Cross-Country Worldcup #5 2016 Mont-Sainte-Anne Cross-Country Worldcup #5 2016 Mont-Sainte-Anne

Cross-Country Worldcup #5 in Mont-Sainte-Anne: Rennbericht

Alter vor Schönheit?

Adrian Kaether am 08.08.2016

Beim Worldcup in Mont-Sainte-Anne konnten wir das Comeback von Pendrel und Dahle-Flesjå erleben. Im Rennen der Männer hatte die Jugend das Sagen, entthronen konnte sie Absalon jedoch nicht.

Der Kurs in Mont-Sainte-Anne gehört zu den anspruchsvollsten Strecken, die der Worldcup-Kalender zu bieten hat. Mehr als vier Kilometer und 219 Höhenmeter müssen die Cross-Country-Biker pro Runde überwinden. Zeit zum Durchatmen bleibt fast nur in den zwei Technik- und Verpflegungszonen, sonst wechseln sich extrem steile Serpentinen-Anstiege mit den technischsten und gefährlichsten Abfahrten ab, die der Sport je gesehen hat. Allen voran natürlich die berüchtigte "La Beatrice" auf der selbst Abfahrtskünstler Nino Schurter schon spektakulär über den Lenker ging, zum Glück aber weitestgehend unverletzt blieb.

Cross-Country Worldcup #5 2016 Mont-Sainte-Anne

Gunn-Rita Dahle Flesjå konnte in Mont-Sainte-Anne wieder überzeugen, zum Beispiel auf ihrem Hardtail hier in der berüchtigten "La Beatrice". Für Rio muss man wieder mit ihr rechnen.

Dabei gehört die Strecke auch zu den ältesten Worldcup-Kursen überhaupt. Seit mehr als 20 Jahren werden hier Mountainbike-Worldcups ausgetragen. Mit der Zeit hat sich auch die Strecke den neuen Anforderungen an Fahrer und Material angepasst.

Durch die verhältnismäßig kurzen aber extrem steilen Anstiege sind hier Athleten gefragt, die einerseits schwere und technische Anstiege gut bewältigen, aber andererseits auch bei maximaler Herzfrequenz in der Abfahrt die Nerven behalten können. Eigentlich eine Paradestrecke für Neff, Schurter und Rissveds, doch alle drei ließen, genauso wie Jaroslav Kulhavy, den Worldcup in Kanada zugunsten der Olympischen Spiele ausfallen.

Catharine Pendrel im Damenrennen unschlagbar

Im Rennen der Damen konnte die Catharine Pendrel von Anfang an beweisen, aus welchem Holz sie geschnitzt ist. Die 35-jährige Kanadierin erwischte einen guten Start und machte dann von Anfang an Druck. Schon nach der etwas verkürzten Startrunde hatte sie gut 29 Sekunden auf ihre nächsten Verfolger herausgefahren.

Cross-Country Worldcup #5 2016 Mont-Sainte-Anne

Catharine Pendrel blieb im Rennen der Damen unangreifbar.

Zwar drosselte sie ihre Pace nach der ersten Runde ein bisschen, doch selbst in Runde sechs pedalierte sie noch immer schier unermüdlich und mit stabiler Trittfrequenz über den schwierigen Kurs in ihrem Heimatland. Sie blieb vollkommen unantastbar, fast eine Minute trennte sie am Ende von der Zweitplatzierten.

Comeback von Gunn-Rita Dahle Flesjå

Nach einer bisher eher durchwachsenen Saison mit vielen technischen Problemen und Stürzen schlug in Kanada endlich wieder die Stunde von Gunn-Rita Dahle Flesjå. Die Norwegerin konnte zwar die Lücke zu Catharine Pendrel nicht schließen, hielt sich aber tapfer auf dem zweiten Platz – zunächst im Duo mit Annika Langvad, später als Solistin. In den letzten Runden kostete sie das merklich Kraft, doch viel Zeit verlor sie nicht auf die Führende und noch viel wichtiger: Sie ließ den Verfolgerinnen keine Chance.

Cross-Country Worldcup #5 2016 Mont-Sainte-Anne

Annika Langvad musste sich zwar am Ende mit Platz vier zufriedengeben, dennoch ist es ihr bestes Ergebnis in Mont-Sainte-Anne überhaupt.

Nachdem nämlich Annika Langvad leicht zurückgefallen war, pushte sie auf dem Serpentinen-Anstieg vor "La Beatrice" etwas zu hart, verlor die Kontrolle und war zum Schieben gezwungen. Wahrscheinlich wollte sie ihrer Verfolgerin, der Kanadierin Emily Batty, entkommen. Doch sie erreichte genau das Gegenteil, denn sie verlor ihren Rhythmus und musste, nach einem weiteren kleinen Fehler auch in der schwierigen Abfahrt schieben.

