Test Duell 2017: Titan-Bikes von Falkenjagd und Pilot Test Duell 2017: Titan-Bikes von Falkenjagd und Pilot

Test 2017: Titan-Bikes von Falkenjagd und Pilot

Falkenjagd Teleon B+ gegen Pilot Locum B+

Florentin Vesenbeckh, Stefan Loibl am 07.08.2017

Edel, puristisch, zeitlos: Titan-Bikes sind Liebhaberstücke. Wir haben zwei besondere Hardtails mit Plus-Bereifung in den Ring gebeten. Falkenjagd gegen Pilot. Ein Duell Deutschland gegen Holland.

FALKENJAGD TELEON B+

Federweg adé! Die deutsche Schmiede Falkenjagd schickt ein völlig starres Bike ins Duell. Die Idee dahinter: Titanfans sind Puristen und Puristen mögen keinen Firlefanz – also weg mit der Federgabel. Für die nötige Geländetauglichkeit sollen breite Plus-Reifen sorgen. Dazu kommen hauseigene Titan-Parts, angereichert mit edlen Teilen von Tune. So landet das Teleon B+ bei spritzigen 9,8 Kilo. Das macht sich beim Antritt bemerkbar. Das Bike geht zügig voran und wieselt agil durch den Wald, außergewöhnlich für ein Plus-Bike. Dafür sorgt auch der steile Lenkwinkel von gut 72 Grad. Aber geht der Plan mit der Geländetauglichkeit auf? Zumindest ist das Falkenjagd für ein starres Bike erstaunlich komfortabel. Sobald der Untergrund aber rauer wird und es bergab geht, bekommt der Fahrer die harte Front und den steilen Lenkwinkel zu spüren – und zwar auf unangenehme Weise. An Steilstufen oder größeren Hindernissen verleiht der Titanrenner nur wenig Sicher­heit, ein versiertes Händchen ist gefragt. Das Teleon B+ ist natürlich auch mit Federgabel erhältlich, dann wird auch der Lenkwinkel um einen Grad flacher und die Geländetauglichkeit steigt. So lassen sich auch die bissigen Trickstuff-Bremsen richtig nutzen, die am Starrbike etwas überdimensioniert wirken. Schade: Die Titangabel verjüngt sich im unteren Bereich, was mehr Komfort bringen soll. Bei starken Bremsmanövern fängt sie dadurch an zu schwingen und vibriert – heikel in Steilstücken und beim Anbremsen von Kurven. In Summe tut sich das Bike mit Starrgabel etwas schwer, im BIKE-Punktesystem abzuräumen. In seiner Nische glänzt der Spezialist dafür mit Liebe zum Detail. Insbesondere der durchdachte Rahmen lässt die Herzen von Titan-Fans höher schlagen.

Florentin Vesenbeckh, BIKE-Testredakteur:
Ein Bike für Liebhaber! Rahmen und Anbauteile stecken voller Details, das Konzept kommt bei Freunden schlichter Titan-Romantik bestens an. Auf ernsteren Abfahrten kann das starre Teleon B+ aber nicht mit modernen Hardtails mithalten, auch, wenn es für ein starres Bike erstaunlich geländetauglich ist. Unser Tipp: zur Federgabel greifen.

Florentin Vesenbeckh

BIKE-Redakteur Florentin Vesenbeckh


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PILOT LOCUM B+

Die Holländer von Pilot stellen ein deutlich abfahrtslastigeres Bike in den Ring. Potente 120-Millimeter-Gabel und 3,0er-Reifen, der Unterschied wird direkt beim ersten Aufsitzen deutlich. Auch wenn Antritt und Vortrieb für ein Plus-Bike auf gutem Niveau liegen, ist das Locum B+ doch deutlich behäbiger als sein deutscher Kontrahent. Sobald Hindernisse auf dem Trail auftauchen, wendet sich das Blatt: Unbeeindruckt von Wurzeln, Steinen und Stufen bahnt sich der Brummer seinen Weg und beeindruckt mit Laufruhe. Die breiten Walzen bringen allerdings auch das Plus-typische Fahrgefühl mit sich: etwas undefiniert und schwammig in Kurven, die anvisierte Linie sitzt nicht immer. Mit 2,8er- oder gar 2,6er-Reifen wäre das Locum treffsicherer unterwegs, darüber war sich die Testcrew einig. Dennoch: Vor anspruchsvollen Trails schreckt das Pilot nicht zurück. Die Reifenwahl mit dem stärker profilierten Nobby Nic am Vorderrad unterstreicht diese Ambitionen und ist stimmig. Mit der recht straffen 1fach-Übersetzung müssen Tourenbiker eher den Weg zum Trail-Einstieg fürchten, denn die Abfahrt – zumindest in den Bergen. Aber zurück zum eigentlichen Fokus eines Titan-Bikes: dem Rahmen. Die Brems- und Schaltzüge kommen ohne Klemmen aus, sie verschwinden wunderbar puristisch in Oberrohr und Sitzstreben, ein echter Augenschmaus. Auch die Carbon-Laufräder von 9th-Wave geben dem Locum B+ Glanz, die top-funktionale XT-Ausstattung dagegen schwächt den Bling-Bling-Faktor etwas. Aber keine Sorge: Dank Baukasten-Prinzip kann die Ausstattung individualisiert werden. Ziemlich einzigartig: Für einen Aufpreis von 250 Euro lässt Pilot den Rahmen auf Kundenwunsch bauen, Geometrie und Design können individuell angepasst werden.

Stefan Loibl, BIKE-Testredakteur:
Das Locum B+ ist ein cooles Bike jenseits des Mainstreams mit gelungenem Konzept: Dank guter Gabel und Teleskopstütze kann man richtig Spaß im Gelände haben. Mir persönlich sind die 3,0er-Reifen zu breit, so wird das Fahrgefühl unpräzise. Dafür ist der Vortrieb dank der leichten Laufräder stark und die Geometrie angenehm und ausgewogen.

Stefan Loibl

Stefan Loibl, BIKE Testredakteur


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Florentin Vesenbeckh, Stefan Loibl am 07.08.2017
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