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Test: Yeti SB6 C gegen Devinci Spartan Carbon

Enduro-Duell: Yeti SB6 C und Devinci Spartan Carbon

Peter Nilges am 19.09.2015

Yeti SB6 C und Devinci Spartan Carbon heißen die beiden Enduros, die es in der Enduro World Series auf Platz eins und zwei geschafft haben. BIKE hat die beiden exklusiven Racer zum Duell gerufen.

Zwar kein Wimpernschlag, aber lediglich 135 Sekunden. Trotz sieben Stopps rund um den Globus und über sechs Stunden reiner Renndauer. Am Ende der Enduro World Series 2014 trennten Sieger Jared Graves und Damien Oton gerade einmal zwei Minuten und 15 Sekunden. Grund genug für BIKE, sich die beiden neuen Arbeitsgeräte der besten Enduristen der Welt genauer anzuschauen.

Ex-Fourcross-Weltmeister Graves vertraut bereits seit Jahren auf die Marke Yeti, die nicht zuletzt aufgrund innovativer Bikes ihrem legendären Ruf anhaltenden Glanz verleiht. Das SB6 C ist eines von zwei Bikes in der Produktpalette, das auf dem Switch-Infinity-Hinterbausystem aufbaut. Statt eines herkömmlichen fixen Drehpunktes kann sich das Hauptlager auf zwei abschmierbaren Kolbenstangen beim Einfedern um fünf Millimeter auf und ab bewegen. Trotz der aufwändigen und wenig kompakten Lösung wiegt der Yeti-Rahmen in der Carbon-Version (Größe M) nur 2359 Gramm ohne Dämpfer. Ein sehr guter Wert, auch wenn die im Labor gemessene Steifigkeit mit 60 Nm/° (Devinci 61,6 Nm/°) nicht herausragend ausfällt. Ein Großteil des Flexes stammt jedoch vom Hinterbau, da der Hauptrahmen mit voluminösem Unterrohr ein präzises Fahrgefühl vermittelt und sich in keiner Situation weich anfühlt.

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Das Yeti SB6c ist für viele Biker ein Traum-Mountainbike.

Devinci Spartan-Rahmen wiegt 600 Gramm mehr als Yeti

Nach der Alu-Version des Spartans legte die kanadische Marke Devinci ein Carbon-Modell nach, mit dem der 28-jährige Franzose Damien Oton permanent an Graves’ Fersen klebte und so die Gesamtwertung der EWS bis zum Schluss spannend machte. Der Carbon-Rahmen mit Alu-Kettenstreben besticht durch seine wuchtige Optik. Mit üppigen 2946 Gramm drückt der Rahmen mit Alu-Schutzplatte unterm Unterrohr allerdings ordentlich auf die Waage. Den Unterschied von 600 Gramm zum Yeti-Rahmen holt auch die robuste Gesamtausstattung mit Schwalbe-Super-Gravity-Reifen nicht heraus. Dafür gibt es bei diesem Paket keinerlei Mogelpackung in Sachen Haltbarkeit. Ready to race, und das auf den härtesten Strecken der Welt. Um den beiden potenten Carbon-Enduros standesgemäß auf den Zahn zu fühlen, ging es auf die selektiven Trails in Finale Ligure. Bergauf und auf tretlastigen Abschnitten fühlt sich das Yeti eine Spur agiler an und lässt sich besser beschleunigen. Hier greift der Gewichtsvorteil von 700 Gramm. Selbst mit offenem Dämpfer marschiert das SB6 C nach vorne, als wäre es ein straffes All Mountain. Dafür filtert der Hinterbau nicht alle Feinheiten aus dem Trail, wie es beim super sensiblen Devinci der Fall ist. Trotz geschmeidigem Hinterbau lässt sich auch das Spartan mit wenig Pumpen im Wiegetritt beschleunigen. Beide Hinterbauten sind auf maximale Wippunterdrückung ausgelegt und bleiben auch ohne Dämpferplattform sehr tretstabil. Obwohl unsere Test-Bikes in Größe M (Yeti) und Größe L (Devinci) ankamen, fallen sie vom Reach fast gleich lang aus und lassen sich so gut vergleichen.

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Vor allem der schluckfreudige Hinterbau des Devinci überzeugte im BIKE-Test.

Beim Handling hat das Devinci die Nase vorn

Bergab bestätigt sich der erste Eindruck in Sachen Fahrwerk. Auch im groben Geläuf und bei hoher Geschwindigkeit klebt das Devinci souverän am Boden und versorgt den Fahrer mit viel Komfort, ohne jedoch durch den Federweg zu rauschen. Dagegen gibt sich das Yeti nach wie vor sportlich straff und lässt den Fahrer nie im Unklaren, über was er gerade hinwegbügelt. Beim Handling erfordert das Yeti vollen Körpereinsatz. Vorderrad anheben und enge Turns verlangen Nachdruck. Dafür besitzt Graves’ Renngerät eine Laufruhe, die ihresgleichen sucht. Durch das tiefe Tretlager wird der Fahrer beim Devinci mit niedrigem Schwerpunkt zentral eingebettet, was in Verbindung mit den kurzen Kettenstreben für ein spielerisches Handling sorgt.

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Fazit zum Test-Duell zwischen Yeti und Devinci

Yeti oder Devinci? Graves oder Oton? Dass beide Fahrer und Enduros zur absoluten Weltspitze zählen, steht außer Frage. Dass beide Firmen für ihre Bikes ordentliches Geld verlangen, leider auch. Da Enduro nun mal ein Mix aus Rauf und Runter ist, können beide trotz unterschiedlicher Stärken auftrumpfen. Das leichtere, perfekt verarbeitete und eine Spur sportlichere Enduro gibt es bei Yeti. Wer mehr Wert auf die Downhill-Performance und ein verspieltes Handling legt, sollte zum Punktsieger Devinci greifen.

Peter Nilges am 19.09.2015