Test 2017: Trailbikes bis 3000 Euro Test 2017: Trailbikes bis 3000 Euro

Test 2017: Trailbikes bis 3000 Euro

Was sind Trailbikes? Unser BIKE-Test klärt auf…

Ludwig Döhl am 06.12.2017

Trailbikes sind die Kassenschlager unter den MTB-Fullys, aber eine genaue Definition des Einsatzbereichs wagt kein Bike-Hersteller. Sieben Trailbikes und zwei All Mountains bis 3000 Euro im Test.

Warum rotieren die Flossen von Kuhfischen wie Propeller? Selbst derlei Spezialwissen beantwortet das Internet innerhalb von Sekundenbruchteilen. Doch bei einer Frage schweigen selbst Google, Wikipedia und Co. ratlos: Was zur Hölle sind eigentlich diese Trailbikes?


Diese Trailbikes und All Mountains finden Sie im Test:

  • Bergamont Contrail 7.0
  • Canyon Neuron AL 9.9
  • Giant Anthem 2
  • Kona Hei Hei 29
  • Radon Skeen Trail 10.0 29
  • Scott Spark 945 (BIKE TIPP: Fachhandel)
  • Transalp Signature II X12 Trail 1.0 (BIKE TIPP: Testsieger)
  • Commencal Meta TR V 4.2 Essential (All Mountain)
  • Stevens Whaka 27.5 (All Mountain)

Fotostrecke: Test 2017: Trailbikes bis 3000 Euro


Es ist mal wieder typisch: Jeder spricht vom Hype um die „geilen, neuen Trailbikes“, aber eine genaue Definition bleibt die Industrie schuldig. Was in einem Katalog als Trailbike beschrieben wird, ist bei anderen Herstellern schon ein Enduro-Bike. Selbst nach ausgiebiger Recherche lässt sich die Kategorie nur wage zwischen Enduro- und Marathon-Fully einordnen – zwischen potenten Abfahrts-Bikes mit 160 bis 170 Millimetern Federweg und Rennfeilen mit straffen 100 Millimeter-Fahrwerken also. Aber sind dort nicht eigentlich die All Mountains angesiedelt?

Das stimmt, aber durch die immer feineren Abstufungen in den Produkt­paletten der Hersteller wurden die All Mountains, bisher auch als Tourenfullys bekannt, ehemals in zwei Kategorien aufgespalten: All Mountain Plus zielt mit Federwegen bis 150 Millimeter auf Biker ab, die auf Touren vor allem bergab Spaß haben wollen. All Mountain Sport bediente mit etwas weniger Federweg Biker, die lediglich nach etwas mehr Komfort auf längeren Touren suchen. Was bis vor zwei Jahren noch unter All Mountain Sport lief, heißt jetzt eben Trailbike. Warum? Erstens, weil der Name All Mountain Sport eher nach einem SUV in Graumetallic klingt. Und zweitens, weil sich die Anforderungen an diese Klasse geändert haben. Denn die Trailbikes mit 110 bis 130 Millimeter Federweg sollen heutzutage weit mehr können, als Tourenfahrer nur mit etwas Komfort zu verwöhnen.

Test 2017: Trailbikes bis 3000 Euro

Der All-Mountain-Vergleich: Um zu sehen, wie sich die Kategorie der abfahrtslastigeren All Mountains gegenüber den Trailbikes schlägt, haben wir das Commencal Meta und das Stevens Whaka mit 140 bis 150 Millimeter Federweg zum Test eingeladen. Die größten Unterschiede neben dem Federweg: die nicht ganz so sportliche Sitzposition und das Gewicht. Die beiden All Mountains markieren mit weit über 14 Kilo das obere Ende der Gewichtstabelle. In der Abfahrt spielten die Bikes dafür in einer anderen Liga. Selbst das raue Gelände der Voralpen konnte den beiden Testbikes nichts anhaben. 

Beim ersten Schlagabtausch unserer acht Testbikes wird sofort klar, wohin die Reise geht. Teleskopstützen, breite Lenker und dicke Reifen sollen neben Komfort auf langen Touren auch für Spaß in der Abfahrt sorgen. Außer der Tatsache, dass für rund 3000 Euro alle Rahmen aus Aluminium sind, gibt es ansonsten nur wenige Gemeinsamkeiten im Testfeld. Fünf Bikes erklimmen mit einem Zweifach-Antrieb und mächtig Bandbreite selbst steilste Anstiege, während Scott, Transalp, Kona und Commencal mit nur einem Kettenblatt nach strammeren Waden verlangen. Denn Srams neue 12-fach-Technologie ist in dieser Preisklasse noch nicht verfügbar, man muss also mit 11 Gängen auskommen.

