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Komfort-Sattelstützen im Labor- und Praxistest

Test: leichte Komfort-Sattelstützen fürs MTB

Christian Artmann am 30.10.2015

Eine MTB-Sattelstütze muss stabil und leicht sein. Noch besser wäre, wenn sie zusätzlich federt und Fahrkomfort spendet. Sieben Komfort-Sattelstützen im Praxis- und Labortest – bis zum Bruch.

Die perfekte Sattelstütze muss stabil und leicht sein, soll Hintern und Rücken aber auch bei Stößen schonen. Wir haben sieben auf Komfort getrimmte Stützen in Praxis und Labor getestet – bis zum Versagen. Auf welcher sitzt man komfortabel und sicher?

Diese Komfort-Sattelstützen fürs Mountainbike sind im Test:

  • Easton EC90 Zero
  • Ritchey WCS Carbon Link Flexlogic
  • Schmolke SL
  • Syntace P6 Hiflex
  • USE Sumo Titan
  • Cannondale Save2
  • Canyon S25 VCLS

Fotostrecke: Die getesteten Komfort-Sattelstützen im Überblick

So haben wir getestet

Praxistest Die Praxiseindrücke wurden über mehrere Monate von verschiedenen Testern zusammengetragen. Jede Stütze wurde dabei immer am identischen Hardtail montiert und gefahren. Neben dem Fahreindruck wurden dabei auch die Erfahrungen zum Montageaufwand und dem Handling der Stütze vermerkt. Trotz der subjektiven Komponente des Praxistests und der großen Streuung des Tester-Pools von 70 bis 90 Kilo fallen die Aussagen zum Komfort sehr homogen aus. Sicherheitsrelevante Auffälligkeiten oder gar Ausfälle waren dabei keine zu verzeichnen.

Canyon s25 VCLS einstellen

Montage und Verstellbarkeit des Sattels fließen bei den leichten Komfort-Sattelstützen mit zehn Prozent in das Test-Urteil mit ein.

Labortest komfort Sattelstützen Zedler

Nach diesen Vorgaben wurden alle Komfort-Sattelstützen im Prüfinstitut Zedler getestet. Nach der ISO-4210-Norm mussten alle einen spziellen BIKE-Test durchlaufen – bis zum Bruch.

Labortest Die Untersuchungen zum Ermüdungsverhalten der Stützen und deren Flexverhalten fanden im Prüfinstitut Zedler (www.zedler.de) in Ludwigsburg statt. Dabei musste jede Stütze zuerst die Vorgaben der ISO-4210-Norm erfüllen. Das sind 100000 Lastwechsel von 1200 N hinter der Mitte der Sattelklemmung. Danach durchliefen die Testmuster ein vom Zedler-Institut eigens erarbeitetes, praxisnahes Testkollektiv, das sowohl höhere Kräfte bis 1700 N, wie auch einzelne Lasten auf die Sattelnase aufbringt. Die Beanspruchungen sollen eine mehrjährige Nutzungsdauer der Stütze im intensiven Touren-Einsatz durch einen 90 Kilo schweren Fahrer simulieren. Als Auszugslänge wurden realitätsnahe 27 cm gewählt. Der Testdurchlauf war beendet, wenn die Sensorik ein auf einen Defekt hinweisendes Ereignis (von der Rissbildung bis hin zum Bruch) festgestellt hat und automatisch abgeschaltet hat.

Labor Test carbon Sattelstützen

Die Folterkammer: Auf diesem Prüfstand mussten alle Komfort-Sattelstützen das praxisnahe Testkollektiv durchlaufen.

Waren die Ergebnisse des Ermüdungstests der beiden Testmuster, auf konstantem Niveau, unbedenklich und schlüssig, bzw. haben beide Muster den Test ohne Auffälligkeiten durchlaufen, blieb es bei den beiden Tests. Gab es Auffälligkeiten, eine nennenswerte Wertestreuung oder ein kritisches Versagensverhalten, so wurde ein drittes Testmuster geprüft.

