Wolfgang Ebersbach

Gabelabsenkung: Vom "Drehrädle" zum Rockshox "U-Turn"

Jörg Spaniol am 30.04.2008

Als Wolfgang Ebersbach den Federweg seiner Downhill-Gabel zähmen wollte, erfand er ganz nebenbei die Federwegsverstellung. Ein Geistesblitz, der als „U-Turn“ noch immer seine Kasse klingeln lässt.

In den frühen Neunzigern, als mancher Downhiller noch auf die Federung verzichtete, war Wolfgang Ebersbach schon voll dabei: “Ich hatte die allererste Rockshox, Seriennummer 70, so ein schwarzes Teil mit rosa Aufklebern”, erinnert er sich. Das Problem: Schon nach knapp zwei Wochen lief das Öl raus. Erst 1995, als Downhill richtig abging, kam die erste brauchbare Gabel. Das war die Rockshox “Boxxer”. Das seltene Stück kostete 1 600 Mark, und Ebersbach war Student. Ein Umstand, der ihn in den Selbstbau trieb. Mit Teilen einer Mopedgabel, einer Handvoll maßgefertigter Frästeilen aus der Nachbarschaft und echtem Pioniergeist. Seine Gabel hatte schon 15 Zentimeter Federweg, als große Teile der Konkurrenz noch mit weniger als der Hälfte auskommen mussten.

Ein Vorsprung durch Technik, den er sich bereitwillig abkaufen ließ: “Als ich etwa 20 Bestellungen zusammenhatte, ließ ich die Gabeln bauen. Gefräst und gedreht haben andere, aber ich habe sie montiert. Sicherheitshalber.” So entwickelten sich die Gabelgeschäfte des Ingenieursstudenten Wolfgang Ebersbach stetig aufwärts, bis nach etwa 200 produzierten Gabeln ein Ende des Studiums absehbar war. Es hätte auch das Ende seiner Gabelmanufaktur sein sollen. Doch während andere vor den Diplom-Prüfungen zunehmend graugesichtig zwischen Kaffeeautomat und Kopierer pendelten, zog Wolfgang Ebersbach einen fetten Schlussstrich unter die studentische Lebensphase: Er baute die ultimative Downhill-Gabel, genannt “Eberminator”. Upside-down-Konstruktion, dreißig Zentimeter Federweg. Ein Monstrum mit ungeheurem Schluckvermögen, nur gebaut, um seinen Konstrukteur zu erfreuen.

Dennoch, tief im Inneren der wuchtigen Rohre dämmerte ein geniales Teil seiner Entdeckung entgegen. Als Ebersbach mit seinem Prototyp zur nahe gelegenen Werkstatt von Fahrwerkstüftler Peter Denk fuhr, verdichteten sich Idee und Weitblick augenblicklich zur kritischen Masse: “Der Eber kam bei uns rein mit seiner selbstgebauten Gabel”, erinnert sich Denk. “Er hatte da ein Detailproblem, mit der Dämpfung oder sowas. Ein Gabelholm hatte so ein Drehrädle oben drauf. Ich fragte ihn, was das denn sein sollte? Er sagte, die Gabel sei sonst bergauf zu lang – er wusste gar nicht, was er da für eine super Erfindung hatte!”

Doch davon hatte ihn Denk schnell überzeugt. Denn das “Drehrädle”, das Ebersbachs Monstergabel bergauf fahrbar machte, war die bis dahin beste Federwegsverstellung: Jede Drehung schraubte den Federanschlag mehr oder weniger tief in die Stahlfedern. Das Stellrad machte aus einem Chopper ein fahrbares Bike. Und es verkürzte die Gabel nicht nur, sondern ließ sie auch verkürzt noch genauso federn, wie es der jeweils eingestellten Bauhöhe entsprach. “Das war natürlich endlos verlockend für die Hersteller”, erinnert sich Wolfgang Ebersbach, “zumal es so einfach ist, dass es kein einziges Teil mehr braucht als einen Regler für die Federvorspannung.” Trotzdem dauerte es noch drei Jahre, bis aus dem badischen “Drehrädle” das US-amerikanische “U-Turn” wurde.

Drei Jahre, in denen Ebersbach und Denk Klinken putzten, bis die Bike-Welt einsah, dass die immer längeren Federwege irgendwie gebändigt werden mussten. Drei Jahre, in denen Denk und Ebersbach sich für etwa 200.000 Euro international wasserdichte Patente sicherten. Als die drei Jahre um waren, hatten sie sich mit Rockshox über die Lizenz geeinigt. 2001 kamen die ersten “Psylo”-Gabeln mit “Eberminator”-Genen auf den Markt. Sie waren die ersten von vielen, vielen tausend höhenverstellbaren Stahlfeder-Gabeln. Und jedesmal, wenn fortan irgendwo auf der Welt eine U-Turn-Gabel die Kasse füllte, sickerte auch ein wenig Geld bis in den Freiburger Raum.

Doch genaue Stückzahlen oder gar Beträge sind keinem der Beteiligten zu entlocken. Reicht die Lizenzgebühr jährlich für ein neues Bike, ein Auto oder gar ein Haus? Kein Kommentar – bis auf diesen: “Wir arbeiten alle noch”, sagt Wolfgang Ebersbach. Vom Bike-Business ist der 37-Jährige allerdings weg. Als angestellter Elektro-Ingenieur testet er elektronische Bauteile. Seine Mountainbikes sind wieder das, was sie schon zu Studentenzeiten waren: intensiv genutzte Sport- und Spaßgeräte.

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Jörg Spaniol am 30.04.2008