Cross-Country Worldcup #5 2017 Mont-Sainte-Anne Cross-Country Worldcup #5 2017 Mont-Sainte-Anne

Cross-Country Worldcup #5 in Mont-Sainte-Anne (CAN)

Schurter und Belomoina holen Gesamtsieg

Adrian Kaether am 08.08.2017

Auf der anspruchsvollen Strecke von Mont-Sainte-Anne hatten am Ende Schurter und Belomoina die Nasen vorne. Fumic fuhr eine große Attacke, Pauline Ferrand-Prévot ist wieder in Form und holte Platz 2.

Heiß und feucht ist es meistens, auf der gefürchteten Worldcup-Strecke von Mont-Sainte-Anne. Dazu kommen kürzere aber extrem steile und technisch anspruchsvolle Anstiege, gefolgt von gefährlichen und noch technischeren Abfahrten. Seit 1991 finden hier Worldcup-Rennen statt. Kein Wunder, dass die Strecke da zu den absoluten Klassikern des Worldcup-Zirkus gezählt wird.

Für die Fahrer gab es dieses Jahr eine willkommene Abwechslung. Nach dem Regen, der das Downhillrennen am Samstag extrem spannend machte, hatte es deutlich abgekühlt und die Rennbedingungen waren so am Sonntag nahezu ideal. Relativ trockener Untergrund, angenehme Temperaturen – zum Zuschauen schon beinahe etwas kalt, doch für die Fahrer nahezu perfekt.

Catharine Pendrel geht in Führung

Bei den Damen war es zunächst Annie Last, die nach dem Start ganz nach vorne sprintete. Offensichtlich hatte ihr Sieg in Lenzerheide die Britin bis in die Haarspitzen motiviert. Vielleicht etwas zu viel des Guten, wie sie schnell auch selbst erkannte. Pauline Ferrand-Prévot übernahm so kurz die Führung. Windham 2015 war ihr letzter Sieg, 2016 war sie nicht in Form und mit anderem beschäftigt, jetzt kehrt sie an die Spitze des Worldcups zurück.

Cross-Country Worldcup #5 2017 Mont-Sainte-Anne

Catharine Pendrel führte das Rennen längere Zeit an. Für den dritten Platz reichte es am Ende, ein gutes Ergebnis für die Kanadierin, die sonst eine eher durchwachsene Saison hinter sich hat.

Aber auch Ferrand-Prévot blieb nicht lange in Führung. Schon bald nach der gefürchteten "La Beatrice" konnte sich die Kanadierin Catharine Pendrel an die Spitze des Rennens setzen. In den Abfahrten gehörte sie eindeutig zu den Schnellsten – ein Vorteil, der sie bis ganz an die Spitze vorpreschen ließ. Von dort aus kontrollierte Pendrel lange das Rennen, während sich zu ihrer Verfolgerin Ferrand-Prévot auch bald die Worldcup-Führende Yana Belomoina dazugesellte.

Yana Belomoina nutzt ihre Kletterstärke

Eine Sprinterin und schnelle Starterin ist Belomoina nicht unbedingt, doch auf den Anstiegen kann ihr aktuell keine andere Fahrerin das Wasser reichen. Auch in Mont-Sainte-Anne stellte sie das wieder eindrucksvoll unter Beweis. Gegen Halbzeit des Rennens überholte sie Catharine Pendrel und setzte sich an die Spitze, bald konnte ihr nur noch Ferrand-Prévot folgen, während Pendrel etwas abreißen lassen musste.

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Yana Belomoina ist im Moment schwer zu schlagen. Ihre Kletterstärke ist unvergleichlich, auch an den Abfahrten hat die Ukrainerin hart und mit viel Erfolg gearbeitet.

Scheinbar hatte sich Yana Belomoina ihre Kräfte wieder gut eingeteilt. Mit schier unnachgiebigem Druck auf den Pedalen kurbelte sie dem Ziel entgegen, meisterte auch die Abfahrten souverän und gab sich keine Blöße. Lange konnte Pauline Ferrand-Prévot ihr folgen, doch in der letzten Runde musste auch sie Yana Belomoina ziehen lassen. Die junge Ukrainerin fährt damit nach Albstadt und Vallnord zu ihrem dritten Sieg in dieser Saison und holt sich schon frühzeitig den Titel der Worldcup-Gesamtsiegerin. Denn schlagen kann sie in der Gesamtwertung nun keiner mehr, der Vorsprung ist zu groß.

