Cape Epic 2018 Finale Cape Epic 2018 Finale

Cape Epic 2018: Finale

Kulhavy/Grotts gewinnen Cape Epic 2018 – Spitz Zweite

Thomas Roegner am 26.03.2018

Kulhavy/Grotts holen sich Gesamtsieg beim Cape Epic 2018 vor Canyon Topeak und Cannondale Factory Racing. Fumic crasht. Langvad/Courtney fahren ungefährdet zum Triumph. Sabine Spitz auf Platz zwei.

Jaroslav Kulhavy und Howard Grotts (Investec Songo Specialized) wurden mit einer Sektdusche ihrer Betreuer und Mechaniker empfangen. Mit einem Vorsprung von fast zehn Minuten holten der Tscheche und der Amerikaner den begehrten Gesamtsieg des Absa Cape Epic 2018 in Südafrika. Mit einer fehlerfreien Etappe und ohne zu Bangen konnten die beiden ihre Verfolger Alban Lakata und Kristian Hynek (Canyon Topeak) und Manuel Fumic mit Henri Avancini (Cannondale Factory Racing) in Schach halten. Cannondale verlor auf der finalen Etappe mit 2000 Höhenmetern und 70 Kilometern von Wellington nach Val de Vie den zweiten Gesamtrang an Canyon Topeak.

Trek Selle San Marco 2 mit Fabian Rabensteiner und Michele Casagrande aus Italien holten sich den Etappensieg, damit konnten sie ihren 6. Gesamtrang vor den Deutschen Simon Stiebjahn und Tim Böhme (Bulls 2) halten. Mit vier harten Anstiegen war dieses Jahr die Finaletappe die härteste in der 15-jährigen Geschichte des Cape Epic. Trotz des 8-Minuten-Vorsprungs mussten Kulhavy und Grotts auf jede Attacke der Verfolger achten und selbst hoffen, pannenfrei durchzukommen.

Manuel Fumic und Avancini starteten anfangs gemeinsam mit Centurion Vaude einige Attacken, konnten aber den Gegenangriffen von Trek Selle San Marco II, Buff Scott MTB, Canyon Topeak und Investec Songo Specialized wenig entgegensetzen. Nachdem Howard Grotts in den ersten Renntagen noch Mühe gehabt hatte, an Kulhavys Hinterrad zu bleiben, setzte er im Finale echte Zeichen – er führte und er attackierte in den Anstiegen. „Ich muss zugeben, dass ich die ersten Tage Probleme hatte, aber es lief immer besser und ich fühlte mich vor allem in den Anstiegen gut. Super, dass es für uns beide gut lief“, so Grotts, der in Durango, der Heimat des Mountainbikens zuhause ist.

Cape Epic 2018 Finale

Daniel Geismayr und Nicola Rohrbach versuchten zu attackieren, kamen jedoch nicht weg.

Cape Epic 2018 Finale

Sektdusche im Ziel für Kulhavy (rechts) und Grotts, der einen starken letzten Tag hatte.

Fabian Rabensteiner und Michele Casagrande aus Italien hatten eine steil ansteigende Formkurve und holten sich im Sprint die Wertung zum Dimension Data Hotspot. Cannondale Factory hatte Mühe zu folgen, sie liefen sogar Gefahr, ihre Gesamtplatzierung an die immer besser fahrenden Spanier von Buff Scott MTB zu verlieren. Ein Fight zwischen Jeremiah Bishop (Canyon Topeak 2) und Manuel Fumic wurde zu einer Auseinandersetzung, die in einem Sturz endete. Anscheinend hatte Fumic den Amerikaner vom Bike geknockt. Fumic, so die offizielle Aussage der Epic-Pressestelle, bezeichnete den Vorgang als „Geschehen in der Rennhektik“ und es sei „kein foul play“ passiert. „Es war ein epischer Kampf heute“, so der Deutsche Fumic, „wir kämpften gegen Canyon Topeak um den zweiten Gesamtrang. Leider hatten wir einen Sturz und einen Platten. Es war zwar eng, aber wir waren noch dran und gaben nicht auf. Wir haben voll gefightet, ich bin zufrieden mit dem dritten Platz in der Gesamtwertung.“

Die Führungsgruppe blieb lange zusammen auf dieser Finaletappe, bis sich Jaroslav Kulhavy am „Freedom Struggle“-Anstieg die Freiheit nahm, anzugreifen. Dies war taktisch wieder geschickt, denn dem Anstieg folgte eine sehr technische Abfahrt, passend bezeichnet als „Bone Rattler“, der Knochenschüttler. Lediglich Rabensteiner/Casagrande von Trek Selle San Marco 2 konnten folgen und sogar mit einem gewagten Manöver an die Spitze gehen – was ihnen im Endeffekt den Etappensieg bescheren sollte.

