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Elmar Sprink: Cape Epic Blog

Elmar Sprink beim Cape Epic 2017

Elmar Sprink am 20.03.2017

Elmar Sprink gilt als fittester Herztransplantierter der Welt. Dieses Jahr steht er beim legendären Cape Epic am Start. Hier sein Blog vom härtesten MTB-Etappenrennen der Welt – täglich aktualisiert.

Prolog: 26 km & 750 Hm

Elmar Sprink Cape Epic 2017 Prolog

Elmar (rechts) vor dem Start des Prologs mit seinem Partner David.

Als erstes will ich unser Team einmal kurz vorstellen. Denn ohne das Team würde das Projekt „Cape Epic“ gar nicht funktionieren. Mit dabei sind meine Frau Karin, Wouter (mit dem ich ursprünglich fahren wollte und sehr froh bin, dass er trotzdem dabei ist), dann mein neuer Teampartner David, der zu Hause in Köln auch mein Physio ist und Uwe, unser Physio, den ich schon seit 40 Jahren kenne.

Gestern war ich in Meerendal zu einem Interview der TV-Sendung Supercycling eingeladen. Vorher sind David und ich kurz noch 30 Minuten dort gefahren und hatten dann überall Dornen in den Reifen. Weil wir es nicht besser wussten, haben wir diese entfernt und hatten dann direkt einmal vier platte Reifen. Wieder was dazu gelernt! Einfach drin lassen und weiterfahren. Wir haben das dann vor Ort noch in Ordnung bringen lassen und sind dann zurück zum Hotel.

Elmar Sprink Cape Epic 2017 Prolog

Nicht überzogen und mit der Hitze gut zurechtgekommen: Elmar (vorne) auf den letzten Metern des Prologs.

Heute stand dann der Prolog mit 26 Kilometern und 750 Höhenmetern an. Unsere Startzeit war mit 11:16 Uhr sehr spät und nach uns kamen nur noch 43 Team und damit fast nur Profis. Mit am Start (11:18 Uhr) auch Cadel Evans und George Hincapie. Ich hatte etwas Angst, wie es auf den Singletrails mit dem Überholt-Werden sein würde, doch es war dann am Ende gar nicht schlimm. Die Jungs können wirklich MTB fahren. Bei 35° Celsius war die Etappe sehr heiß und staubig. Der erste Anstieg ließ den Puls gleich gut ansteigen. David und ich haben dann aber unseren Rhythmus gefunden und waren überrascht, dass wir gerade im Downhill doch recht gut waren. Ich hatte im Vorfeld bei Joanna Dobinson von „Biking In The Bosch“ zwei Mal Techniktraining genommen. Wer einmal in Stellenbosch ist, sollte das unbedingt machen. Mir hat es sehr viel geholfen. Morgen stehen 102 Kilometer mit 2300 Höhenmetern an. Wir werden das Ganze auf jeden Fall langsamer angehen als heute. Heute liegen wir mit einer Zeit von 1:41 Stunden auf Platz 423 von 658 Teams. Unser Ziel ist das Ziel nächsten Sonntag.

Ich berichte dann morgen mal wieder. Essen, Massage und dann ins Bett. Zum Glück haben wir ein super schönes Hotel. Denn das Thema Zelten, mit 1000 Leuten gemeinsam essen und sich WCs teilen ist als Transplantierter so gar nichts.

Sonnige Grüße aus Hermanus,
Elmar

1. Etappe Hermanus: 101 km & 2300 Hm

Heute fällt der Bericht etwas kürzer aus. Sind müde! Unser Start war um 7:45 Uhr. Die Profis sind um 7:00 Uhr los. Die Etappe hatte 101 Kilometer und 2300 Höhenmeter. Hört sich für Rennradfahrer gar nicht so viel an. Wir hatten am Ende 6:45 Stunden Netto-Fahrzeit. Genaues Ergebnis habe wir noch nicht. Haben jede Verpflegungsstelle genutzt. Es war sehr heiß und die Etappe bestand fast nur aus sandigen, steinigen Wegen oder Trails. Jetzt heißt es, so gut es geht regenerieren. Essen und besonders viel trinken und ab ins Bett. Morgen wird es wieder ein langer Tag.

Elmar Sprink Cape Epic 2017

Elmar Sprink (links) und sein Partner nach 6:45 Stunden im Sattel.

