Red Bull Rampage 2017 Red Bull Rampage 2017

Red Bull Rampage 2017: Rennbericht und Videos

Runde rückwärts: Kurt Sorge flippt zum dritten Sieg

Adrian Kaether am 30.10.2017

Kurt Sorge holte als erster Freerider der Rampage-Geschichte zum dritten Mal den Sieg. Cam Zink landete mit seinem Backflip auf Platz zwei. Die Überraschung des Tages lieferte aber der Franzose Bizet.

"Rider Number eighteen – Kurt Sorge. Three, Two, One… Sorge on Course." Dumpf dröhnt die Stimme des Ansagers durch die Wüste von Utah. Überall riesige, steile, rote Klippen, soweit das Auge reicht. Wie ein kleiner, flatternder Dreckfleck auf der Kameralinse schwebt der Hubschrauber neben dem Startgate, etwa auf halber Höhe des Berggrates – mehr als dreihundert Höhenmeter über dem Ziel. Viele der Fahrer werden nach rund einer Minute im Ziel sein. Doch es wird eine der intensivsten und krassesten Minuten ihres Lebens sein. Mit ungewissem Ausgang, denn der buchstäbliche Grat zwischen adrenalingeschwängertem Glücksrausch und niederschmetterndem Absturz ist nirgends so schmal wie hier bei der Rampage.

Red Bull Rampage 2017

Aaahhh – Andreu Lacondeguy verlor im Flug sein Bike. Passiert ist zum Glück nix.

Steil, steiler, Worldcup, Rampage.

Die Red Bull Rampage gastiert 2017 schon zum zweiten Mal auf diesem Berggrat, der 2016 als Rampage-Gelände sein Debut feierte. Grob drei Möglichkeiten gibt es hier: Auf der aus Fahrersicht linken Seite ist das Gelände so steil und voller Absätze, dass selbst die Veranstalter eine Fahrt hier gar nicht für möglich gehalten hatten. Durch die Arbeit von Tyler McCaul und Darren Berrecloth im letzten Jahr wurde das Unmögliche dann doch möglich, der "Green Goblin" getaufte Drop macht seinem ekelerregenden Namen jedoch nach wie vor alle Ehre.

In der Mitte ist es kaum besser. Ein extrem verwinkelter und technischer Einstieg führt in eine lange Steilpassage mit deutlich über 60 Grad Gefälle. Bremsen ist hier nahezu unmöglich, wer stark in die Eisen steigt riskiert einen Abflug bei rund 80 Kilometer pro Stunde und wird sich mindestens 100 Meter tiefer auf einem Felsen wiederfinden. Rechts wartet eine ebenfalls steile Passage. Hier gibt es viele Drops und Sprünge die auch zahlreiche Tricks zulassen, doch auch hier wäre jeder "normale" Downhill-Weltcupfahrer hoffnungslos überfordert.

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Sturzflug: Cam Zink donnert fast senkrecht den Starthügel hinunter.

Cam Zink legt vor.

Der kanadische Slopestyle-Profi Brett Rheeder hatte dieses Jahr die Ehre, die Red Bull Rampage zu eröffnen. Bei besten Bedingungen startete er in den Contest, legte einige optisch schöne Drops und Sprünge hin, zog sogar zwei Flat Drop Backflips und einen 360er. Doch beim Cork 720 verschätzte er sich ein wenig und landete im Staub. Passiert ist zum Glück nichts, und Rheeder konnte auf seinen zweiten Run warten, um den Trick noch einmal zu versuchen.

Vincent Tupin und Local Ethan Nell hatten solide Runs und fuhren beide in die 70er-Punkte. Als nächstes war Mitfavorit und Rampage-Profi Cam Zink an der Reihe: Was würde der Amerikaner dieses Jahr bringen? Sein Backflip vom Oakley Sender und sein todesmutiger 360er an einem der wohl größten Drops, die es je gegeben hat, sind noch immer unvergessen.

Kontrolliert und langsam fand er seinen Weg in die unglaubliche Steilpassage in der Mitte des Geländes, flog durch die kleineren Sprünge in der Mitte, setzte dann zwei Hammer-Backflips über riesige Drops hintereinander und schloss mit einem technisch anspruchsvollen 360er über einen Hip-Jump, der damit faktisch etwa zum 450 wurde, alles mit viel Style und fast perfekter Ausführung. Die Judges ehrten ihn dafür mit starken 90,33 Punkten.

Mit diesem Lauf verpasste Cam Zink bei der Rampage 2017 knapp das Podium. 90,33 Punkte.

Kurt Sorge holt 92,66 Punkte – Ein Sieg für den Kanadier?

Logan Binggeli, Ryan Howard und Bas van Steenbergen holten jeder knapp 70 Punkte. Darren Berrecloth holte mit einem guten Run 80 Punkte. Andreau Lacondeguy holte 83 Punkte, Tom van Steenbergen mit einem Frontflip 84 Punkte, Tyler McCaul setzte mit 86,33 noch eine gute Schippe drauf, wurde jedoch selber von Slopestyle Ass Thomas Genon überboten, der mit einer Kombination aus fetten Drops und schwierigen, technischen Tricks sowie viel Style sogar 88,33 Punkte holte. Spätestens als dann Kyle Strait mit 87,33 Punkten ins Ziel kam, wurde es eng im Kampf um das Podium. Und da war Carson Storch mit 87,66 Punkten noch nicht einmal im Ziel.

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Kurt Sorges Backflip, der ihm nach 2012 und 2015 den dritten Rampage-Sieg seiner Karriere einbrachte.

