Die EUROBIKE ist ein Biotop für Tüftler und Denker: Neuheiten, Herrlichkeiten und Skurrilitäten finden sich an jeder Ecke. Etwas Sexyness gehört natürlich dazu. Die EUROBIKE ist ein Biotop für Tüftler und Denker: Neuheiten, Herrlichkeiten und Skurrilitäten finden sich an jeder Ecke. Etwas Sexyness gehört natürlich dazu.

Eurobike 2011: Lesewitz Blog

EUROBIKE-SPEZIAL: Lesewitz-Blog

Henri Lesewitz am 31.08.2011

BLING, BLING! Skurriles, Schrilles, Extraordinäres - BIKE-Reporter Henri Lesewitz berichtet in seinem Blog über Perlen der Eurobike 2011.

Reporter Lesewitz im Einsatz.

Überall Fahrräder. Überall Menschen. Überall Fressstände. Wer es im schwer kollabierten Nahverkehr von Friedrichshafen bis auf das Messegelände geschafft hat, wird sofort Bestandteil einer zähflüssig dahintippelnden, alles und jeden fotografierenden Menschenmasse. Der erfahrene Eurobike-Besucher hat sich im Laufe der Jahre natürlich einen hocheffektiven Chamäleon-Blick antrainiert. Das linke Auge ruht beständig auf dem Vordermann, um Rempler und Hackentritte zu vermeiden, während das rechte Auge die Umgebung nach Fahrrad-Delikatessen abtastet. Hach, wie mich wohlige Wellen der Vorfreude durchströmen. Lassen wir uns treiben durch das kunterbunte Meer der Tollheiten, Skurrilitäten, Typen und – nicht zu vergessen – der wunderbaren Nichtigkeiten. Vier Tage Zeit für 1100 Aussteller. Also genug gelabert. Rein ins Gewimmel.

Samstag, 03. September 2011 - Teil 5

Gute Nachrichten. Die Finanzwelt geht unter. Die Inflation kommt. Das Geld löst sich auf. Alles im Arsch. Die morgendlichen Radionachrichten haben mich mit großer Freude erfüllt. Der Goldpreis schießt in die Höhe. Alle wollen Wohnungen kaufen. Es ist höchste Zeit, in Sachwerte zu investieren. Ach, wie befreiend das ist, ohne schlechtes Gewissen den Einkaufszettel für die nächsten Monate zu füllen. Statt mit Sparbuch werde ich künftig mein Altersauskommen mit Chris King-Naben, Titan-Vorbauten und Look-Carbon-Rahmen sichern. Edle Fahrradprodukte werden ab heute das feste Fundament für Glück und Zufriedenheit sein. Im Prinzip waren sie es ja schon immer. Nur haftete gelegentlichen Kauforgien stets der Ruche der Verschwendung an, während es jetzt als großer Akt der Vernunft gelten wird, den achten Rahmen für beispielsweise Cyclocross bei einer Custom-Schmiede in Auftrag zu geben. Zum Beispiel bei der neu gegründeten Titan-Manufaktur Firefly aus Boston, die sich personell gesehen aus ehemaligen Premium-Schweißern der Superschmiede Independent Fabrication zusammensetzt. Da mein Fokus in diesem Blog den Mountainbikes gelten soll, belasse ich es an dieser Stelle bei diesem wunderschönen Bild. Nur eines noch: Mit dem Kauf dieses Wahnsinnsrahmes lassen sich beträchtliche 4200 Euro vor dem Inflationsverfall bewahren. Ach ja: Die Jungs von Firefly bauen übrigens auch Mountainbikes. Alles nach Kundenwunsch. Und Titan-Lenker, wie diesen hier für Crema Cycles. Der Schriftzug schimmert farbig. Das muss man sich mal vorstellen: Da wird der ganze Lenker abgeklebt, um den Schriftzug zu eloxieren. Weitere 190 Euro sind damit für die Ewigkeit gesichert.

Firefly: Herrlicher Titan-Crosser aus Boston.