Gute Nacht!
Elmar

2. Etappe Hermanus–Greyton: 62 km & 1500 hm

Wie aus der Kürze meines Berichtes gestern zu lesen war, ging es gestern nur um die Regeneration. Die Etappe war nicht ohne. Aufgrund der großen Hitze und der Tatsache, dass bereits 80 Teams ausgeschieden sind, hat der Veranstalter die heutige Etappe auf 62 Kilometer gekürzt. Das erste Mal in 14 Jahren Cape Epic, dass eine Etappe verkürzt wurde. Wir sind die Etappe heute ganz langsam angegangen. Wir hatten uns gestern einen Starblock nach vorne gearbeitet und sind heute morgen ganz hinten im Startblock gestartet. Mein Ziel war es, die Etappe mit einer möglichst niedrigen Herzfrequenz zu fahren und gerade die Peaks zu vermeiden, was beim Mountainbiken nicht so einfach ist. Also bin ich bei steilen Anstiegen vom Rad und habe geschoben. Durchs „Trailrunning“ hatte ich so über zehn Schläge weniger, als wenn ich gefahren wäre. Zudem war ich auch nicht wirklich langsamer und konnte so die hintere Oberschenkelmuskulatur gut dehnen. Meine Herzfrequenz lag bei 126 Schlägen im Schnitt.

Elmar Sprink Cape Epic 2017 2. Etappe

126er Durchschnittspuls auf der zweiten Etappe: Elmar Sprink (links) steckt die Strapazen bisher gut weg.

Elmar Sprink Cape Epic 2017 2. Etappe

Gezeichnet von der Hitze, von Staub und Sand.

Im Mittelfeld, wo wir uns befinden, gehts es bei allen eher ums Ankommen. Es wird wirklich fair gefahren und man hilft sich. Meine Szene des Tages war kurz vor Schluss der Etappe, als mich eins der Mädels vom Team Bulls kurz angeschoben hat und ich so an einer kleinen letzten Rampe nicht vom Rad musste. Auf den wenigen flachen Passagen merkt man, dass mein Teampartner David mal bei der Triathlon-Bundesliga gestartet ist. Denn dann gehen seine Hände immer gleich auf den Lenker und ich versuche ihm unauffällig zu folgen. Die Etappe morgen ist mit über 70 Kilometern etwas kürzer, bevor es am Donnerstag auf 112 Kilometern wieder zur Sache geht.

Sonnige Grüße vom Weingut und bis morgen.
Elmar & David

3. Etappe Greyton – Greyton: 78 km & 1650 hm

Heute ging es über 78 Kilometer und 1650 Höhenmeter von Greyton zurück nach Greyton. Der Tag fing etwas hektisch an. Wir wohnen etwa 40 Minuten von Start und Ziel entfernt auf einem Weingut. In der Früh fehlte uns der Code für das Tor und wir kamen nicht vom Gelände. Dann haben wir uns auf dem Hinweg leicht verfahren. Um 7:50 Uhr waren wir dann da. Räder abgeholt. Um 7:57 Uhr beim Start eingecheckt (unser Startblock stand schon am Start und nicht mehr im Block). Um 8:00 Uhr ging es dann pünktlich auf die Reise. Es war wieder lecker warm und die Etappe „rollte“ ungewohnt schnell dahin. Dann war es aber vorbei mit Einrollen und es folgten zwei, drei steile Anstiege und zwei Abfahrten, die es auch technisch in sich hatten. Nach gut fünf Stunden waren wir dann wieder im Ziel – ohne jegliche Schäden an uns und an unseren Fuji-Bikes. Abends haben wir lecker draußen gegessen und uns noch Tipps von unserem Nachbarn Konny Looser geholt. Er fährt das Rennen hier als Profi mit, ist es schon mehrfach gefahren und kennt sich super aus. Morgen geht es auf die mit 112 Kilometern und 2150 Höhenmetern längste Etappe. In etwa abschätzen zu können, was uns erwartet, hat sehr geholfen. Gerade mental! Danke Konny!

Cape Epic 2017 Elmar Sprink 3. Etappe

Profi Konny Looser (Mitte) hat Elmar und seinem Partner David ein paar Tipps für die lange Etappe gegeben.