Dirk Zedler Fahrrad sachverständiger

Dirk Zedler prüft seit mehr als 20 Jahren Fahrrad-Teile für die gesamte Industrie. Mehr Erfahrung hat auf diesem Gebiet keiner.

"Versagensfälle von Sattelstützen sind in unserer Gutachten-Praxis fast schon an der Tagesordnung. Grundsätzlich gibt es drei Schadensmechanismen. Am häufigsten ist das Versagen der Verschraubung. Die Bewegungen des Sattels führen teils zu deren nicht sachgerechter Belastung. Hier ist dann die Reserve klein, schon ein etwas zu geringes Drehmoment kann zum Versagen führen. Seltener sind Brüche am Ausgang der Stütze aus dem Rahmen. Ursächlich sind hier insbesondere zu geringe Druckfestigkeit von Carbon-Rohren und ungünstige Klemmmechanismen am Rahmen. Oft werden die Klemmen am Rahmen zu fest zugedreht. Am seltensten sind die Brüche mitten im Rohr oder am Kopf. Bei der Betriebsfestigkeitsprüfung wurden die Drehmomente eingehalten, die Sattelstützen nicht ungünstig oder zu fest eingespannt. Die Testkriterien liegen über der ISO-Norm, da deren Mindestanforderung harten sportlichen Einsatz nicht abdeckt. BIKE-Realdatenerfassungen haben ergeben, dass ein Fahrer mit bis zu vierfacher Erdbeschleunigung in den Sattel gepresst werden kann, wenn er in eine Kompression fährt. Ein 80 Kilo schwerer Fahrer bringt je nach Position gut 50 Kilo in den Sattel, das entspricht einer kurzzeitigen Belastung von bis zu 2000 Newton. Mit unseren Prüf-Belastungen sind wir deutlich darunter geblieben." (Dipl-Ing. Dirk Zedler, Sachverständiger)

Die Test-Bewertung der Komfort-Sattelstützen

Die Bewertung erfolgt unter Berücksichtigung mehrerer Faktoren – Haltbarkeit, Handling, Gewicht und das Flexverhalten – immer auf Grundlage des Testmusters mit dem schlechtesten Ergebnis.

Als tragendes und sicherheitsrelevantes Bauteil kommt der Haltbarkeit dabei die größte Gewichtung zu. Dieser Aspekt nimmt daher 50 % der Gesamtbewertung ein. Sie wird aber gesplittet in die bis zum Versagen durchlaufenen Lastwechsel und auch Bruchbild. Ins Testurteil fließt daher die Lastzyklen mit 25 % und das Bruchbild mit 25 % ein. Wenn eine Stütze die ISO 4210 Norm bestanden hat, erhält sie automatisch die halbe Punktzahl. Die volle Punktzahl gibt es bei Durchlaufen des gesamten Ermüdungstests ohne Auffälligkeiten.

Das Flexverhalten entspricht dem praktischen Komfortgewinn und wird mit 30 % gewertet. Das Urteil setzt sich zusammen aus den Auslenkungswerten in den Labormessungen und den zusammengetragenen Praxiseindrücken der Testfahrer.

Beim Handling, das mit 10 % gewichtet wird, fließen das Handling der Stütze bei der Montage und Einstellung genauso ein, wie der Verstellbereich des Sattels auf der Stütze. So erlauben manche Stützen durch die breite Klemmung nur einen sehr enge Verstellung des Sattels nach vorne und hinten, andere sehr viel mehr. Eventuelle Auffälligkeiten im Fahrbetrieb fließen hier ebenfalls mit ein.

Das Gewicht wird ebenfalls mit 10 % bewertet. Die Einteilung erfolgt anhand der heute üblichen Gewichte anderer, vergleichbarer Sattelstützen.

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Christian Artmann am 30.10.2015
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