www.fireflybicycles.com

Die Italiener! Ich liebe sie! Wie eifrig sie in ihren Garagen gegen den Mainstream anfeilen, anschweißen, anlaminieren, der sich wie eine düstere, spaßlose Wolke über der Mountainbike-Welt breit macht. Francesco Poduano ist nicht gerade erfreut, dass ich seinen Namen noch nie gehört habe. Er spricht es nicht aus, aber der leicht in sich verrutschende Gesichtsausdruck spricht Bände. “Ich habe vor siebzehn Jahren das durchgehende Sitzrohr erfunden. Alle haben es kopiert!”, stellt er erst mal klar. Dann schreitet er stolz das Spalier seiner aneinander gereihten Carbon-Titan-Handarbeiten ab. Ein paar sehen selbst mir zu experimentell aus. Doch mit dem “X12” würde ich gerne mal bei einem mittelgebirgigen Langstrecken-Marathon die Typen in ihren Vereinsuniformen demütigen, die sich vor dem Start auf ihren bescheuerten Rollen warm fahren, um dann spätestens in der zweiten Rennhälfte weinerlich von ihren gerade überstanden Grippeeffekten zu klagen. Wenn sie denn vor lauter Schwäche überhaupt noch reden können. Das X12 jedenfalls würde die hierarchischen Verhältnisse noch vor dem Startschuss klären. Niemand würde sich trauen, sich dieser aggressiven Modder-Fräse in den Weg zu stellen. Der Rahmen ist aus Titan und Boron-Carbon-Rohren gebaut, besitzt ein durchgängiges Sitzrohr und extrabreite Steckachsen-Ausfallenden (142 Millimeter breit, Achse 12 Millimeter). “Extrem steif”, sagt Francesco und feuert gleich noch die zwei entscheidenden Eckdaten hinterher: 1050 Gramm, 3800 Euro (nur der Rahmen!). Was der seltsame Cross-Country-Chopper soll und was er kostet, habe ich leider vergessen zu fragen. Ein Lichtbild habe ich aber immerhin erstellt. Wundert euch selbst darüber.

www.paduanoracing.com

Verweilen wir noch einen zarten Moment in der wunderbaren Tüftler- und Bastler-Ecke. Bei Canyon, Scott, Merida und Co ist eh zu viel Gedränge. Außerdem muss man sich ja eigentlich nicht zu einer Messe bemühen, um sich an den Rädern der Brachen-Riesen zu ergötzen. Das Internet ist voll davon und auch auf den Trails sieht man kaum etwas anderes. Nettes, gefälliges Einerlei. So wie Robbie Williams. Oder Lady Gaga. Ich stehe auf Punkrock. Also hin zu Ralf Tröger, der in der Eingangshalle einen Kaffee nuckelt. Der mächtige Schlagvernichter neben ihm ist gulaschbraun lackiert und setzt beim Betrachter Assoziationen an den Schwermaschinenbau frei. Der Rahmen-Schriftzug schüchtert zusätzlich ein: Tollwut. Was für ein Fahrrad! Das Rad entstand ursprünglich im Rahmen einer Diplomarbeit. Tröger war davon so überzeugt, dass er es unter dem Label Tollwut produziert. Clou ist das zentral im Rahmen platzierte Schaltgetriebe auf Speedhub-Basis, das mit einem Parallelogramm-Hinterbau gekoppelt ist, was den Schwerpunkt optimiert und gleichzeitig sowohl Brems- als auch Treteinflüsse auf die Federung vermeidet. Der “Stonedigga FR Evo” hat 200 Millimeter Federweg und bringt mit Vollausstattung okaye 17,8 Kilo auf die Waage. “Wir produzieren alles bei uns in Memmingen. Einhundert Prozent Made in Germany!”, betont Tröger, der unlängst im Auftrag eines Kunden eine Edelversion aufgebaut hat. Kosten: 13000 Euro. Wieder ein paar Tausender, die zukunftsträchtig angelegt sind.

www.achtung-tollwut.de

Erfreulich für kurzfristiges Sparen, aber schlecht für langfristige Vermögenssicherung, ist die neue Marke von Mario Sillack, dem aus gutem Grund vor Jahren der Name “Supermario” angeheftet wurde. Mario umgibt sich nämlich ausschließlich mit delikaten Bikes. Die von ihm unters deutsche Volk gebrachten Seven Cycles kosten schon mal 12000 Euro. So viel Geld kann man mit seinen Punch Cycles nur schwerlich vor der Inflation in Sicherheit bringen. Die sind zwar auch edel und handwerklich einwandfrei aus Titan geschweißt, aber wegen ihrer fernöstlichen Herkunft verhältnismäßig günstig. 1990 Euro kostet das Modell “Hook MTB 29”, ein Twentyniner, am dem es nicht das kleinste Detail auszusetzen gibt. Rahmengewicht: 1620 Euro.

www.punchcycles.com

Und wieder Italien! Stafano Spedini baut zwar keine Rahmen, aber er schneidert coole Mountainbike-Klamotten jenseits der Erwartungsebene. Bin schwer begeistert vom Modell “Erfrischungsgetränk in Rückentasche”. Zwar ist das Bier nur virtuell am Mann. Aber immer noch tausendmal besser ist als die unsäglichen Litfass-Säulen-Designs, in denen die Rollen-Warmfahrer bei den Marathons aussehen wie hechelnde lokale Brachenbücher. Stefanos Schneiderei Biciclista ist unter Italiens Radlern bereits eine angesagte Nummer. Deutsch übersetzt heißt das wohl “Doppelfahrradfahrer”, oder so ähnlich. Kann die Krakelschrift in meinem Notizblock kaum noch lesen. Vier Tage Messe erfüllen mich langsam mit bleierner Schwäche. Muss erst mal ein Bier trinken. An einem dieser belagerten Fressbuden, nicht virtuell.

