2017

Nach vier Jahren stellt Kona nun endlich das neue Process vor. An der Geometrie wurde nicht viel geschraubt, dafür erstmals mit Flaschenhalter und langen Variostützen, Bikes in Carbon und 29 Zoll.

Es war um das Jahr 2000, Freeriden avancierte gerade zum neuen Trend. Droppen war das Lebensgefühl einer ganzen Biker-Generation und Helden wie Wade Simmons oder Brett Tippie stürzten sich wagemutig auf ihren Bikes von immer höheren Klippen. Da waren Marken wie Kona aus British Columbia voll im Trend. Insbesondere das Flaggschiff der Kanadier, das Stinky glänzte mit guten Fahreigenschaften und extremer Robustheit, doch die Jahre nach dem Freeride-Trend wurden hart für Kona.


Innovationsstau noch und nöcher, zu schwere Bikes, immer noch die alten und schweren Freerider, die sich nur unwillig bergauf treten ließen, während Cannondale oder Rocky Mountain längst robuste MTB-Fullys deutlich unterhalb der 15-Kilo-Marke anboten. Das Markenimage von Kona verstaubte und bald hörte man nichts mehr von der einstigen Kultmarke aus British Columbia.


Bis Ende des Jahres 2013 plötzlich das neue 153er-Process in den Messehallen stand. Motocross-inspirierter, bananenschwingenmäßiger Hinterbau, überraschend effizient und doch überragend schluckfreudig, vertretbares Gewicht und eine – so muss man heute sagen – wegweisende Geometrie. Der lange Reach und das tiefe Tretlager sorgten für viel Vertrauen in steilen Abfahrten, die Winkel waren flach doch nicht extrem, die Kettenstreben aber extrem kurz, so blieb das Bike trotz der Abfahrtsstärke verspielt und gut beherrschbar. Das Process 153 fuhr direkt in die Herzen der Tester und mit einem Schlag war Kona wieder auf der Bildfläche.


Fast vier Jahre sind seitdem ins Land gegangen, in denen das Process immer nur optische Updates verpasst bekam, doch das lange Warten hat sich gelohnt. Den nun ist es da: Das neue, komplett überarbeitete Kona Process 153 genannt G2.

Kona Process G2 2018

Auch beim neuen Process soll der Spaß nicht zu kurz kommen.


Die wichtigsten Neuerungen des Kona Process im Überblick


Drei Modelle des neuen Kona Process wird es geben. Das Process 165 aus Aluminium hat den meisten Federweg und ist sicher im Bikepark und auf entspannten Touren gut aufgehoben, während das Process 153 mehr nach vorne strebt, leichter ist, schneller und effizienter. Aber ohne dass der Spaß – die Trumpfkarte des alten Process – dabei zu kurz kommt. Erstmals gibt es auch eine 29-Zoll-Version des Process mit zwei Alu-Modellen, das Process 153 in 27,5 Zoll kommt in zwei Carbon- und zwei Aluminiumvarianten, die Kettenstreben sind bei allen Bikes aus Aluminium.


Neben der Carbon-Option des 27,5-Zoll-Bikes ist die wichtigste Neuerung sicherlich der Hinterbau. Der Dämpfer steht nun wieder im Rahmen, statt wie vorher zu liegen. Der Drehpunkt der Wippe liegt sehr hoch, um ein weiches Ansprechverhalten zu Beginn des Federwegs mit einer starken Endprogression zu verbinden. Außerdem passt nun ein Flaschenhalter und ab Rahmengröße M eine 150-Millimeter-Variostütze in den Rahmen, was ebenfalls einer der wichtigsten Kritikpunkte am alten Process und damit Anlass für die Neuentwicklung war. In L und XL können nun sogar Variostützen mit 170 mm Hub verbaut werden. Dass das Process mit stehendem Dämpfer besser zum Rest der Produktpalette passt, wird von den Entwicklern als angenehmer Nebeneffekt gewertet.

Kona Process G2 2018

Verbesserte Uphill-Performance trotz gleichbleibender Downhill-Qualitäten verspricht Kona für das neue Process.