Auch bei den Laufrädern gehen die Meinungen der Hersteller zum Idealmaß für Trailbikes auseinander. In unserem Testfeld finden sich fast so viele 27,5-Zoll-Laufräder wie 29er. Bikes mit 2,6 bis 3,0 Zoll breiten Plusreifen wollte uns dagegen kein Hersteller zum Vergleich schicken. Dass Stevens und Commencal das durchschnittliche Gewicht der Testgruppe auf 13,5 Kilo (ohne Pedale) nach oben treiben würden, war bereits bei der Bestellung klar. Die beiden abfahrts­orientierteren Bikes sollten den Vergleich zwischen Trail- und All-Mountain-Bikes illustrieren. Das Commencal mit 140 Millimetern Federweg geht dabei als Grenzgänger zwischen diesen Kategorien ins Rennen. Das Stevens mit 150 Millimetern Federweg fordert die Trailbikes als waschechtes All Mountain heraus. Die Gretchenfrage lautet: Lohnt sich das Mehrgewicht, das der etwas üppigere Federweg mit sich bringt? Oder machen die potenten Trailbikes die Kategorie der All Mountains überflüssig?

Test 2017: Trailbikes bis 3000 Euro

Trailbikes schrecken selbst vor technischen Abfahrten in den Alpen nicht zurück. Auch wenn sie bergab nicht ganz so viel Fahrspaß wie die All Mountains vermitteln, meistern sie das Gelände.

Im ersten Anstieg wird der Unterschied zwischen den beiden Kategorien sofort klar. Mit sportlichen Bikes wie Scott oder Transalp ist der eigene Vorwärtsdrang kaum zu bremsen. Antriebsneutrale Fahrwerke und geringes Gewicht machen den Gipfel­sturm zum Vergnügen. Mit den beiden All Mountains hat man auf dem Weg zum Trail-Einstieg deutlich mehr Arbeit. Mit 14,8 Kilo ist das Stevens 1,5 Kilo schwerer als das Canyon, das leichteste Bike der Testgruppe. Die etwas aufrechteren Sitzpositionen am Commencal und Stevens verleiten bergauf eher zum Bummeln. Zumindest im Anstieg bleiben die Bikes ihren Rollen gerecht. Bergab überrascht ein Bike dafür umso mehr…

Unsere Teststrecke windet sich zwischen dicht stehen­den Fichten zirka 160 Höhenmeter ins Tal. Querwurzeln, kleine Anlieger und steile Geländekanten verlangen den Bikes einiges ab. Zumindest den Trailbikes. Für die beiden All Mountains ist die Heraus­forderung deutlich kleiner. Lässig spurt man mit Stevens und Commencal durch den lockeren Waldboden und nutzt so manche Geländekante sogar als Absprung. Das Plus an Federweg gibt dem Fahrer so viel mehr Sicherheit auf dem Trail, da können selbst Scott, Canyon, Kona, Bergamont und Radon mit ihren 29-Zoll-Laufrädern nicht mithalten. Das Radon Skeen Trail hat zwar eine stimmige Geometrie, die günstigen und vor allem zu schmalen Reifen bauen im Singletrail aber nur wenig Grip auf. Außerdem schlug der Hinterbau an unserem Testbike beim vollen Einfedern am Sitzrohr an – laut Hersteller ein Einzelfall (siehe Seite 2). Lediglich das Transalp Signature lässt sich mit seinem hochwertigen Fahrwerk, griffigen 2,4er-Reifen und gelungener Geometrie nicht von den All Mountains abschütteln. Das Bike liefert zwar nicht mal 130 Millimeter Federweg, wieselt aber so flink durch die Singletrails wie ein Kuhfisch durch den Pazifik. In den verwinkelten Abschnitten fährt es sogar deutlich aktiver als die etwas behäbigen Bikes mit mehr Federweg. Das Transalp bricht mit den Hierarchien zwischen den Kategorien und räumt mit makelloser Leistung in Anstieg und Singletrail einen unangefochtenen Testsieg ab. Übrigens, zu kaufen gibt es den Testsieger ausschließlich im Internet. Nur mal bei Google eingeben. Die richtige Adresse spuckt das Internet garantiert in Sekunden aus.

Fazit von Ludwig Döhl BIKE-Redakteur:
Früher "All Mountain Sport", jetzt "Trailbike". Auch wenn sich die Mountainbikes dieser Kategorie nun abfahrtslastiger geben, können sie bergab nicht ganz mit den langhubigeren All Mountains mithalten. Lediglich das Transalp schafft es, mit weniger Federweg im Singletrail voll zu überzeugen. Bergauf setzen Scott und Canyon die Benchmark. Beide Bike-Kategorien haben nach wie vor ihre Berechtigung.

Ludwig Döhl

Ludwig Döhl, BIKE-Testredakteur


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Ludwig Döhl am 06.12.2017
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