www.biciclista.it

Meine Zunge gerinnt vor lauter Durst zu einer zähflüssigen Masse. Doch wieder stoppt betörendes Zubehör meinen Gang Richtung Gastro-Zone. Der Großhändler SES hat Holzfelgen im Programm, oder besser gesagt: Eine entsprechende optische Täuschung. 60 Euro kosten die beschichteten Rigida-Felgen. Disc only, versteht sich. Mehr war auf die Schnelle nicht in Erfahrung zu bringen. Wer will, kann ja mal auf die Homepage schauen, während ich mich nun endlich wirklich mal mit einem Biergetränk erfrische.

www.ses-sandmann.de

“Gottchen, was zum heiligen Olivenschiffchen sind das denn bitteschön für geile Helme?”, denke ich und jogge zu einem unweit entfernten Stand, aus dessen umringender Menschen-Menge schrill-rote Knautschzonen aus offenbar nachwachsenden Rohstoffen ragen. Die Produkt-Managerin, die gerade die beiden Models vor einem Fotografen positioniert, gibt Entwarnung. Original-Schwarzwald-Tracht. Schade, denke ich. Eignen würden sich aber die Dinger zum Radfahren. Mit diesen Mega-Bommeln auf der Rübe würde ich mir sogar freiwillig mit dem Vorschlaghammer auf den Kopf hauen lassen.

Schlendere weiter über das Freigelände, wo ich in die ausgebreiteten Arme von Downhill-Ass Antje Kramer laufe. Ich war im Sommer 2000 live dabei, als Antje in Bischofsmais das erste Mal Downhill-Rennfahren probierte. Mit dem Rotwild ihres Freundes stürzte sie im Finallauf dreimal und schaffte es doch aufs Podium. Seit dem ruinierte sie sich regelmäßig beim Kampf um schnelle Zeiten die Gesundheit. Was auch deshalb ein bisschen verrückt ist, weil Antje im normalen Arbeitsalltag als Krankenschwester arbeitet. Als sie in diesem Jahr nun das achte Mal Deutsche Meisterin werden wollte, gingen vier Brustwirbel und zwei Rippen zu Bruch. Im Wohnzimmer auf der Rolle trainiert sie schon wieder. “Dürfte ich zwar eigentlich noch nicht. Im Oktober will ich aber wieder durchstarten. Aufhören kann ich einfach nicht!”, sagt Antje, die nebenbei gesagt inzwischen zarte 42 Jahre alt ist. Ich mag dieses Mädel. Ich habe selten so einen lieben, netten, herzlichen Menschen kennengelernt. Bitte, bitte Antje! Mach langsam. Und immer schön vorsichtig bergab.

www.antje-kramer.de

Nein, wie geil! Kann kaum glauben, was meine feinsensorischen Augen gerade aus dem Überfluss an Bildern herausgepickt haben. Ein “Concor” der Sattelbau-Firma San Marco. Und zwar verziert mit feiner Street Art. Limited Edition. Es wird bei Sätteln ja immer auf das Gewicht geschaut. Was mir ehrlich gesagt völlig Schnuppe ist. Der Hintern muss begeistert seit. Und wenn man neben dem Bike steht, natürlich die Augen. Ich hatte ja im Laufe dieses Blogs meine Kindheit in der kommunistischen, komplett eingezäunten DDR erwähnt. Radsport-Zubehör war damals rare Ware und es gehört zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen, als mir mein Vater auf dem Schwarzmarkt für wahnsinnig viel Geld einen weißen Concor-Sattel für mein Rennrad besorgte. Ein weißer Concor-Sattel war in der DDR das, was heutzutage eine 80-Meter-Yacht mit Hubschrauberlandeplatz ist. Purer Luxus. Werde mir diesen Sattel auf jeden Fall holen. Auch wenn die meisten Mountainbiker aus Unwissen wohl die Nase rümpfen werden.

www.sellesanmarco.it

Vernehme angenehme Bass-Klänge, denen ich folge. Die Berlinerin Fanny Rybarsch und ihr Freund, ein der Highend-Kategorie zugeneigter Hi-Fi-Experte, machen Stereo-Anlagen fahrbar. Seit fünf Jahre bauen die Sound-Systeme zum Rumkurbeln. Mit bis zu 600 Watt und Akkus mit zwölfstündiger Leistung. 3600 Euro kostet die Basisversion. “Wir fertigen auch auf Kundenwunsch”, sagt Fanny: “Dann gibt es aber noch oben hin keine Grenzen.”

www.klarageist.com

Begebe mich nun langsam zum Ausgang. Würde zwar gerne noch ewig gucken. Doch meine Kräfte sind dahin. Ich kann keinen Meter mehr laufen.

An dieser Stelle nun also mein Fazit: DAS RAD BLEIBT RUND, DIE KONTERMUTTER ECKIG.

Gute Zeit und auf Wiederlesen. Bis zum nächsten Jahr. Peace!

