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Test 2015: NSA-Technologie von Bike Ahead

Knarzen ade: Bike Ahead laminiert Gummilagen in Carbon

Christian Artmann am 03.07.2015

Carbon-Leichtbau, schlechte Passungen und hohe Klemmkräfte sind eine kritische Mischung. Die Carbon-Manufaktur Bike Ahead Composites will dem Thema mit seiner NSA-Technologie die Brisanz nehmen.

Fakten zur No-Slip-Application-Technologie von Bike Ahead

Name: Bike Ahead Composites The Flatbar/The Seatpost
Lenker: 121 g (bei 730 mm Breite)/8,5° Kröpfung (auch in 640 mm oder als Riser, UD oder 3k)
Stütze: 130 g (bei 27,2/400 mm)/0 mm Offset (auch in 31,6 und 270/350 mm Länge, UD oder 3k)
Preis: 229 bis 239 Euro (Lenker)/289 Euro (Stütze)
Infos: www.bike-ahead-composites.de

Fotostrecke: Carbon-Fertigung von Bike Ahead NSA-Teilen

Eigentlich konzentrieren sich die Carbon-Spezialisten von Bike Ahead Composites vorrangig darauf, die leichtesten und steifsten Voll-Carbon-Laufräder zu fertigen, die es gibt. Doch hin und wieder bleibt dabei auch etwas Zeit, um über die Schwachstellen anderer Bauteile zu sinnieren. Und wie so oft bringt der Kampf um Gewichtsrekorde interessante Ansätze hervor, die über den reinen Leichtbau hinausgehen. So auch die patentierte "No Slip Application", kurz NSA-Technologie: In die Carbon-Struktur von Lenkern und Sattelstützen einlaminierte Gummilagen, die gleich mehrere, typische Carbon-Probleme lösen sollen. Zum einen produzieren die außen liegenden Spezialgummilagen eine höhere Reibung zum Vorbau, beziehungsweise zum Sitzrohr. Dadurch werden geringere Klemmkräfte erforderlich; was ein leidiges Dauerthema bei Carbon eliminiert. Bisher mussten sich Biker mit speziellen Montage-Pasten mit Reibungspartikeln oder wenig haltbaren Beschichtungen behelfen – mit oft mäßigem Erfolg. Die NSA-Technologie soll das Gleiche dauerhaft und zuverlässig erreichen und dabei gleichzeitig ästhetisch unauffällig sein. Bis zu 60 Prozent weniger Klemmkräfte seien nötig, verspricht Firmenchef Christian Gemperlein. Doch, wo es um Klemmung geht, geht es auch immer um Passung. Nicht jedes Sattelrohr hat genau das vorgegebene Innenmaß, und nicht jeder Vorbau klemmt in einer perfekten Rundung. Auch wenn es sich oft nur um wenige Zehntelmillimeter handelt, so ergeben die Toleranzen doch einen schlechteren Formschluss, der entweder höhere Klemmkräfte erforderlich macht (Gefahr der Kerbwirkung!), oder zu nervigem Knarzen führen kann. Die strategisch platzierten Gummilagen sollen solche Toleranzen ebenfalls ausgleichen und so den unerwünschten Nebeneffekten vorbeugen.

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Bei der Sattelstütze sorgen zwei seitliche Gummieinlagen im Klemmbereich für mehr Reibung und besseren Formschluss. Bei den häufigen, hohen Toleranzen in diesem Bereich ein effektives Mittel, um dem "Wandern" der Stütze und Knarzgeräuschen vorzubeugen.

Vor- & Nachteile von Bike Ahead NSA-Teilen

+ Einlaminierte Gummilage gleicht Toleranzen aus und verhindert effektiv Knarzen
+ Optisch sehr unauffällig, dennoch dauerhaft haltbar
+/– Reduktion der Klemmkräfte ist zwar messbar, aber nur bei schlechter Passung praxisrelevant
Nur in Highend-Leichtbauprodukten integriert zu einem hohen Preis erhältlich

bike ahead nsa lenker

Anders als übliche reibungserhöhende Maßnahmen sind die Gummilagen dauerhaft ins Bauteil integriert und fast nicht zu erkennen – hier die Vorbauklemmung.

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Hier die integrierten Gummilagen im Klemmbereich der Griffe.

Bike Ahead NSA im Praxistest

Dünne Gummilagen, wo es auf Reibung ankommt. Hört sich genauso einfach wie genial an. Doch wie sieht die Praxis aus? Was die erforderlichen Klemmkräfte angeht, reichen mit der NSA-Technologie sehr niedrige Werte – zum Teil unter 2 Nm! Spitze, doch weil der Lenker nur bis zu 3 Nm und die Stütze höchstens 4 Nm vertragen, ist dennoch Vorsicht bei der Montage geboten. Das relativiert den Vorteil gegenüber anderen Leichtbaustützen etwas, die bei gleichem Gewicht höhere Klemmkräfte erfordern, aber eben auch vertragen. Zudem ist die Verdrehsicherheit von MTB-Lenkern heute ohnehin kein echtes Thema mehr. Die Fähigkeit, Toleranzen auszugleichen, wie sie bei Sattelrohren in modernen Rahmen auch heute noch häufig vorkommen, ist dagegen ein echter Mehrwert von NSA. Selbst in Rahmen, die hier gerne knarzen, blieb die NSA-Stütze schon bei geringen Klemmkräften geräuschfrei und „auf Höhe“. Im dreimonatigen Dauereinsatz erwies sich die einlaminierte Gummilage außerdem als sehr haltbar.

Test-Fazit: Die NSA-Technologie ist eine elegante Lösung, um die Reibung und den Formschluss von geklemmten Carbon-Bauteilen dauerhaft zu verbessern. Für die Praxis besonders relevant: Die Gummilage gleicht unerwünschte Toleranzen aus, was Knarzgeräusche zuverlässig unterbindet.

Christian Artmann am 03.07.2015