Das war die Chance, auf die Emily Batty gewartet hatte. Unermüdlich arbeitete sich Batty Sekunde um Sekunde an Langvad heran. Im letzten Anstieg der letzten Runde unterlief Langvad wieder ein kleiner Fehler, wieder musste sie absteigen. Doch anstatt brav hinterherzulaufen und ihr Glück in einem Ziel-Sprint zu suchen, nutzte Batty diese Chance, packte ihr Bike und sprintete zu Fuß an der Weltmeisterin vorbei.

Cross-Country Worldcup #5 2016 Mont-Sainte-Anne

Emily Batty hatte den größten Fansupport in Mont-Sainte-Anne.

Damit gingen die Plätze eins und drei mit Pendrel und Batty an Kanada, Platz zwei an Gunn-Rita Dahle Flesjå, Platz vier an Annika Langvad und Platz fünf an Katerina Nash. Und Jolanda Neff? Die war schon in Rio und nahm am Tag des Worldcups in Kanada am olympischen Straßenrennen teil. Sie wurde Achte und verpasste Platz fünf in einem Sprint-Finish mit drei weiteren Fahrerinnen nur um eine Radlänge. Ein sehr starkes Ergebnis.

Schweiz gegen Frankreich im Männerrennen

Im Rennen der Männer blieb das übliche Duell zwischen Schurter und Absalon zwar aufgrund Schurters Abwesenheit aus, doch das Duell Frankreich – Schweiz wurde weiter ausgetragen. Nach einem starken Start von Mathias Flückiger (SUI) und Mathias Stirnemann (SUI) sowie Viktor Koretzky (FRA) kämpfte sich auch Julien Absalon in die Führungsgruppe. Dort angekommen begann ein langes Taktieren. Niemand wollte wirklich Tempo machen, ein paar halbherzige Versuche von Julien Absalon scheiterten an der Motivation von Stirnemann und Flückiger.

Cross-Country Worldcup #5 2016 Mont-Sainte-Anne

Julien Absalon setzte sich deutlich gegen seine jüngeren Verfolger durch. Vor allem in der zweiten Hälfte des Rennens konnte ihm niemand mehr folgen.

Doch der Franzose wollte die anderen Fahrer offensichtlich nur ein bisschen aus der Reserve locken. Als sich Flückiger endlich entschloss, das Tempo zu pushen, ließ sich Absalon sogar ein wenig zurückfallen, nur um dann mit aller Macht zuzuschlagen. Der geballten Power des erfolgreichsten Cross-Country Athleten aller Zeiten hatten weder Flückiger noch Stirnemann etwas entgegenzusetzen. Ganze 44 Sekunden trennten den Franzosen am Ende von seinem nächsten Verfolger.

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Victor Koretzky gilt schon länger als eins der größten Nachwuchstalente des französischen Sports. Jetzt konnte er sich mit Platz zwei auch in der Weltelite einen Namen machen. Und das mit nur 21 Jahren!

Ein eindrucksvolles Rennen fuhr auch Victor Koretzky. Der erst 21-jährige Franzose hielt sich am Anfang noch etwas zurück und ging auch die Attacke von Flückiger nicht mit. Seine Reserven zahlten sich am Ende aus, sowohl Stirnemann als auch Flückiger konnten ihn nicht aufhalten. Mit Platz zwei fuhr er sein bei weitem bestes Worldcup-Ergebnis überhaupt ein.

Platz drei ging an Mathias Flückiger, der damit seit langem wieder ein richtig gutes Ergebnis einfuhr, Platz vier und fünf gingen an Mathias Stirnemann und Jordan Sarrou. Auch für sie beide ist es das beste Ergebnis in ihrer Karriere.

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Mathias Flückiger ist ein Abfahrtsgenie und auch ein starker Kletterer auf kurzen Anstiegen. Beides kam ihm in Mont-Sainte-Anne zugute.

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Das Podium der Herren: Matthias Stirnemann, Victor Koretzky, Julien Absalon, Mathias Flückiger und Jordan Sarrou (von links).

Die deutschen Athleten in Mont-Sainte-Anne

Für die Deutschen lief es in der Elite-Kategorie leider nicht besonders berauschend – vor allem für unsere Olympia-Teilnehmer. Manuel Fumic hatte einen guten Start, wurde dann aber bis auf Platz 16 durchgereicht. Moritz Milatz zwangen Defekte zur Aufgabe. Freuen kann sich dagegen Christian Pfäffle über Platz 23, Martin Gluth fuhr auf Platz 28.

Bei den Damen wurde Helen Grobert Zwölfte, Elisabeth Brandau 16. und Adelheid Morath 18. Sabine Spitz hatte einen guten Start, wurde allerdings nach einem Kettenriss nach hinten durchgereicht. Ohne diesen Technik-Defekt wäre vielleicht eine Top-Ten Platzierung möglich gewesen, so wurde es Platz 22.

Der große Lichtblick dann im Rennen der U-23 Herren: Lukas Baum holte Platz drei, Ben Zwiehoff Platz fünf und Maximilian Brandl Platz acht. 

Hier der >>Link<< zu allen Ergebnissen auf der Website der UCI.

Adrian Kaether am 08.08.2016
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