DH Worldcup #5 2017 Lenzerheide DH Worldcup #5 2017 Lenzerheide

Downhill Worldcup #5 2017 Lenzerheide: Rennbericht

Greg Minnaar fährt zu Worldcupsieg Nr. 21

Adrian Kaether am 10.07.2017

Die Bedingungen beim Worldcup in Lenzerheide waren erwartungsgemäß staubig und rutschig. Bei den Damen siegte Frankreich knapp, bei den Herren gab es ein Duell zwischen Minnaar, Brosnan und Gwin.

Die Lenzerheide im Juli. Da ist der Staub eigentlich vorprogrammiert. Wer den Worldcup-Zirkus schon länger verfolgt, der kennt das. Denn auch wenn die Downhill-Rennstrecke Teil des öffentlich befahrbaren Bikeparks Lenzerheide ist und die Kurven dementsprechend stabil aus Brechsand gebaut wurden: Drei Tage Training und Qualifikation machen sich eben doch bemerkbar. Und dass es in der Nacht vor dem Rennen regnete, machte dann auch keinen großen Unterschied mehr. Spätestens am Mittag war die ganze Downhill-Strecke wieder knochentrocken und gleich mehrere Favoriten mussten hilflos mit ansehen, wie sich ihre Siegchancen auf dem losen Split der vielen Kurven in Wohlgefallen auflösten.

DH Worldcup #5 2017 Lenzerheide

Phil Atwill ist schnell unterwegs im Moment. Schon in Leogang und Vallnord konnte er sich profilieren, in Lenzerheide reichte es gar für Platz fünf.

Rutscher bei Tahnee Seagrave

Los ging’s wie immer mit den Damen. Marine Cabirou und Vaea Verbeeck konnten wieder überzeugen und erreichten das Ziel schon nach gut 3:34 Minuten. Eine Zeit, an der sogar Ex-Weltmeisterin Manon Carpenter scheiterte. Allerdings fuhr sie auch nicht fehlerfrei und war mit sich selbst nicht zufrieden. "Ich bin froh, dass jetzt etwas Zeit ist bis Mont-Sainte-Anne [dem nächsten Worldcup]. Da habe ich Zeit, mich neu zu ordnen und stärker wieder zurückzukommen" schrieb sie auf Facebook.

Tahnee Seagrave war schnell unterwegs, doch in einer der letzten Kurven dann das erste Debakel des Tages: Sie hatte zu hart gepusht, das Hinterrad verlor Traktion und Tahnee rutschte quer über die Strecke. Zwar war sie im Nu wieder auf den Beinen und fuhr sich mit der bis dahin besten Zeit sogar noch auf den Hot Seat, doch das zeigte nur, was hätte sein können. Denn für solche Fehler ist kein Platz mehr, wenn man es ganz nach oben schaffen will.

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Emilie Siegenthaler kennt Lenzerheide wie ihre Westentasche. Ein Vorteil, der ihr im Rennen zu Platz drei verhalf. 

Es folgte Emilie Siegenthaler. Die Schweizerin genoss in Lenzerheide Heimvorteil und kennt die Strecke entsprechend sehr gut. Sie konnte diesen Vorteil auch nutzen und fuhr gleich eine Zeit jenseits der 3:30, mehr als zwei Sekunden schneller als jede andere Frau bisher. Selbst die Führende in der Gesamtwertung und designierte Spezialistin für staubige Bedingungen – Tracey Hannah – konnte der Ortskenntnis von Emilie Siegenthalter nicht Paroli bieten und erreichte das Ziel mit mehr als zwei Sekunden Rückstand.

Myriam Nicole gegen Rachel Atherton

Blieben nur noch zwei Damen im Startgate übrig. Die beiden schnellsten Fahrerinnen der Qualifikation: Rachel Atherton und Myriam Nicole. Nicole startete als Erste und zeigte einen ziemlich fehlerlosen Run. Der Worldcupsieg in Vallnord hatte ihr sichtlich gutgetan, und sie kämpfte in Lenzerheide mit neuem Selbstvertrauen um den Sieg. Das machte sich auch in ihrer Zeit bemerkbar. Fast 2,4 Sekunden Vorsprung im Ziel auf Emilie Siegenthaler. Eine Welt auf einer Strecke wie jener in Lenzerheide.

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Myriam Nicole: Erst ein Sieg in Vallnord, jetzt auch noch einer in Lenzerheide. Dabei mag sie die Strecke nicht besonders. Es scheint so, als hätte sie nach zwei Jahren mit mehreren Schlüsselbeinbrüchen endlich wieder zu alter Form und altem Selbstvertrauen zurückgefunden.

Dann Rachel Atherton. Die Britin war nach einer ausgekugelten Schulter schon letzte Woche auf die Rennstrecke zurückgekehrt und holte in Andorra prompt Platz vier. In Lenzerheide fuhr sie dann nur einige wenige Trainingsläufe, um die Schulter zu schonen und gewann dennoch die Qualifikation. Auch im Rennen zeigte sie sich wie gewohnt: schnell, fehlerlos, unangreifbar. Doch Nicole hatte gut vorgelegt. Trotzdem war Rachel im oberen Teil der Strecke schneller, unten konnte sie dem Druck von Myriam Nicole nicht standhalten.

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Rachel Atherton ist gefährlich wie eh und je – dabei ist ihre Schulter noch lange nicht vollständig verheilt. Sie wird Nicoles ärgste Konkurrentin in Monte-Sainte-Anne werden.