Freitag, 02. September 2011 - Teil 4

Irre gerade atemlos auf der Suche nach dem Stand von Kellys durch das Hallenlabyrinth. Dort soll angeblich eine brandneue, superatmungsaktive Klamotten-Kollektion für Damen präsentiert werden. Das Zeug wird einfach mittels Airbrush-Pistole auf die nackte Haut gesprüht, was angeblich just in diesem Augenblick der staunenden Weltöffentlichkeit vorgeführt wird. Ähnliche Kollektionen wurden in der Vergangenheit bereits auf Erotik-Messen in provinznahen Großraum-Diskotheken präsentiert. Nun will sich die Radindustrie wohl den aerodynamischen Vorteil der Aufsprühklamotten für effektiveres Dahinkurbeln zugunsten machen. Oder handelt es sich in Wirklichkeit doch nur um sexistisches Bodypainting aus marketingstrategischen Gründen? Wo zum Teufel ist dieser verdammte Stand?

Egal, meine Augen haben das Colnago-Logo erspäht. Und das ist ja wohl mal tausendmal toller als irgendwelche Airbrush-Luder. Colnago ist bei den Radmarken für mich das, was Erdbeer-Schlemmer-Joghurts auf dem Sektor der Zwischenmahlzeiten darstellen: Die Chartspitze. Weniger wegen Testdaten, sondern rein emotional. Die Marke ist Radsport-Mythos pur, was sich trotz parallel angebotenen Geländefahrrädern komischerweise nach wie vor auf die Rennräder beschränkt. Zwischen eitel drapierten Carbon-Schönheiten für Tour de France-Profis und Beinrasierer, erblicke ich in der hintersten Standecke das einzige Mountainbike am Stand. Mir rauscht kurz der Blutdruck in den Keller. Ein Twentyniner! Ach herrje! Jetzt zeigt sich sogar schon die große, glänzende Übermarke Colnago trendgehorsam. Der Rahmen sieht vernünftig aus, doch irgendwie will der Funke nicht so richtig auf mich überspringen. Am hydrogeformten Rahmen hängen XT-Komponenten und eine Billigkurbel. Der Verkaufspreis kann mir niemand am Stand sagen. Schnell weiter.

www.colnago.com

Verlasse die Halle Richtung Freigelände. Am Stand von Stijncycles glaube ich an eine göttliche Erscheinung. Was für ein Mountainbike! Dass die Karre auf 29-Zoll-Rädern steht, ist mir im Rausch der Begeisterungswogen so was von egal. Wahrscheinlich bin ich bisher nur einfach immer nur den falschen 29-Zoll-Rädern begegnet. Zur Sache: Stijn Deferm ist der lässigste Flame, den ich kenne. Im Hauptberufsleben bei Riese und Müller beschäftigt, baut er in seiner Freizeit ultraspitzenmäßige Rahmen. Bisher leider nur für Kumpels. Zwanzig Räder sind so im Laufe der Jahre entstanden, weswegen sich Stijn nun am ultimativen Mountainbike versucht hat, um es demnächst in Kleinserie zu fertigen. Ich zähle jetzt einfach mal die fetzigsten Details auf: Eigens in Auftrag gegebener Rohrsatz mit hauchdünnen Wandstärken bis runter auf 0,4 Millimeter. Innenverlegter Bremszug. Superkurze Kettenstreben mit 405 Millimeter Länge und deshalb vorne nur ein Kettenblatt (29er), da wegen der Kettenstrebenlösung kein Platz für den Umwerfer. Dafür aber hinten zehn Ritzel (Spezialkassette 9-39!). Gefräster Vorbau mit gerader Optik, aber leichter Negativ-Neigung. Und das Beste: ein verchromter, aufgelöteter flämischer Löwe. Um die etwa 750 Euro für den Rahmen an Stijn überweisen zu können, muss man sich allerdings noch etwas gedulden. “Wenn die Produktion startet, kann ich noch nicht genau sagen. Wahrscheinlich im Frühjahr”, schätzt Stijn. Man könne sich aber gerne schon mal auf die Warteliste setzen lassen.

www.stijncycles.com

Zufälle gibt es, man glaubt es nicht! Als ich damals als Zehnjähriger eingezäunt in der Deutschen Demokratischen Republik lebte, fuhr ich Radrennen mit einem Typen namens Sören Marx. Sören war gefürchtet für seine gnadenlosen Zielsprints, ansonsten aber ein wirklich netter Typ. Nach dem Mauerfall fuhr er Mountainbike-Rennen und arbeitete in Leipzig als Mechaniker in meinem Lieblingsradladen. Dann verlor sich in den Wirren des Älterwerdens der Kontakt. Tja, und nun stehe anhimmelnd vor einer Wahnsinnskurbel, greife das ausgelegte Infoblatt und was lese ich da: handmade by Sören Marx, Leipzig! Sören hat jetzt nämlich eine kleine, feine Edel-Schmiede namens Unique Bicycles. Die Kurbel besteht aus einem Superstahl, den er nach langer Suche in Norwegen ausgespürt hat. Das Material wird dort im Flugzeugbau eingesetzt und hat wohl hervorragende Eigenschaften. Leichte 490 Gramm wiegt das fotografierte Kurbelset, dass Sören Stahlrahmen-Besitzern als Alternative zu charakterlosen Carbon-Kurbeln anbietet. Sehen ein bisschen aus wie die alten Bullseye-Kurbeln. Zu haben in allen RAL-Farben. Eine Homepage gibt es demnächst auch.