„Ein Spitzentag“, freute sich der Südtiroler Rabensteiner im Ziel, „nach der Attacke zum Dimension Data Hotspot gingen wir weiter Vollgas. Zwar war Specialized am Anstieg vorne, aber in der Abfahrt haben wir alles riskiert, und als wir vorne lagen gab es nur noch maximales Renntempo bis ins Ziel.“

Cape Epic 2018 Finale

Am Ende: Manuel Fumic und sein Partner Henrique Avancini wurden vom Team Canyon Topeak noch auf den dritten Gesamtrang verdrängt.

Cape Epic 2018 Finale

Erneut ein zweite Platz für Alban Lakata beim Cape Epic. Oben strahlen die Sieger Kulhavy/Grotts. Rechts die Drittplatzierten Fumic und Avancini.

Canyon Topeak musste noch einmal richtig bangen, als Kristian Hynek in der letzten Abfahrt einen Platten fuhr. Cannondale saß den beiden im Nacken, der Vorsprung betrug nur wenige Minuten – das beflügelte Hynek, der einen neuen Rekord im Flicken aufstellte. Für Alban Lakata blieb es wieder „nur“ ein zweiter Gesamtrang. Dem Marathon-Weltmeister fehlt wirklich nur ein Gesamtssieg des Absa Cape Epic in seiner ansonsten sehr umfangreichen Titelsammlung. „Das war wieder eine totale Achterbahnfahrt“, resumierte der Österreicher im Ziel. „Ich bin zufrieden mit dem zweiten Platz. Jetzt müssen wir nächstes Jahr nch einmal einen Anlauf auf den Gesamtsieg starten.“ „Wir sind mit erstaulich wenig technischen Problemen durchs Epic gekommen“, meinte Hynek, „der Platten zum Schluss war schon stressig, aber es hat ja noch gereicht.“

Für Investec Songo Specialized ging es darum, jeden Fehler zu vermeiden – vor allem auf dem anspruchsvollen Bone Rattler Downhill. So riskierten sie nicht alles und überließen den Trek-Fahrern den Etappensieg. Insgesamt ein toller Erfolg für die sehr konstant fahrenden Specialized-Jungs. „Das war eine ziemlich gute letzte Etappe“, so Kulhavy, „ich freue mich für allem für Howie (Grotts), der als Neuling jetzt schon ein Epic gewonnen hat. Vielleicht versuchen wir das gleiche nochmal nächstes Jahr, ich könnte ja versuchen, Christoph Sausers Rekord mit 6 Siegen zu brechen. Susi hat uns viel geholfen dieses Jahr, ich habe viel von ihm gelernt.“

Ergebnisse Etappe 7 Männer

1. Trek Selle San Marco II 15-1 Fabian Rabensteiner (ITA), 15-2 Michele Casagrande (ITA) 2:47.37,5
2. InvestecSongoSpecialized 2-1 Jaroslav Kulhavy (CZ) 2-2 Howard Grotts (USA) +48,05
3. Buff Scott MTB 21-1 Francesc Carretero (ESP) 21-2 Luis Pinto (POR) +1.10,6
4. Canyon Topeak 7-1 Alban Lakata (AUT) 7-2 Kristian Hynek (CZ) +1.39,1
5. Buff Scott MTB 2 22-1 Miguel Moreno (ESP) 22-2 Enrique Vergara (ESP) +3.44,8
6. Centurion Vaude 3-1 Nicola Rohrbach (SUI) 3-2 Daniel Geismayr (AUT) +4.22,5
8. BULLS 4-1 Karl Platt (GER) 4-2 Urs Huber (SUI) +5.32,8
9. Cannondale Factory Racing 6-1 Manuel Fumic (GER) 6-2 Henrique Avancini (BRA) +5.34,2

Absa Cape Epic 2018 – Gesamtwertung Männer

1. InvestecSongoSpecialized 25:29.48,9 Stunden
2. Canyon Topeak +9.38,5 Minuten
3. Cannondale Factory Racing +13.12,9 Minuten
4. Buff Scott MTB +18.53,3 Minuten
5. Centurion Vaude +23.32,4 Minuten
6. Trek Selle San Marco II +31.28,8 Minuten
7. BULLS 2 +43.52,3 Minuten
8. KULU MANZI PROJECT +45.13,9 Minuten
9. Buff Scott MTB 2 +51.40,2 Minuten
10. BULLS +59.29,7 Minuten

Vier Starts, vier Siege: Annika Langvad erfolgreichste Frau beim Cape Epic

Der Champagner auf den Trikots von Kulhavy und Grotts war gerade getrocknet, als die Specialized-Betreuer schon die nächsten Flaschen über ihr Frauenteam schütten konnten. Die Marathon-Weltmeisterin Annika Langvad holte sich mit ihrer vierten Teilnahme am Absa Cape Epic den vierten Sieg. Wie ihre männlichen Kollegen von Investec Songo Specialized war auch der Langvad/Courtney-Express nicht aus dem Gleis zu bringen. Ruhig und gelassen fuhren sie ihren 47-Minuten-Vorsprung nach Hause, den Etappensieg überließen sie dem bisher nicht in Erscheinung getretenenen PMRA/CST Racing Team mit Margot Moschetti (FRA) und Raiza Goulao (BRA). Die Deutsche Sabine Spitz holte sich mit ihrer südafrikanischen Partnerin Robyn de Groot (Ascendis Health) den zweiten Platz der Gesamtwertung.

