Alpen Tour Trophy 2017 Alpen Tour Trophy 2017

Alpentour Trophy 2017: Blog von Nadine Rieder

Mitgefahren: Alpentour Trophy Schladming

Nadine Rieder/Adrian Kaether am 18.06.2017

Nur vier Tage lang ist die Alpentour Trophy. Doch das Rennen wird von sehr vielen Profis als Probelauf zur BIKE Transalp genutzt. Was Nadine Rieder in Schladming erlebte, lest ihr in ihrem Blog.

Mit vier Renntagen ist die Alpentour Trophy rund um Schladming am Dachstein eher ein kürzeres Etappenrennen. Doch die Organisation wird von den Veranstaltern der legendären Crocodile Trophy gestemmt, außerdem hat es das Rennen mit etwa 300 Kilometern und gut 10 000 Höhenmetern – trotz einer sehr kurzen letzten Etappe – ganz schön in sich. Kein Wunder, dass die Alpentour Trophy von vielen Marathon-Profis als Probelauf für die BIKE Transalp genutzt wird, doch dementsprechend heftig ist auch die Konkurrenz. Alban Lakata, Daniel Geismayr, Herrmann Pernsteiner, Simon Stiebjahn, Markus Kaufmann, Jochen Käß, Moritz Milatz. Sie alle und viele weitere hochkarätige Starter waren 2017 Teil der Alpentour Trophy und hoben das fahrerische Niveau auf ein Level, das einer Marathon-WM gut zu Gesicht gestanden hätte.

Alpen Tour Trophy 2017

Hochalpin und spektakulär war die Kulisse der Alpentour Trophy sehr oft. Und auch teilweise noch verschneit.


Zum ersten Mal dabei war auch AMG-Rotwild-Pilotin Nadine Rieder. Zahlreiche Hochs und Tiefs reihten sich in ihrem Rennen auf engstem Raum aneinander. Auf den technischen Downhills konnte sie dank guter Fahrtechnik auch zahlreiche männliche Kollegen in die Tasche stecken, doch dann verkalkulierte sie sich und hatte auch noch Pannenpech. Wie sie trotzdem am Ende auf Platz neun landete, lest ihr in ihrem Blog.


Eine spontane Entscheidung


„Nur eine Woche vor dem Start der Alpentour-Trophy habe ich mich spontan entschieden, an den Start zu gehen und die knapp 300 km und 10 000 hm in Angriff zu nehmen. Es war das erste Mal. Ich bin noch nie bei der Alpentour-Trophy mitgefahren, habe aber öfter schon die tollen Bilder gesehen und so fiel mir die Entscheidung, mich trotzdem noch anzumelden, am Ende doch sehr leicht. Nach zweimal Pech in den ersten beiden Worldcups in Nove Mesto und Albstadt wollte ich das viertägige Etappenrennen einfach als Training nutzen und für den Kopf ist sowas ja auch immer ganz gut.

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Gute Laune bei Nadine Rieder vor dem Start.


Dass es bei der Anreise am Mittwoch stark regnete, hat mich nicht allzu sehr gestört. Die Wettervorhersage für die anstehenden Tage war super und so ein bisschen rutschige Trails sind eigentlich immer ein Vorteil für mich. Das Wetter hielt sein Versprechen und pünktlich zum Startschuss der ersten Etappe war dann auch strahlender Sonnenschein. Ich konnte von Beginn an pushen und mich gleich zu Anfang gut in den Top Fünf der Damen positionieren. Auch der Rest der Etappe lief ohne Probleme und ich erreichte das Ziel auf Platz fünf hinter Margot Moschetti und der frischgebackenen Worldcup-Siegerin, Yana Belomoina, während Christina Kollmann für Österreich den ersten Etappensieg holte.

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Schon am Abend vor der ersten Etappe klarte es deutlich auf.


Erst Kollegen versägen, dann Kaiserschmarrn


Die Landschaft war total schön und ich habe mich immer wieder selbst daran erinnert, auch mal einen Moment innezuhalten, um das majestätische Panorama einzuatmen. Zu genießen, anstatt einfach nur die ganze Zeit mit Tunnelblick im 'Rennmodus' anzudrücken. Zum Schluss ging es ganz schön knackig steil rauf und immer wieder mussten wir absteigen, da auf knapp 2000 Metern bei den Giglach-Seen verharschter Schnee jeglichen Vortrieb auf zwei Rädern unmöglich machte. An den Seen vorbei ging es immer wieder über Wurzeln, Steine, Absätze… Den Teil fand ich richtig super, ich konnte so gut wie alles fahren und dadurch auch einige Fahrer wieder überholen – ob die männlichen Kollegen das so gut fanden, dass ich im Sattel vorbeirauschte, während sie absteigen mussten, weiß ich nicht. Die Pfützen, die wir durchqueren mussten, waren gleich ein schöne Abkühlung und so ging es dann in die Abfahrt. Durch den Bikepark rollten wir die letzten Kilometer spaßig ins Ziel. Mein Highlight des Nachmittags war dann ein leckerer Kaiserschmarrn, auf den ich schon am Vortag einen riesen Hunger hatte. Im Stadthotel Brunner gönnte ich mir dann eine große Portion richtig traditionell aus einer gusseisernen Pfanne. Einfach unschlagbar!