Bis dahin einfach eine Mail schicken: uniquebicycles@web.de

Wo wir schon beim Thema Stahl sind. Der in Deutschland lebende Ami Ken Bloomer hat seine Crema Cycles-Linie um ein hübsches Teil erweitert. Ken ist ein Mountainbike-Freak ohnegleichen und weiß was auf den Trails Sache ist. “Loem”, nennt sich der Rahmen, der aus einem Mix verschiedener Stahlrohre gefertigt ist. Oben im Tapered-Steuerrohr drehen sich Lager der Größe 1,8-Zoll, unten mächtige Oversize-Lager mit 1,5-Zoll. Die Ausfallenden sind aus Edelstahl. Geometrie ist auf Gabeln mit 120 Millimetern Federweg ausgelegt. Der Steuerwinkel beträgt dann 69 Grad. Gebaut werden die Rahmen übrigens in Kanada von Mike Truelove (was für ein cooler Name!), der auch schon für Brodie und Rocky Mountain die Schweißnadeln glühen ließ. Mit 1700 Gramm ist der Rahmen sogar einigermaßen leicht. 1500 Euro sind von den Käufern an Ken zu überweisen.

www.cremacycles.com

Suche immer noch den Stand von Kelly und grüble beim Schlängellauf über diese Twentynine-Hysterie. Also optisch geht das ja gar nicht, da sind sich mein linkes und mein rechtes Auge absolut einig. Aber ehe mich die Fahrradwelt als ewig gestrigen Innovations-Ignoranten abstempelt, möchte ich an dieser Stelle einwerfen, dass ich mich dem Thema durchaus auch schon schweißtriefend im Sattel genähert habe. Beim Marathon auf Gran Canaria im Frühjahr beispielsweise. Da fuhr ich mit dem 29-Zöller eines bekannten, amerikanischen Herstellers die zum Teil fies verblockte große Runde. Ich spürte eine gewisse Laufruhe zumindest in den allergröbsten Abschnitten, musste dieses aber mit spürbar größerem Krafteinsatz bei Beschleunigungs-Manövern bezahlen. Kein Vorteil ohne Nachteil, beziehungsweise ungekehrt. Richtig genervt hat mich das merkliche Walken der Reifen. Ich fand das Rad okay. Flammenmäßig begeistert war ich nicht. Für mich sind 26-Zöller immer noch die besten Mountainbikes. Aber soll jeder fahren, womit er glücklich ist. Freeride. Dirt. Cross Country. Rote Räder. Grüne Räder. Große oder kleine. Ist doch eigentlich schön, diese ganze Artenvielfalt.

Apropos Trends. Der so genannte E-Bike-Trend ist auch so eine Sache. Erfüllt mich im Mountainbike-Zusammenhang mit großer Sorge. Überall auf dem Gelände summen sie rum. Werde in diesem Zusammenhang gerade Zeuge einer unfassbaren Szene. Ein Mann in Leggins, Motörhead-T-Shirt, Plastikhaaren auf dem Kopf und Kunstbart auf der Oberlippe äfft neben einem anderen komisch verkleideten Mann im Freigelände rum. Das Ganze wird gefilmt vom SWR, also dem öffentlich rechtlichen Fernsehen. Wofür hier eigentlich meine GEZ-Gebühren verpulvert werden, fordere ich Erklärung. “Wir sind Rock und Rollinger, die lustige Band!”, werde ich in feinstem Hardcore-Schwäbisch vom Typen mit den Plastikhaaren aufgeklärt: “Wir haben ein Lied über E-Bikes geschrieben. Die Frauen lieben E-Biker, weil die schnell von A nach B rasen und nicht nach Schweiß riechen.” Ich fasse es nicht. Vielleicht komponieren die Herren demnächst noch ein Lied über Twentyniner-Fahrer, die von den Frauen geliebt werden, weil sie die größten Dinger haben. Egal, solange dafür nicht meine GEZ-Gebühren verschleudert werden, soll es mir recht sein.

