Portrait einer Mountainbike-Legende Joe Breeze

Das Breezer No. 1 war das erste Mountainbike der Welt

Tassilo Pritzl am 30.12.2008

Joe Breeze baute vor gut 30 Jahren das erste moderne Mountainbike - die wenigsten wissen das. Bis heute macht er keinen großen Hehl daraus.

Er ließ sich wieder huldigen – Gary Fisher, der selbsternannte “Godfather of Mountainbikes”. Auf der diesjährigen Eurobike zog er sich wieder seinen Glitzeranzug an und los ging die Gary-Fisher-Show. Die wenigsten wissen jedoch, wer das erste Mountainbike tatsächlich konstruiert hat – Joe Breeze.

Der gebürtige Kalifornier gehörte neben Bike-Legenden wie Gary Fisher, Charles Kelly und Tom Ritchey zu einer Gruppe von Hippie-Bikern, die rund um den Mt. Tamalpais in Marin County lebten. Auf alten, umgebauten Schwinn-Cruisern stürzten sie sich Anfang der Siebziger den Berg hinunter. Doch die alten Rahmen brachen, also begann Breeze einen stabileren zu konstruieren. Inspiriert von den alten Cruiser-Bikes führte er Testreihen durch und vermaß jeden Zentimeter der alten Modelle. Das berühmte Repack-Rennen diente als Teststrecke. “Beim Repack zeigten alle ihr neues Zeugs, sei es neue Ausrüstung oder neue Fahrkünste. Es war mit seinen knapp 400 Höhenmetern auf 3,2 Kilometern und 30 Kurven der härteste Materialtest, denn wir kannten”, erinnert sich Breeze.

Im September 1977 präsentierte er seinen Bike-Kumpels das Breezer No. 1, das erste moderne Mountainbike. Anstatt der geschwungenen Verstrebungen der alten Cruiser-Rahmen glänzten nun zwei Rohre, die sich vom Steuerrohr bis zur Hinterachse durchzogen. Das neue Bike hatte seinen ersten Repack-Test bestanden – Joe Breeze gewann das Rennen mit zehn Sekunden Vorsprung. Das Telefon stand darauf nicht mehr still, alle wollten ein Breezer. Breeze arbeitete im Akkord, im Frühling 1978 gab es bereits Breezer No. 10. Doch er dachte schon weiter: “Ich habe dann anstatt der Doppelrohre das Unterrohr dicker gestaltet. Damit habe ich bei gleicher Steifigkeit knapp ein halbes Kilo und zehn Schweißnähte gespart.”

Das Geschäft boomte, der Markt wurde größer und umkämpfter. Joes ärgster Repack-Kontrahent Gary Fisher wurde auch außerhalb der Rennstrecke zum Gegner. Fisher gründete 1979 zusammen mit Tom Ritchey und Charles Kelly die Firma MountainBikes. “Von da an entbrannte der Wettstreit. Wir wollten alle das beste Produkt auf den Markt bringen.” Die Nachfrage nach Mountainbikes stieg gewaltig. Die kleinen Hinterhofschmieden verwandelten sich in große Fabriken, aus Hippies wurden Millionäre. Bis in die Neunziger produzierte und verkaufte Breeze seine Breezer nach Nordamerika, Europa und Japan. 1998 hörte er plötzlich auf, Mountainbikes zu bauen. “Es war Zeit, den nächsten Schritt zu machen. Die Leute sollten ihre Fahrräder öfter benutzen, auch im Alltag.” Also widmete er sich seiner ursprünglichen Leidenschaft: den Citybikes. Bis heute baut Joe Breeze seine Breezer, alltagstaugliche Fahrräder, echte Alternativen zum Auto. Dabei kommen ihm die steigenden Benzinpreise entgegen: “2008 war unser bestes Jahr.” Breeze hat seine Firma bisher immer selbst geleitet, da blieb wenig Zeit für neue Ideen. Jetzt hat er Breezer Bikes verkauft und kann sich nun wieder voll und ganz auf das konzentrieren, was er am liebsten tut: Fahrräder entwickeln. Vor Kurzem hat er angekündigt, 2009 wieder neue Mountainbikes zu entwerfen – er ist eben immer noch ein alter Repack-Racer.

Selbstdarstellung im Stile eines Gary Fisher war nie etwas für Joe Breeze. Er hat eine Vision. Eine Vision von einer besseren Welt voller Fahrräder. Auch wenn auf der nächsten Bike-Messe Gary Fisher wieder glitzern wird - die Kenner der Szene huldigen einen anderen – Joe Breeze.

Tassilo Pritzl am 30.12.2008