Geometrie: abfahrtsstark und doch verspielt


Bei der Geometrie fallen die Änderungen dagegen nur moderat aus. Zwar wird das Bike noch etwas länger und flacher – 475 Millimeter Reach in Rahmengröße L und 66 Grad Lenkwinkel beim Process 153. Doch alle Nicht-Racer dieser Welt können erleichtert aufatmen. 425 Millimeter kurze Kettenstreben bei beiden Laufradgrößen (!) des 153er-Process hauchen dem Bike Spieltrieb ein, der neue Hinterbau soll auch den Hügel hinauf für deutlich mehr Performance sorgen, ohne im Downhill Leistung zu opfern, Reach und Lenkwinkel sind moderat geblieben. Die Tretlagerabsenkung beim 27,5-Zoll-Bike beträgt -10 Millimeter, beim 29-Zoll-Bike -29 Millimeter. Der Sitzwinkel ist mit 74 Grad bei beiden Laufradgrößen angenehm steil. Für besondere Langlebigkeit setzt Kona außerdem bei allen Lagern auf hochwertige und abgedichtete Kugellager, an der Wippe und dem Hauptdrehpunkt des Hinterbaus kommen für Steifigkeit und Langlebigkeit sogar massive 20-Millimeter-Lager zum Einsatz. Die Wippe erinnert an den Downhill-Boliden Operator, auch sonst soll der neue Rahmen extrem steif sein. Das etwas höhere Gewicht nimmt man in British Columbia dafür gerne in Kauf, auf eine Geometrieverstellung mittels Flip-Chip oder Ähnlichem hat man bewusst verzichtet. Lieber intuitiv und gut als fummelig und kompliziert, das war schon immer Konas Credo.

Ian Schmitt, Produkt-Manager bei Kona, erklärt wie es zum neuen Process kam und worauf bei der Entwicklung besonderer Wert gelegt wurde.


Preise und Ausstattungen des Kona Process G2

Kona Process G2 2018

Das babyblaue Topmodell der neuen Process-Reihe kostet 5999 US-Dollar und ist mit Guide RSC, Lyrik RCT3 und Super-Deluxe RCT Dämpfer bestückt.


Das obere Ende der neuen Process-Produktpalette markieren die beiden Carbon-Modelle Process 153 CR/Dl 27,5 und CR 27,5. Gegenüber dem Topmodell CR/DL spart das CR vor allem an Antrieb, Fahrwerk und Bremsen. Statt der Guide RSC kommt hier eine Guide R, statt der X01 Eagle kommt hier eine GX Eagle mit der normalen Descendant-Kurbel zum Einsatz. Beim Fahrwerk gibt es „nur“ den normalen Deluxe RT Dämpfer statt dem Super Deluxe RCT mit Ausgleichsbehälter und eine Lyrik Solo Air RC statt der RCT3 Variante. Die Carbonmodelle werden 5999 US-Dollar und 4799 US-Dollar kosten, ähnliche Preise in Euro sind zu erwarten, liegen uns aber noch nicht vor. Die Züge sind für eine cleane Optik zum großen Teil innenverlegt aber durchgehend, so dass sie sich trotzdem leicht wechseln lassen. Wo die Züge unten aus dem Rahmen austreten, hat Kona außerdem ein Ersatzschaltauge verborgen. Ein cleveres Detail!

Kona Process G2 2018

Das Kona CR 27,5 ist der Einstieg in die Carbon-Palette. Rock Shox Lyrik RC, metrischer Deluxe RT Dämpfer, WTB i29 Felgen mit Formula Naben, GX Eagle Gruppe, Guide R, Reverb, das sind die Eckdaten.

Kona Process G2 2018

Für 3499 US-Dollar geht das Deluxe-Modell der Alu Palette des 27,5 Zoll Bikes über die Ladentheke. Die Ausstattung ist mit dem 29 Zoll Bruder fast deckungsgleich.