www.rockundrollinger.de

Jugendmodische Baseball-Kappe, riesengroße Sonnenbrille, antrainierter Kamerablick. Das Gesicht ist vor Coolness-Verstärkern zwar kaum zu erkennen. Gerade deswegen kann es aber eigentlich nur der vollberufliche Hindernis-Überquerer Hans Rey sein. “Servus!”, quetscht mir “Mister No Way” die Hand. Vor ein paar Monaten war ich ihn in Kalifornien besuchen, wo wir mit dem Wohnmobil zu den schönsten Trails zwischen Los Angeles und San Francisco gegondelt sind. Ein cooler Trip mit einem entspannten Hans Rey. Heute jedoch hat Rey keine Zeit. Termine, Termine, Termine!!!! Bevor er weiter muss, spult er schnell noch die neuesten News ab. Eine möchte ich meiner bike-kulturell interessierten Leserschaft nicht vorenthalten. Die legendären “Rads” werden nächste Woche im Rahmen der Las Vegas-Bikeshow in die Mountainbike Hall of Fame aufgenommen. Die Truppe gilt ja bekanntlich als älteste Freeride-Gang der Welt. Man kann nicht einfach Mitglied werden, sondern muss ein oft jahrelanges Aufnahmeverfahren durchlaufen. Saunette Typen mit einem Herzen voller Mountainbike-Soul. Hans Rey ist selbst auch Mitglied der Rads. Das mit der Hall of Fame wurde aber auch langsam mal Zeit. Herzlichen Glückwunsch!

www.mtnbikehalloffame.com

Wenn es einen begnadeten Mechaniker und furchtlosen Freerider in Personalunion gibt, dann ist es mein Kollege Dan Hooper. Dan schraubt im Testlabor vom BIKE-Magazin und hat zusammen mit seinem befreundeten Mountainbike-Entwickler Daniel Frick zwei schöne Rahmen unter dem Label Eaze an den Start gebracht – einen für Downhill und einen für Enduro. Der abgebildete Downhill-Rahmen heißt “Sugar”, besitzt eine Geometrieverstellung, eine integrierte Kettenführung und 230 Millimeter Federweg. Ohne Dämpfer wiegt der erstklassig gearbeitete Rahmen 3900 Gramm. Der Preis soll zwischen 2300 und 2500 Euro liegen. Mehr Infos gibt es auf der Homepage. So! Jetzt gehe ich aber wirklich mal den Stand von Kelly suchen!

www.eaze-bikes.com

Erreiche mit müden Beinen endlich den Stand von Kellys. Das Ding befindet sich aber auch wirklich in der hintersten Ecke der Eurobike. Na super! Die Aufsprühaktion sei gerade vorbei, wird mir vom Standpersonal mitgeteilt. Die körperbemalten Damen hätten sich gerade an- und in den wohlverdienten Feierabend zurückgezogen. Ich solle nächstes Jahr wiederkommen. Die Aktion laufe nämlich neuerdings immer nur an den ersten drei Messetagen (Fachbesuchertage), da es in der Vergangenheit während der Wochenendvorführungen (Normalbesuchertage) einmal zu einigen unschönen Grabschsituation durch aufgeheizte Normalbesucher gekommen sei. Also doch Sexismus! Da ich an dieser Stelle fest ein Bild eingeplant hatte, nun eben ein Foto der beiden einzig verbliebenen Modells am Stand. Nein, die Klamotten sind nicht aufgesprüht. Die lassen sich normal an- und ausziehen.

www.kellysbike.com

Schlendere weiter durch die schier endlosen Hallengänge, wo mir am Stand von Casco doch noch ein Ersatz-Foto gelingt. Die Models tragen die Schriftzüge der Firma auf Dekolleté und Unterarmen. Sozusagen eine Art Einsteiger-Bodypainting.

Alles ganz leicht. Alles aus Carbon. Alles zumindest aus rigoros befrästem Alu. Es sind wieder mal die Italiener, die mit spektakulärem Radikal-Tuning für Furore sorgen. FRM versorgt ja seit längerem die Cross-Country-Szene mit schnellen Rahmen, Gabeln und Teilen. Das Twentyniner “Galaxy” gibt es nicht als Twentysix. Dafür ist es bis auf die Schaltung und die Reifen vollbestückt mit hauseigenem Edelzubehör. Alles farblich bestens aufeinander abgestimmt. Das Rad mogelt sich mit 8200 Gramm knapp an der Schwerelosigkeit vorbei. Richtig scharf aber finde ich die Bestuhlung am Stand. So einen Thron aus Felgen und Pneus brauche ich unbedingt. Allerdings: Mit Felgen der Größe 26 Zoll.