Doch einer interessierte sich dafür überhaupt nicht: Kurt Sorge. Der Kanadier war neben Kyle Strait und Brandon Semenuk einer der wenigen, der 2017 den Rampagesieg Nummer drei holen konnten. Schon zweimal hatte er in Utah triumphiert und ging die Sache dementsprechend etwas lockerer an. Zwei Drops auf dem rechten Berggrat leiteten seinen Run ein, in der mittleren Sektion ließ er im Moto-Stil mächtig das Heck zum Whip raushängen, es folgten zwei riesige Backflips mit extrem langsamer Rotation und perfekter Körperhaltung und ein Suicide No Hander. Im Ziel angekommen meinte Kurt Sorge nur: "That was fun" (Das war lustig). Der Jury war die Vorstellung 92,66 Punkte wert.

Dritter Sieg für Kurt Surge. Damit ist er der erste Freerider in der Rampage-Geschichte, dem das gelingt. Die Jury wertete den Lauf des Kanadiers mit 92,66 Punkten auf Platz 1.

Antoine Bizet: Was war denn da mit der Jury los?

Bald ging Antoine Bizet an den Start. Der Franzose pusht das Niveau der Rampage wie nur wenige andere Fahrer, er landete schon im letzten Jahr Tricks, von denen andere noch nicht einmal träumten. Er ist der bisher einzige Fahrer, der bei der Rampage einen Doppel-Salto rückwärts zeigte und wurde deswegen wieder als einer der Favoriten gehandelt. Und Antoine Bizet enttäuschte nicht. Mit viel Speed und durchaus stylish raste er über den rechten Berggrat, leitete bald mit erst einem, dann noch einem Backflip über fiese Drops ein, zog einen unglaublichen Frontflip und auf dem letzten Sprung seinen Double Backflip hinterher. Eine unglaubliche Leistung, erst recht auf einem ausgewachsenen Downhill-Bike. Die Zuschauer belohnten seine Performance mit dem People's Choice Award.

Mickrige 81,66 Punkte bekam er dagegen nur von der Jury. Das sind 3,33 Punkte weniger als Kurt Sorge in seinem zweiten Run, der im Prinzip nur eine Ehrenrunde ohne echte Tricks war. Nur 1,66 Punkte mehr als Cam Zink in seinem zweiten Run, der beim letzten Sprung noch einen Frontflip versuchte und dabei zu Boden ging. Bizet für einen technisch anspruchsvollen Run mit soliden Sprüngen am Anfang und in der Mitte und gleich zwei Sprüngen am Ende, die auf dem Big-Bike nur eine Handvoll Menschen beherrschen.

Die Erklärung: Weil eine von ihm und seiner Digging-Crew gebaute Landung im Training abrutschte, musste er einen geplanten Drop auslassen. So sei er auf die Linie eines anderen Fahrers ausgewichen, weshalb ihn die Jury abstrafte. So begeistert er von seinem Lauf selber war, so enttäuschend muss die Jury-Entscheidung für ihn gewesen sein. Im zweiten Durchgang versuchte er gar nicht erst, mehr Punkte rauszuholen und ließ sich stattdessen von den Fans feiern. Seinen ersten Lauf kann man in der Wiederholung ab 2:01:20 Stunden noch einmal sehen. Hier der Run aus seiner Helmkameraperspektive:

Große Überraschung: Mit diesem spektakulären Lauf sahen die Zuschauer den Franzosen Antoine Bizet ganz vorne. Die Jury sah die Sache anders: nur 81,66 Punkte, Platz 12.

Kurt Sorge kann nicht entthront werden

Damit stand der Sieger fest. Niemand hatte Kurt Sorges 92,66 Punkte überbieten können. Nicht Brandon Semenuk, der Vorjahressieger, der in seinem ersten Run stürzte, in seinem zweiten Run aber fast 90 Punkte holte, auch nicht Brett Rheeder, der in Run zwei nur knapp hinter Semenuk lag. Nicht Thomas Genon der sich noch einmal auf 89 Punkte verbesserte und auch nicht Überraschungspaket und Local Ethan Nell, der mit einem starken zweiten Run ganze 90 Punkte einheimste. Cam Zink stürzte beim Versuch, aus seinem zweiten Lauf noch mehr Punkte rauszupressen, blieb zum Glück unverletzt aber chancenlos. Tom van Steenbergen packte einen todesmutigen Caveman aus – der Fahrer springt dabei mit dem Bike in der Hand von der Klippe, steigt im Flug auf und landet dann auf den Reifen – auch dieses Risiko ehrte die Jury nur bedingt.

Der Local-Boy Ethan Nell begeisterte die Jury. Der Lohn: 90,00 Punkte und Platz 3.

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Kurt Dorge mit der beeindruckenden Rampage-Trophäe.

So ging der Sieg an Kurt Sorge. Ein extrem guter Run, Ohne Zweifel. Aber der beste Run des Events? Besser als Cam Zinks erster Lauf, besser als Antoine Bizet mit Frontflip und Double Backflip, besser als Tom van Steenbergens unglaublicher Caveman mit vielen anderen Tricks? Das wird wohl auf ewig umstritten bleiben.

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Die Top-3 der Rampage 2017 (v. l.): Cam Zink, Kurt Sorge und der erst 20-jährige Lokalmatador Ethan Nell.

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Antoine Bizet (links) stahlt über den Zuschauerpreis. Rechts freut sich Pierre Edouard Ferry über den Kelly McGarry Spirit Award. Den hatte er sich verdient, weil er als Erster in die unfassbar steile Falllinie stürtzte, die er mit Kyle Strait und Cam Zink geschaffen hatte.

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Adrian Kaether am 30.10.2017
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