Labor- und Praxis-Test Scheibenbremsen 2015 Labor- und Praxis-Test Scheibenbremsen 2015

Labor- und Praxis-Test Scheibenbremsen 2015

So testet BIKE

Peter Nilges am 21.05.2015

Harte Praxistests und Prüfstandsorgien – im BIKE-Test gehen wir den Scheibenbremsen mit allen Mitteln auf den Grund. Wie aufwändig wir testen, lesen Sie hier.

Der BIKE-Praxistest in Bozen

Mit 700 Höhenmetern Differenz bei durchschnittlich 20 Prozent Gefälle ist unsere Teststrecke von Jenesien runter nach Bozen eine echte Herausforderung für Bremsen. Nach der vom Hersteller empfohlenen Einbremsprozedur geht es auf den ersten 300 Tiefenmetern auf einem selektiven Trail mit Spitzkehren, rutschigem und losem Untergrund bergab. Der erste Teil dient zur Beurteilung der Dosierbarkeit, Hebel-Ergonomie und Handkraft.

Labor- und Praxis-Test Scheibenbremsen 2015

Jedes Bremsenmodell wird von jedem der drei Testfahrer eine komplette  Abfahrt (700 Höhenmeter) gefahren.

In den weiteren 400 Tiefenmetern auf Asphalt wird die Standfestigkeit und Bremskraft einer jeden Bremse abgeklopft. Jeder der drei Tester (75, 85 und 95 Kilo) fährt eine komplette Abfahrt pro Bremsenmodell und Scheibengröße. Auf dem Asphaltstück bremsen wir zur Beurteilung der Standfestigkeit, und um sicherzugehen, dass jede Bremse gleich beansprucht wird, nur vorne. Jede Bremse wird dazu nach einem festgelegten Modus belas­tet (kurze Schleifbremsung, Intervallbremsungen, Verzögerungen aus 40 km/h). Da man bei einem neuen Bremsenmodell vorher nicht weiß, wie zuverlässig die Bremse arbeitet, montierten wir hinten eine bekannte Bremse als Rettungsanker, falls die vordere versagt.

Labor- und Praxis-Test Scheibenbremsen 2015

Trail, Straße, dann ab zum Umschrauben: Der Bremsentest läuft nach einem genauen Schema ab.

Der BIKE-Labortest für Scheibenbremsen

Um die Ergebnisse aus der Praxis zu bestätigen, testen wir zusätzlich alle Bremsen auf unserem hauseigenen Trommelprüfstand. Während der Messungen zeichnen wir Brems- sowie Handkräfte (Hysterese-Kurve) und die Bremsbelagstemperatur auf. Ein Gebläse sorgt für konstante Kühlung.

Einbremsen

Für eine optimale Verzögerung müssen sich Bremsbeläge und Scheibe zunächst aneinander anpassen können. Dazu erfolgen mindestens 60 Bremsungen bei einer moderaten Rollengeschwindigkeit, bis die Bremswirkung ein konstantes Niveau erreicht hat. Damit die Beläge nicht verglasen, wird die Temperatur überwacht.

Hysterese-Kurve

Im Anschluss werden Bremskraft und Hysterese-Kurve für eine Trocken- (rot) und Nassbremsung (blau) bei Raumtemperatur ermittelt. Die Kurve in den Testbriefen zeigt eine Bremse mit 180er-Scheibe bei 45 km/h Rollengeschwindigkeit und einer auf 120 N begrenzten Handkraft. Die im Testbrief bewertete Bremskraft ergibt sich aus gemittelten Trocken- und Nassbremsungen bei 80 N Handkraft und der Bewertung der Testfahrer aus dem Praxistest.

Labor- und Praxis-Test Scheibenbremsen 2015

Die rote Hysterese-Schleife zeigt eine Trockenbremsung, die blaue eine bei Nässe. Sie entsteht entgegen dem Uhrzeigersinn. Je steiler der Graph (B) ansteigt, desto härter verzögert die Bremse. Der Bereich A gibt Aufschluss über die Dosierbarkeit. Stehen die steigende und fallende Linie eng zusammen (kurzer Bereich A), reagiert die Zange schnell auf ein Öffnen am Bremshebel.

Standfestigkeit

Der Fading-Test auf der Rolle verläuft in drei sich steigernden Stufen und basiert auf in der Praxis ermittelten Daten. Die Ergebnisse des Labortests ergeben zusammen mit den Punkten aus der Praxis die Bewertung der Standfestigkeit in den Testbriefen. Zusätzlich geben wir auf Grundlage der Ergebnisse aus dem Praxistest an, bis zu welchem Fahrergewicht die Bremse im extremen Gefälle standhält.

Test-Bewertung der Scheibenbremsen

Neben der Bremskraft, Standfestigkeit, Ergonomie und Dosierbarkeit fließen das Gewicht und die Montage-/Justage-Freundlichkeit der Bremse in die Endnote ein.

Peter Nilges am 21.05.2015
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