www.frmbike.com

Donnerstag, 01. September 2011 die Zweite - Teil 3

Ach Gott, der Boden der Halle A1 ist ganz weich. Fühlt sich an als würde ich über eine Wiese aus Mäusespeck schreiten. Bin wohl leicht angetüdelt. Und das am Nachmittag! Aber die Verlockung war einfach zu groß. René Weissinger fährt Straßenrennen im Profi-Team Vorarlberg und hat eine Freundin namens Rosa. Beide lassen gerne mal einen gepflegten Tropfen Wein durch ihre Kehlen rinnen, natürlich nur in der wettkampffreien Periode. Und als René und Rosa nun eines romantischen Abends ihre schweren Bleikristall-Kelche auf die Liebe und das Leben erhoben, fiel ihnen auf, dass eine Weinflasche doch eigentlich in einen Flaschenhalter passen müsste. Und so erhoben sie die Gläser abermals, wobei ihnen – mir nichts, dir nichts – der Gedanke eines eigenen Weins kam. “René & Rosa” nennt sich die Marke und “After Cycle Wine” der Tropfen. Das Keltern übernimmt ein Geschäftspartner in Verona. Was ganz gut so ist. Denn weder René noch Rosa haben Erfahrung darin. Während der Wein nun Monat für Monat in schweren italienischen Holzfässern vor sich hinreift, baut René schon mal passende Deko-Ständer inklusive standesgemäßer Flaschenhalter. Ich kann berichten, dass der Wein vorzüglich schmeckt. Fruchtig, brombeerig, weich im Abgang. Die Flasche gibt es für 10 Euro, das Komplettset für 49 Euro. Wenn ich wieder klar in der Rübe bin, hole ich mir noch ein Gläschen. Salute!

www.renerosa.de

Geschiebe, Gedrängel, man kommt kaum durch. Die riesigen, aber angesichts der enormen Besucherzahl eben wohl doch nicht üppig genug dimensionierten Hallen, verdichten tausende Menschen zu einem riesigen Körperknäuel. Muss meine Ellenbogen offensiv einsetzen, um mich endlich zum eng bedrängelten Stand von Look vorzukämpfen. Ich hatte die neuen Rahmen schon im Internet gesehen. Aber ich will sie auf meinem Streifzug durch die unendlichen Weiten der Messehallen wenigstens einmal liebkosen. Irgendwie habe ich das Gefühl, ihnen durch sanftes Handauflegen meine grenzenlose Sympathie mitteilen zu müssen. Ach was, meine schiere Begeisterung. In den Achtzigern hatte ich meine Schulhefter neben hunderten Namen von Heavy Metal-Bands stets mit den sagenhaft formvollendeten Vorbau-Systemen der Look-Zeitfahrmaschinen bekritzelt. Konnte ich frei Hand malen. Umso feierlicher ist mir nun zumute, dass für die aktuelle Mountainbike-Linie genau diese Formsprache aufgegriffen wurde. Ich werde mir das nebenstehende Foto heute Abend in Spielfilmlänge betrachten. Eine knisternde Schallplatte von Richard Kleidermann aufgelegt. Und den Look-Ingenieuren aus der Ferne mit “René und Rosa”-Wein zuprostend.

www.lookcycle.com

Die Taiwanesen, die Chinesen und aus welchen Ländern sie noch so alles kommen: Stehen in ihren Buden, die nicht größer sind als Kleiderschränke, und warten zwischen Blinklichtern und Produktmustern auf Großaufträge. Grüble angestrengt nach über einen schneidigen Namen für meine eigene Tuning-Linie. Fände irgendwas in Richtung eines Volksmusikanten-Duos genial. So “Bernd und Rita”. “Hansi und Erika”. “Ernie und Gerd”. Oder meinetwegen auch “René und Rosa”. Okay, ich kann ja mal schauen ob das mit meinem EC-Karten-Limit inzwischen funktioniert. Falls ja, kaufe ich mindestens zehn Container und lasse das Zeug mit dem Namen meines Labels beschriften. Definitiv im Einkaufskorb werden sich die geilen CNC-gefrästen Ventilkappen mit Glitzersteinen befinden. Und bei YBN kaufe ich jede Menge bunte Ketten aus der Kollektion “Magic Colored Chains for multiple Speed”. Gibt es für 9fach und für 10fach. Okay, okay, ich verrate die Homepage. Aber nicht meine Geschäftsidee wegschnappen!

www.yaban.com

Das nenne ich mal vollste Hingabe zum eigenen Produkt: Um dem Grundrohstoff seiner Mountainbike-Rahmen nah zu sein, beziehungsweise ihm beim Wachsen zusehen zu können, zog der Amerikaner James Wolf extra nach Vietnam. Dort wartet er jetzt Jahr für Jahr im Schaukelstuhl seiner Bambus-Farm auf die kurze Ernte-Periode des Sowieso-Bambusrohrs. Die genaue Bezeichnung habe ich schon wieder vergessen. Jedenfalls ist es wohl das genialste, stabilste und seitensteifste Bambusrohr auf diesem Planeten. Man kann sie angeblich nur an wenigen Tagen im Jahr ernten. Um die Rohre zu Rahmen zusammenzufügen, werden sie per Hand mit mehr als hundert Meter langen Carbon-Fäden verschnürt, was am Ende haltbar ist und klasse aussieht. 1900 Gramm wiegt der Rahmen. Der Preis ist gepfeffert: 3990 Euro. Doch die Investition soll sich angeblich lohnen. “Das Fahrgefühl ist richtig schön sanft!”, schwärmt die präsentierende Dame, deren Namen ich mir vor lauter Staunen leider nicht notiert habe.