Preisbewusstere Käufer werden aber eher zu den Aluminium-Modellen des Process G2 greifen. Hier hat man die Wahl zwischen 27,5 und 29 Zoll, wobei die DL-Modelle wiederum die bessere Ausstattung zeigen, aber eben auch 3599 US-Dollar statt der 2999 US-Dollar für das Standardmodell kosten werden. Gespart wird beim Standardmodell dann jedoch an einigen Ecken und Enden. Statt Guide R wird mit Level T gebremst, für Bodenkontakt sorgen Maxxis Minion DHF dual compound statt der 3C Mischung im Deluxe Modell, das Standardmodell rollt auf günstigeren Felgen aber gleichen Naben, die Gänge sortiert hier eine NX-Elffach Gruppe mit Race Face Aeffect Kurbel statt der GX Eagle mit Descendant Kurbel im DL Modell. Auch im Standardmodell steckt eine Variostütze, jedoch eine günstigere Trans-X statt der Reverb im DL Modell. Das Fahrwerk ist jedoch mit Rock Shox Yari Solo Air und dem Deluxe RT Dämpfer im Heck dasselbe. Die Züge sind hier außenverlegt. Sieht nicht ganz so schick aus, ist aber gut gelöst und spart im Zweifel eine Menge Arbeit und Fummelei.

Kona Process G2 2018

Das Topmodell der 29 Zoll Reihe kommt mit GX Eagle, Yari, Deluxe RT Dämpfer, Guide R und Reverb. Die Kettenstreben sind mit 425 Millimeter extrem kurz, so soll auch das 29 Zoll Bike sehr verspielt fahren.

Kona Process G2 2018

Das neue Process 165 ersetzt das alte Process 167, das schon letztes Jahr vom Markt genommen wurde. Ein Bikepark Enduro mit Downhillbremsen, Coil-Dämpfer und 165/170 Millimeter Federweg das auch entspannte Touren gut mitmachen wird.


Preislich zwischen den Carbon- und den Alu-Modellen des 153er Process steht das 165 Process mit nur einem Modell für 3999 Euro. Es ist mit einem Lenkwinkel von 65 Grad etwas flacher gestaltet als seine kleinen Brüder, der Reach schrumpft dafür um 10 Millimeter auf 465 Millimeter in Rahmengröße L, Sitzwinkel und Tretlagerabsenkung bleiben gleich. Die Unebenheiten bügeln hier eine Rock Shox Lyrik RC Solo Air mit 170 Millimeter Federweg und ein Super Deluxe Coil R Stahldämpfer aus dem Trail, gebremst wird mit der Downhillbremse Code R, die Gänge sortiert eine GX Eagle mit Descendant-Kurbel, für die Sattelabsenkung sorgt eine KS Lev Integra mit ergonomischem Southpaw-Lever, das Bike rollt wie seine kleinen Brüder auf WTB i29 Felgen mit Formula Naben und Maxxis Minion Reifen, jetzt allerdings in der Downhill-Variante und natürlich der hochwertigen 3C Mischung.


Fazit: Gutes noch besser machen

Kona Process G2 2018

Vollgas und hopp. Bergab ist das Process in seinem Element, das neue Bike soll aber auch viel besser bergauf pedalieren.


Das neue Kona Process G2 könnte wie sein Vorgänger ein großer Wurf sein. Die verspielte Geometrie hat man weitestgehend beibehalten und nur in Details optimiert, Probleme wie der fehlende Flaschenhalter oder die zu kurzen Variostützen löst der neue Rahmen effektiv. Erstmals gibt es eine 29-Zoll- und eine Carbon-Version, Freerider werden sich über das Process 165 freuen und auch preislich ist Kona erfreulicherweise auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt, falls sich die Dollar-Preise wie in der Vergangenheit direkt in Euro übersetzen lassen. Ein Schnäppchen waren die Kanadier nie, aber über 5000 Euro für das gut, aber nicht exorbitant ausgestatte Topmodell Process 153 DL mit Alurahmen, waren wirklich etwas übertrieben und davon ist die neue Produktpalette weit entfernt. Wir sind gespannt auf erste Tests!

Kona Process G2 2018

Das neue Kona Process wirkt durchdacht und hat eine angenehme Geometrie, selbst das Preis-Leistungsverhältnis scheint erträglich. Wir sind gespannt auf erste Tests.

Alle Informationen zu den einzelnen Modellen auf der Website von Kona.

Adrian Kaether am 15.09.2017
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