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Pauline Ferrand-Prévot und Yana Belomoina. Dass sich die beiden Red-Bull Athletinnen gut verstehen, sieht man ihnen an.

Pauline Ferrand-Prévot wieder in Form

Ein gutes Ergebnis auch für Pauline Ferrand-Prévot und Catharine Pendrel auf den Plätzen zwei und drei. Beide kommen offensichtlich gut wieder in Form, insbesondere Pauline Ferrand-Prévot hat ihre Augen jetzt auf den Weltmeistertitel Anfang September in Cairns gerichtet. Vierte wurde die zweite schnelle Kanadierin des Tages, Emily Batty, Platz fünf ging an Irina Kalentyeva aus Russland.

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Pauline Ferrand-Prévot fuhr ihr erstes starkes Rennen seit der Saison 2015. Ihr zweiter Platz ist ein deutliches Zeichen, das es wieder aufwärts geht.

Weltmeisterin Annika Langvad fuhr auf Platz 13, Gunn-Rita Dahle Flesjâ landete auf Platz 20, Olympiasiegerin Jenny Rissveds beendete das Rennen nach einem Crash im Starterfeld nur in der 30. Position. Die beiden Kross-Kolleginnen Maja Wloszczowska und Jolanda Neff konnten beide nach Crashes bei den Europameisterschaften nicht starten.

Schurter bekommt Gesellschaft

Im Rennen der Männer war es nach einem schnellen Start von Young-Gun Tituan Carod wie erwartet Nino Schurter, der das Rennen von der Spitze her zu kontrollieren versuchte. Doch er blieb zunächst konservativ und vermied es, gleich zu Beginn alle Verfolger abzuschütteln. Die Pace war dennoch hoch, zunächst folgte nur Tituan Carod an Schurters Hinterrad, bis sich nach und nach der Deutsche Meister Manuel Fumic an die Spitze vorkämpfte und bald auch die Führung übernahm.

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Tituan Carod machte Druck auf Schurter und fuhr bis an die Spitze des Feldes vor. Zum ersten, aber sicher nicht zum letzten Mal für den jungen Franzosen.

Da blieb Schurter erst recht cool. Während Fumic führte und Schurter und Carod ihm auf dem Fuß folgten blieb die Geschwindigkeit recht moderat und erlaubte es in Runde fünf auch Stephane Tempier, sich wieder auf Sichtweite zu den Führenden heranzukämpfen. Da ging Schurter plötzlich zur Attacke über. Er überholte Fumic und drückte im nächsten Anstieg mächtig an. Tituan Carod ließ sich gleich zurückfallen, Manuel Fumic ging zunächst mit Schurter mit, musste dann aber die überlegene Kraft des Schweizers anerkennen.

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Manuel Fumic übte Druck auf Schurter aus. Als Schurter dann attackierte, versuchte Fumic mitzugehen. Das rächte sich, doch der sechste Platz ist auch noch ein gutes Ergebnis.

Schurter fährt zum Gesamtsieg

So gelang es Schurter doch noch, sich am Ende vom Feld loszureißen. Mit lediglich 10 Sekunden Vorsprung im Ziel auf den Zweitplatzierten Stephane Tempier, der in der letzten Runde noch Tituan Carod überholen konnte, ist der Vorsprung Schurters aber keineswegs riesig. Die Gesamtwertung hat auch er damit aber schon für sich entschieden, jetzt will er mit Sieg Nummer sechs in Val di Sole die perfekte Worldcup-Saison komplett machen.

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Noch hat Schurter gut lachen. Doch jedes Rennen muss er sich gegen jemand Neues zur Wehr setzten. Wie lange er das wohl noch durchhält?

Gerhard Kerschbaume wurde Dritter, nachdem er den Zielsprint gegen Tituan Carod gewann. Beide haben aber damit ihre mit Abstand besten Worldcupergebnisse überhaupt eingefahren. Auch Tempier dürfte mit Platz zwei sehr zufrieden sein. Platz fünf ging an Maxime Marotte, Manuel Fumic landete auf Platz sechs, nachdem er sich im letzten Renndrittel erstmal ein wenig von der Attacke Schurters erholen musste.

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Gerhard Kerschbaumer konnte sich im Zielsprint sogar noch Platz drei schnappen. Das beste Ergebnis für den Italiener in seiner ganzen Karriere.

Alle Ergebnisse vom Worldcup in Mont-Sainte-Anne finden sie auf der Website der UCI, die Wiederholung kann man sich auf Red-Bull.tv ansehen.

Adrian Kaether am 08.08.2017
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