Cape Epic 2018 Finale

Sicher den riesigen Vorsprung ins Ziel gebracht: Courtney und Langvad auf der letzten Etappe.

SAbine Spitz Cape Epic Zweite 2018

Erneut nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte: Sabine Spitz auf der schweren, letzten Etappe.

Cape Epic 2018 Finale

Die Specialized-Damen kamen zusammen mit Spitz/de Groot ins Ziel.

Sabine Spitz spürte eine beginnende Erkältung in der Nacht und konzentrierte sich mit Partnerin Robyn de Groot aufs Durchhalten. Der Plan ging auf, sie kamen als Dritte zeitgleich mit den Gesamtsiegerinnen ins Ziel und sicherten damit ihren zweiten Gesamtplatz. „Unsere Taktik ist aufgegangen“, meinte eine erschöpfte Spitz, „viel hätten wir heute nicht reißen können, aber das Tempo hat ja gereicht. Wenn man bedenkt mit welchen Problemen ich am Anfang der Woche schon gestartet bin und jetzt zum Schluss nochmal, ist ein zweiter Gesamtplatz super, das war nicht zu erwarten.“

„Ein ausgzeichneter Tag für uns“, so Annika Langvad, „wir wollten sicher und ohne Probleme die Ziellinie erreichen und vorne bleiben. Es ist sowieso eine unglaublich gute Zeit für mich. Erst mein Weltcup-Sieg in Stellenbosch, jetzt mit Kate der Gesamtsieg. Es lief gut mit meiner Partnerin, die ja das erste Mal überhaupt so ein Etappenrennen gefahren ist“, freute sich die sympathische Dänin.

Für die Amerikanerin Kate Courtney war es noch überraschender, wie die Woche lief. „Das ist ein sehr emotionales Finale für mich“, so Courtney, „einige um mich herum dachten, ich spinne ein wenig, als ich ankündigte ein Etappenrennen zu fahren und dann gleich das Cape Epic. Aber meine engen Freunde haben mich super unterstützt und mir geholfen. Danke an Specialized, dass ich mit einem meiner Idole fahren durfte, die Erfahrungen dieser Woche waren einmalig. Ich bin auch ein wenig stolz, dass ich gezeigt habe, dass ich mithalten kann.“

Cape Epic 2018 Finale

Kate Courtney ist die erste US-Amerikanerin, die das Cape Epic gewonnen hat. Für Langvad war es bereits der vierte Sieg.

Die Brasilianerin Goulao war selbst am meisten überrascht über diesen Sieg beim Grand Finale in Val de Vie. „Das ist definitiv der Höhepunkt meiner Bike-Karriere“, meinte die Brasilianerin, „das habe ich nicht erwartet. Wir wollten ums Podium mitfahren. Als wir bei Kilometer 15 merkten, dass die schnellsten Frauen ein wenig müde wirkten, beschlossen wir, alles zu riskieren. Wir gaben Vollgas über die letzten 30 Kilometer und schauten uns nicht mehr um. Das Gefühl, die letzte Etappe beim Cape Epic gewonnen zu haben , ist unbeschreiblich. Das Rennen war schon eines meiner höchsten Ziele, nun fahre ich mit einem neuen Highlight nach Hause.“

Ergebnisse Etappe 7 Damen

1. PMRA/CST Racing 59-1 Margot Moschetti (FRA) 59-2 Raiza Goulao (BRA) 3:22.00,8
2. Dormakaba 56-1 Candice Lill (RSA) 56-2 Amy Beth Mcdougall (RSA) +3.01,7
3. Ascendis Health 52-1 Sabine Spitz (GER) 52-2 Robyn De Groot (RSA) +5.33,1
4. Investec Songo Specialized 54-1 Annika Langvad (DEN) 54-2 Kate Courtney (USAa) +5.53,1
5. Silverback - KMC 51-1 Mariske Strauss (RSA) 51-2 Annie Last (ENG) +7.05,9

Absa Cape Epic 2018 – Gesamtwertung Damen

1. Investec Songo Specialized 54-1 Annika Langvad (DEN) 54-2 Kate Courtney (USA) 29:57.06,5
2. Ascendis Health 52-1 Sabine Spitz (GER) 52-2 Robyn De Groot (RSA) +46.29,2
3. Silverback - KMC 51-1 Mariske Strauss (RSA) 51-2 Annie Last (ENG) +53.15,6

Thomas Roegner am 26.03.2018
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