Mit einer halben Sekunde Rückstand erreichte sie das Ziel. Möglich jedoch, dass die Schulter Rachel auf der kurzen Strecke in Lenzerheide noch ausbremste. In Mont-Sainte-Anne dürfen wir jedenfalls ein spannendes Rennen erwarten: Rachel Atherton gewann hier die letzten Jahre, aber auch Nicole gibt sich kämpferisch. Denn nach ihrer Lieblings- und Hausstrecke in Andorra hat sie nun auch den Sieg in der Schweiz geholt, einer Strecke die ihr nicht so gut liegt. Mont-Sainte-Anne ist dagegen wieder eher nach ihrem Geschmack, mit einem knappen Duell zwischen den beiden ist also zu rechnen.

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Die Damen feiern ihren Sieg: Tracey Hannah, Rachel Atherton, Myriam Nicole, Emilie Siegenthaler und Tahnee Seagrave (von links).

Harte Kämpfe bei den Männern

Auch die Männer machten es spannend. Doch nicht erst am Ende. Nachdem Luca Shaw die erste richtig schnelle Zeit nah an der Drei-Minuten-Marke auf die Strecke gebrannt hatte, wurde erst mal nur um Sekundenbruchteile gekämpft. Mit weniger als einer Zehntelsekunde Vorsprung übernahm der Brite Phil Atwill zwischenzeitlich die Führung – wieder ein sehr gutes Ergebnis für das junge Talent aus der Nähe von London. Doch schon der nächste Fahrer, Laurie Greenland, erreichte das Ziel in weniger als drei Minuten und verdrängte Atwill damit auf Platz zwei.

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Full Gas: Danny Hart lässt es fliegen. In Lenzerheide war der Brite wieder schnell unterwegs, am Ende reichte es immerhin für Platz drei.

Connor Fearon war dann der erste richtig schnelle Fahrer, dem der geringe Grip zum Verhängnis wurde. Etwa auf halber Strecke verlor er die Kontrolle und rutschte weg. Ärgerlich, denn seine erste Rennhälfte war konkurrenzfähig gewesen. Erst viele Starter später konnte Danny Hart seinen Teamkollegen Laurie Greenland endlich schlagen und übernahm die Führung und den Platz im Hot Seat. Loris Vergier startete als nächstes, doch rutschte er schon in der allerersten Kurve von der Strecke. Auch für Loic Bruni lief das Rennen alles andere als glatt: In einer der schnellsten Kurven kostete ein großer Drift viel Zeit und Geschwindigkeit und Bruni verlor fast eineinhalb Sekunden und den Anschluss an die schnellsten Fahrer.

Kann Gwin wieder den Sieg holen?

Und so blieben nur noch Minnaar, Brosnan und Gwin übrig. Die drei aktuell schnellsten Fahrer enttäuschten nicht: Minnaar behielt wie immer auch in heiklen Situationen die Kontrolle und fegte auf großen Rädern den Abhang hinunter. Noch einmal 1,8 Sekunden schneller als Danny Hart kam Minnaar im Ziel an. Ebenso fehlerlos zeigte sich Brosnan. Er fuhr allerdings auf "kleinen" Rädern und hatte am Ende nur um Haaresbreite das Nachsehen.

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Troy Brosnan fährt eine extrem gute Saison. Ein Sieg in Vallnord, jetzt landete der Australier schon wieder fast ganz oben.

Gwin übte sich daraufhin nicht in Zurückhaltung, denn er war nun der einzige, der Minnaar seinen 21. Worldcupsieg noch streitig machen konnte. Er sprintete aus dem Startgate, flog über den fiesen Rockgarden im oberen Streckenabschnitt, nahm die schnelle Innenkurve, die Bruni so viel Zeit gekostet hatte, schoss über den großen Baumstumpf im oberen Drittel und nur wenige Augenblicke später über den ersten großen Drop. Die Anzeigetafel blinkte grün, 0,686 Sekunden Vorsprung für Aaron Gwin. Ein sehr guter Anfang.

Auch im weiteren Verlauf ließ Gwin nichts anbrennen und baute seine Führung sogar noch auf über 1,2 Sekunden aus. Doch dann das Desaster: Auf dem letzten, von Wurzeln durchsetzten, Rockgarden in einer Kurve landete das Hinterrad hart auf einem spitzen Felsen. Selbst in der Liveübertragung war der Knall noch hörbar. Carbonfelge auf Stein, kein gutes Geräusch. Damit war der Sieg dahin, Gwin schleppte sich platt ins Ziel und hatte über zehn Sekunden Rückstand. Glück für Greg Minnaar, der im Interview zu seinem Sieg auch gleich Gwins Leistung würdigte "Aaron hatte so ein gutes Rennen. Er lag in Führung, als er sich den Platten holte […] Wer weiß, wie es am Ende ausgegangen wäre…" So holt Greg Minnaar Worldcup-Sieg Nummer 21 und baut seine Führung in der Gesamtwertung aus. Auch auf dem langen Kurs von Mont-Sainte-Anne ist auf jeden Fall mit ihm zu rechnen.

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Das ist bitter: Zwischenzeitlich lag Aaron Gwin über eine Sekunde vorne, doch mit dem Reifen zerplatzten auch alle Träume vom Sieg.

Alle Ergebnisse finden Sie auf der Website der UCI, die Live-Übertragung gibt es auf Redbull.tv im Replay zu sehen.

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Greg Minnaar scheint in dieser Saison kaum zu schlagen zu sein. Ob Mont-Sainte-Anne da eine Veränderung bringen wird?

Adrian Kaether am 10.07.2017
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