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Simon Stiebjahn gewann die erste Etappe bei den Männern.

Tag zwei: Ein schneller erster Anstieg rächt sich


Da der erste Tag so gut lief und ich mich über die ganzen 3,5 Stunden fit gefühlt habe, machte ich mir vor dem zweiten Tag – der Königsetappe mit 68 Kilometern und 3100 Höhenmetern – nicht allzu große Sorgen. Den ersten langen Anstieg zur Türlwandhütte am Dachstein hoch konnte ich einen super Rhythmus fahren und als ich oben war, wunderte ich mich sogar wie schnell das ging. Das Höhenprofil hatte ich mir in der Früh noch kurz angesehen und irgendwie hatte ich im Hinterkopf, dass jetzt ja das Schlimmste vorbei sein müsste und 'nur' noch kürzere Anstiege kommen. Voller Optimismus bin ich dann nach der Abfahrt die ersten kleinen Gegenanstiege gefahren, immer noch mit einem super Gefühl in den Beinen. Als ich dachte, 'ok jetzt geht‘s siche gleich wieder bergab', ging es leider in eine ganz schön steile Rampe hinein und die sah auch ziemlich lang aus.  Etwa bei Kilometer 30 haben mein Kopf und auf einmal auch mein Körper vom einen auf den anderen Moment dichtgemacht und ich habe mich gefühlt, als würde ich durch Kaugummi treten. 'Oh Oh', dachte ich und es lagen ja noch 38 km vor mir. Mehr als die Hälfte der Etappe!

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Alban Lakata: Der Langstreckenspezialist wurde am Ende Dritter.


'Ok, dann muss ich jetzt einfach ein schönes langsames Tempo fahren, ich schaffe das schon irgendwie', dachte ich. So langsam holte mich auch eine nach der anderen Konkurrentin ein. Das war mir in dem Moment aber egal. Ich wusste ja, dass ich vom Vortag noch einen recht guten Vorsprung hatte und daher versuchte ich mich einfach nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Als ich dann die Verpflegungsstelle im Langlaufzentrum Ramsau erreichte, brachte eine neue Trinkflasche endlich eine Besserung. Es war ja doch sehr heiß an diesem Tag. Irgendwie hatte ich aber leider das Höhenprofil wirklich nicht so gut im Kopf, denn ich dachte ab der Feedzone geht es ja dann erstmal wieder runter. Hm, nicht wirklich! Eher das komplette Gegenteil war der Fall. Es ging so unglaublich steil bergauf, dass ich einmal kurz sogar schieben musste! Und das nachdem ich offenbar auch auf dem ersten Anstieg zu viel gegeben hatte.

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Nicht alles war Friede, Freude, Eierkuchen bei Nadine Rieder.


Das Ganze wurde dann zu einer richtigen 'Überlebensfahrt'. Mehrmals fragte ich mich, warum ich das eigentlich immer freiwillig mache. Immerhin ging es ein paar anderen Teilnehmern, glaube ich, ähnlich, denn so manche fluchten oder stöhnten leise aber anhaltend vor sich hin. In dem Moment für mich aber auch nicht hilfreich. Ich schneckte über die Strecke und hatte nur noch die Hoffnung, dass das Ziel endlich näherkommt. Irgendwie habe ich es dann am Ende doch geschafft und war sowas von unglaublich erleichtert. Puh, wenn ich da mal nicht eingegangen bin. Im Ziel habe ich mich erstmal in den Schatten gelegt und überhaupt nichts mehr getan. Dass noch zwei weitere Etappen vor mir liegen, konnte ich zum Glück ziemlich gut verdrängen. Ja, das war also mein zweiter Tag, in den ich ja eigentlich so zuversichtlich gestartet war…


Zucker bringt die Lebensgeister zurück

Alpen Tour Trophy 2017

Der Zucker bringt nach dem Leistungseinbruch auf der zweiten Etappe die Lebensgeister wieder zurück.


