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Test 2015: Einsteiger-Hardtails für 1000 Euro

Mountainbikes für Einsteiger: Neun Hardtails im Test

Peter Nilges am 28.04.2015

Sie sind der Einstieg in die Welt des Mountainbikens und werden massenhaft verkauft. In keiner Preisklasse wird spitzer kalkuliert als bei Einsteiger-Hardtails. Wir haben neun 2015er-Bikes getestet.

Unnachgiebig, hart und permanent bockig. Um ehrlich zu sein: Ich bin kein bekennender Hardtail-Fan und würde, sobald es ins Gelände geht, einem Fully jederzeit den Vorzug geben. Beim Stichwort Komfort mangelt es dieser Gattung leider an jeglicher Sensibilität. Und dennoch muss auch ich dem Hardtail meine Empfehlung aussprechen. Würde mich ein Freund nach einem Bike für rund 1000 Euro fragen, um die MTB-Welt für sich zu entdecken, wäre meine Antwort eindeutig. In dieser Preisklasse gibt es keine Alternativen. Die Hersteller kennen diesen magischen Preispunkt. 1000-Euro-Bikes sind Top-Seller. Und so werden die Hardtails dieser Preisklassen mit besonders attraktivem Preis/Leistungsverhältnis angeboten. Für viele Käufer die Eintrittskarte in den Mountainbike-Sport. Bei einem vergleichbaren Fully müsste man bereits doppelt so tief in die Tasche greifen. Da im 1000-Euro-Bereich die größten Stückzahlen über die Ladentheke wandern, kalkulieren die Produkt-Manager mit dem Messer zwischen den Zähnen. Eine Alleinstellung über die Federungs-Performance oder die Kinematik gibt es nicht. Ausstattung ist Trumpf.
Wir haben neun Einsteiger-Hardtails zum Test bestellt. Drei von Versendern und sechs von Fachhandelsmarken. Um den Kostenvorteil des Direktvertriebes auszugleichen, durften die Fachhandelsmarken mit Bikes bis zu 1299 Euro am Test teilnehmen. Obwohl Cube mit dem LTD Race 29 bereits beim Fotoshooting in Nauders dabei war, zog die Firma die Testzusage zurück.

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Aller Anfang ist schwer: Mit rund 12,3 Kilo sind unsere Einsteiger-Bikes zwar keine ausgezehrten Athleten, dafür stecken sie Geländeeinsätze locker weg.

Versender, Fachhandel und drei unterschiedliche Laufradgrößen

Neben Versand- und Fachhandelsmarken befanden sich zudem Bikes mit allen drei Laufradgrößen im Test. Canyon, Focus, Müsing, Radon und Stevens mit 29 Zoll sowie Bergamont, Bulls und KTM mit 27,5 Zoll. Versender Transalp24 schickte als einer der Letzten seiner Zunft ein 26-Zoll-Modell in den Test. Der Erfolg in den vergangenen BIKE-Tests (BIKE 4/14) spricht nach wie vor für 26 Zoll, sofern das Paket wie im Falle Transalp24 stimmt. Das Ambition verfügt über einen außergewöhnlich leichten Rahmen (1512 Gramm), leichte Laufräder mit hochwertigen Continental-Race-Sport-Reifen und obendrein die leichteste Gabel im Test. So präpariert erhascht der 26-Zöller alleine beim Gewicht ganze drei Punkte mehr als die Konkurrenz, was in unserem Wertungssystem am Ende für einen knappen Sieg nach Punkten reicht. In der Praxis äußerst sich das schlanke Gewicht von 11,4 Kilo durch eine ausgezeichnete Beschleunigung und ein überaus wendiges Handling. Bergauf hat die Konkurrenz es schwer, das Hinterrad vom Transalp24 zu halten. Im Gelände und bergab spielen die größeren Laufräder (allen voran 29 Zoll) jedoch ihre Vorteile aus. Mehr Reserven und fehlerverzeihender, notierte unsere Testcrew einheitlich im Protokoll.

Gesamtgewicht schwankt zwischen 11,4 und 12,8 Kilo

Bis auf Canyon und Stevens bieten alle Hersteller zusätzlich ein Alternativmodell mit anderer Laufradgröße in der gleichen Preislage an. Jeder Hersteller durfte selbst entscheiden, mit welchem Modell er sich die besten Chancen in diesem Test ausrechnet. Je nach Körpergröße, geplantem Einsatzzweck und mit kritischem Blick aufs Gesamtgewicht des Bikes könnte für manchen auch die Laufradgrößenalternative interessant sein. Um auch kleineren Fahrern eine sportliche Sitzposition zu ermöglichen, bietet Stevens sein 29er-Antelao in der kleinsten Rahmengröße konsequenterweise nur mit 27,5-Zoll-Laufrädern an.

mtb für einsteiger im test

Versender- und Fachhandels-Bikes im Mix. Beim Fotoshooting war noch ein Cube dabei (li.). Beim anschließenden Test wollte der Hersteller aber dann plötzlich doch nicht teilnehmen.

Macht es Sinn 200-300 Euro mehr auszugeben?

Ein Blick auf die nach unten und oben benachbarten Preisregionen bestätigt die 1000-Euro-Liga als besten Deal. Unter 1000 Euro nimmt oftmals das Gewicht auf Grund einfacherer, nicht konifizierter Rahmen, schwerer Laufräder und Federgabeln drastisch zu. Zudem ermöglichen Geometrie und Sitzposition kaum einen sportlichen Einsatz. Wer etwa 200 bis 300 Euro mehr investieren möchte, bekommt bei vielen Herstellern in der Regel ein Upgrade von einer Rock Shox Reba auf eine Fox-Float-Federgabel, etwas höherwertige Schaltkomponenten und in wenigen Fällen bessere Laufräder. Funktionell und gewichtsmäßig halten sich die Unterschiede dabei meist in Grenzen, weshalb sich der Aufpreis zum nächst teureren Modell nicht wirklich lohnt.
Dass man fürs gleiche Geld nicht zwangsläufig beim Versender die bessere Ausstattung bekommt, beweist Bulls mit dem Copperhead 3. Gemessen an der Ausstattung handelt es sich bei diesem Modell um einen echten Kampfpreis. Eine absolute Ausnahme, wie die weitere Reihenfolge in der Ausstattungstabelle belegt. Wer genau weiß, was er will und Wert auf Individualität legt, findet sowohl beim Versender als auch beim Fachhändler das richtige Angebot. Transalp24 und Müsing bieten ein Custom-Programm für eigene Vorlieben.

Die Ausstattungen der Einsteiger-Hardtails

Währungsschwankungen und allgemeine Preiserhöhungen bereiten den Produkt-Managern jedes Jahr erneut Kopfzerbrechen, um das Ausstattungs-Niveau zu halten. In dieser Preisklasse wird besonders hart kalkuliert. Fachhandelsmarke Bulls schafft es sogar, die drei Versender zu übertrumpfen und schnürt das beste Paket mit kompletter XT-Schaltung und hochwertigen Laufrädern.

Diese MTB-Hardtails von 2015 finden Sie im Test:

  • Bergamont Roxtar LTD
  • Bulls Copperhead 3
  • Canyon Grand Canyon AL 6.9
  • Focus Black Forest 29R 3.0
  • KTM Ultra 1964 LTD 27
  • Müsing Twentynine Comp
  • Radon ZR Race 6.0 29
  • Stevens Antelao
  • Transalp24 Ambition Team 4.0 26
Peter Nilges am 28.04.2015