Cape Epic 2017 Elmar Sprink 3. Etappe

Die vierte Etappe mit 112 Kilometern hat es in sich.

Unser Physio Uwe Schilling wird uns jetzt noch Beine und den oberen Rücken wieder frisch machen. Um 20:15 Uhr heißt es hier nämlich nicht Nachrichten schauen, sondern ab ins Bett!

Bis morgen,
Elmar & David

4. Etappe Greyton – Elgin: 112 km & 2150 hm

Die vierte Etappe führte über wellige Schotterpisten mit einigen Anstiegen und schnellen Abfahrten zum ersten Verpflegungspunkt. Heute war es kühler, dafür aber deutlich mehr Wind. David lag oft auf seinem Lenker und ich klebte an seinem Hinterrad. Auch das zweite Drittel ging recht schnell vorbei. Dann kam ein langer Anstieg, leider aus einem Gemisch von Sand und Steinen. Die letzten 20 Kilometer hatten es in sich. Steile Singletrails bergauf und nicht endende kleine Rampen. Hier muss ich kurz einen Exkurs in die Transplantationsmedizin machen: Bei der Herztransplantation werden alle Nerven zum Herz gekappt. Bei mir sind glücklicherweise wieder Nerven nachgewachsen. Jedoch steigt meine Herzfrequenz immer noch etwas zeitverzögert. Das bedeutet, diese kleinen Rampen tun mir mehr „weh“ als anderen Bikern im Feld. Hier kam am Ende David wieder ins Spiel, der mich immer 20 Meter hier und 50 Meter da geschoben hat. Diese kleinen Impulse taten gut. Ins Ziel gab es dann noch mal einen Trail vom Feinsten. Morgen sieht das Profil auch nach vielen Rampen aus. Aber in der Ruhe liegt die Kraft ;-)

Elmar Sprink Cape Epic vierte Etappe

Eine Etappe mit vielen fiesen Rampen, die Elmars Herz mehr zusetzen als anderen Fahrern.

Gute Nacht!
Elmar

5. Etappe Elgin – Elgin: 84 km & 2100 hm

Heute muss ich mich leider auch kurz fassen. Nach 30 Kilometern hatte ich einen Sturz. Ein Baumstumpf war mit Sand bedeckt und nicht sichtbar. Leider lagen dort auch eine Menge Steine und ich bin auf einen gefallen. Als ich den Cut sah und das darunter, war für mich klar, das wars mit dem Cape Epic :-(

Elmar Sprink Cape Epic Sturz

Beim Verbinden der Wunde im Ziel.

Elmar Sprink Cape Epic Sturz

Elmar Sprink wird im Medizinzelt des Cape Epic bestens versorgt.

Es war zum Glück 100 Meter entfernt ein Medical-Mann auf dem Motorrad. Er hat die Wunde desinfiziert und verbunden und meinte: „Tief, aber Knochen sind ganz.“ Ich bin aufs Rad und zur nächsten Verpflegungsstelle. Dort wieder alles verbinden lassen. Meine Rippe machte sich auch langsam bemerkbar. Mental war es nun schwer. Gedanken an Krankenhaus und Ärzte. Was war mit der Wunde? David kennt sich medizinisch gut aus und hat mir Mut gemacht. Und irgendwie haben wir die 86 Kilometer und über 2000 Höhenmeter und all die Trails dann beendet. Ich bin dann direkt zu Jann. Sie ist die Race-Ärztin und sie checkt jeden Tag meine Blutwerte. Ist fast wie Familie für mich und sie tun alles, dass ich das Rennen beenden kann. Wunde wurde gesäubert und genäht und sogar mein Professor in Köln angerufen, der noch aus dem Flieger per WhatsApp geantwortet hat. Das Transplantationszentrum in Bad Oeynhausen hat mit Jann dann telefoniert und so habe Medikamente bekommen. Jetzt liege ich in der Wanne, Bein liegt außen quasi. Morgen kommen 2750 Höhenmeter. Drückt mir die Daumen. Leider ist mein Helm verschwunden. Aber denke, die BIKE Jungs kennen alle Profis vor Ort. Bitte gebt mir einen Helm. Größe 58-60. Daaaaanke!

Bis morgen,
Elmar

Infos zu Elmar Sprink: www.elmarsprink.de

Elmar Sprink am 20.03.2017
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