Beim Weg ins Hotel habe ich dafür eine tolle Entdeckung gemacht: 'Zuckerl-Zeit' ist ein Süßigkeiten-Geschäft direkt in Schladming. Auch wenn ich mich sehr gesund ernähre, stehe ich dazu, dass ich so leckeren Süßigkeiten ab und zu einfach nicht widerstehen kann. Und ich bin ja immer der Meinung, dass man sich auch was gönnen sollte. Deshalb habe ich mir auch ein leckeres gemischtes Tütchen mit den verschiedensten Leckereien zusammengestellt. Einige Frauen hatten mittlerweile das Rennen schon aufgegeben und ich war froh, dass ich mich wenigstens bis ins Ziel gequält hatte. Am Samstagmorgen vor dem Start der dritten Etappe ging es mir dann ganz gut und ich freute mich, dass eine leichtere Streckenführung als am Vortag anstand. Komischerweise lief es von Beginn an total top. Es ist schon faszinierend, was so ein Körper alles leisten kann. Am Vortag noch komplett kaputt und dann einen Tag später wieder normal im Renntempo unterwegs. Nach 20 Kilometern leicht kupierter Streckenführung ging es dann in den knapp 14 Kilometer langen Anstieg zum Hauser Kaibling. An vierter Stelle liegend fuhr ich in den Berg. Alles lief super und ich freute mich über meinen überraschend guten Zustand. Leider war die Freude schnell vorbei. Noch im ersten Drittel zischte es auf einmal und mein Vorderreifen verlor Luft. Ich kann mir immer noch nicht erklären, wie das passiert ist, denn es ging einfach auf einer breiten asphaltierten Straße bergauf. Weit und breit habe ich nichts auf dem Boden liegen sehen…

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So ein Pech! Auf der dritten Etappe war auf einer Asphaltstraße auf einmal der Vorderreifen platt und wollte dann einfach nicht wieder zurück auf die Felge.


Naja, da stand ich dann also. Zum Glück hatte ich alles dabei und auch wenn ich nicht die beste Mechanikerin bin: Reifenwechseln kann ich. Normalerweise! Der Mantel wollte und wollte einfach nicht wieder draufgehen. Es war toll zu sehen, wie alle Vorbeifahrenden ihre Hilfe anboten. Auch meine Konkurrentinnen fragten, ob ich irgendetwas brauche. Mittlerweile kam auch das Kamerateam, um das Ganze festzuhalten. Der Mantel wollte leider immer noch nicht. Die Minuten vergingen und vergingen und ich überlegte in dem Moment schon, wie ich denn jetzt wieder nach Schladming komme. Ein Handy hatte ich auch nicht dabei. Als ich wirklich kurz davor war aufzugeben, schafften wir es dann aber doch noch und ich konnte weiterfahren. Ich war so erleichtert darüber, dass mir nicht mal die viele verlorene Zeit was ausmachte. Das war dann wohl einfach Pech, aber Hauptsache ich konnte am nächsten Tag beim finalen Bergzeitfahren an den Start gehen.


Fast geschafft!

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Viele der Downhills zauberten Nadine Rieder ein Grinsen ins Gesicht.


Es war also fast geschafft. Noch 14 Kilometer und 1300 hm mussten wir hinter uns bringen. Eigentlich mache ich mir über Defekte nie Gedanken, da ich meistens verschont bleibe, doch nach dem Malheur am Vortag hatte ich schon ein bisschen Bedenken. Aber ich sagte mir, egal wie, auch wenn ich alles Laufen muss, ich überquere die Ziellinie! Ich erwischte einen guten Start und konnte ein gutes Tempo fahren. Nach den ersten fünf Kilometern dachte ich mir, 'ok jetzt sind es nur noch neun Kilometer zu laufen' und so freute ich mich über jeden Kilometer, den ich fahren konnte und nicht laufen musste. Das war gar nicht so schlecht, so habe ich mich nicht so sehr auf die harte Bergauffahrt konzentriert. Dieses Mal war das Glück aber wieder auf meiner Seite und ich konnte ohne Probleme und überglücklich die Ziellinie überqueren. Das war definitiv ein Etappenrennen mit Höhen und Tiefen. Nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Aber das ist ja immer das Tolle an solch harten Rennen. Auch wenn man sich zwischendurch fragt, 'warum eigentlich?'. Aber am Ende als Finisher dazustehen, das ist dann doch ein besonderes Gefühl, vor dem die Strapazen der letzten Tage verblassen und so ein bisschen stolz kann man ja dann auch sein.

Fotostrecke: Alpentour Trophy 2017

Am Ende gewann Christina Kollman vor Angelika Tazreiter und Margot Moschetti. Bei den Männern holte Daniel Geismayr den Sieg vor Herrman Pernsteiner und Alban Lakata. Alle Ergebnisse zur Alpentour Trophy 2017 finden Sie hier:  >>Link<<

Nadine Rieder/Adrian Kaether am 18.06.2017
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