www.boobicycles.com

In den Ausfallenden des Bambus-Rades direkt der nächste Augenschmeichler. “AC 26 Biturbo”, heißen die Laufräder der brandneuen Schmiede Bike Ahead Components. “Biturbo!”, gurgele ich genussvoll den Namen, als wäre es Wein von “René und Rosa”. Was für eine geile Modellbezeichnung! Genug geschwafelt. Zu den Fakten: Der Würzburger Christian Gemperlein hat eine Diplomarbeit geschrieben mit dem Thema: “Entwicklung, Konstruktion, FEM-Berechnung und Bau eines CFK-Verbundlaufrades für Mountainbikes”. Alles verstanden? Nicht? Dann noch mal auf Deutsch: Bau eines geilen Laufradsatzes. Die Biturbos werden in zweiteiligen Negativ-Formen unter jeder Menge Druck ausgehärtet. Die integrierten Naben werden von Acros gefertigt. “In einem Radsatz steckt die Arbeit von 24 Stunden”, verrät Christian. Wie lange das ist, kann man mit den AC26 Biturbos demnächst bei einem 24-Stunden-Rennen austesten. Die gibt es nämlich jetzt zu kaufen, mit Felgenbett für Tubular- oder Drahtreifen. Für ruinöse 2779 Euro zwar. Dafür wiegen sie aber auch nur 580 Gramm (vorne), beziehungsweise 670 Gramm (hinten). Und ja, liebe Großradfreunde, eine 29-Zoll-Version soll auch bald in die Shops kommen.

www.ahead-composites.com

Dass sich der Sprechgesangskünstler 50 Cent alle möglichen Dinge gönnt, lassen schon alleine seine in großer Menge rasselnden Goldketten vermuten. Einen eigenen Designer hätte ich allerdings nicht für möglich gehalten. Aber so sind sie halt, die verwöhnten Porno-Rapper. Der Typ, um den es jetzt geht, ist inzwischen der Ex-Designer von 50 Cent. Er wohnt in New York. Und weil er gerne urban gestylt mit dem Fixie in die (neue) Arbeit radelt, hat er jetzt die erste Jeans für Biker erfunden. “Moment mal!”, werden schafsinnige Leser der einschlägigen Fahrrad-Jugend-Zeitschriften denken: “Amir Kabbani fährt doch auch mit Jeanshose.” Ja eben, mit einer Jeanshose! Diese Hose hier ist anders. Sie ist eine Biker-Jeanshose. “Die Gürtelschnallen sind angeschrägt, damit der Gürtel nicht im Bauch einschneidet, wenn man sich über den Lenker beugt”, moderiert Thomas Lang (Foto) vom Vertrieb Trend Wizzard die Superjeans. Das Ding scheint wirklich alles zu können. Der Schnitt ist perfekt, das Material genau richtig, man kann die Hose weit tragen, oder eng. Innen ist Alcantara eingenäht. Sogar integrierte Bügelschloss-Laschen stehen zur Verfügung! Die Hose gibt es ausschließlich in New York und nun auch Hierzulande. Ab 139 Euro.

www.trendwizzard.de

Die Italiener! Was für großartige Bastler! Eine mir bislang völlig unbekannte Firma bietet unter einem kleinen Zeltdach im Freigelände unglaubliche Sachen feil. Naben mit Gehäusen und Freilauf aus Titan zum Beispiel. Aber auch das weltweit erste Dirtbike aus Carbon und Titan. Unfassbar leichte 1400 Gramm soll der Hardcore-Rahmen wiegen, dessen Sitzrohr aus Carbon besteht, während der Rest verhältnismäßig grob aus Titan geschweißt ist. Der Knaller jedoch ist ein Cross Country-Bike in ähnlichem Design. Man kann die Ausfallenden umschrauben und sowohl Laufräder der Größe 26 Zoll, als auch 29 Zoll fahren. Twentyall, sozusagen. Den Rahmen gibt es für 1600 Euro.

www.onionbikes.com

Donnerstag, 01. September 2011 - Teil 2

“Performance trifft Exklusivität!”, schreit es weithin sichtbar von einem Werbeposter. Fühle mich direkt angesprochen und biege ab zum Stand von AX Lightness, an dessen Seitenwand das Plakat genagelt ist. Geschützt unter Plexiglas erblicke ich Wahnsinnssättel, die sich zum einen mit hauchzarten Carbon-Körpern den Gesetzen der Schwerkraft versuchen zu entziehen, zum anderen aber auch noch das noble Ambiente einer Versace-Krawatte versprühen. Leichtbau-Sättel aus Kohlefaser haben ja normalerweise das Problem einer äußerst langweilen Außenwirkung. Schwarz wie die Nacht sind sie den Geschmacksnerven meist schnurzpiepegal. So war das lange Jahre irgendwie auch bei den AX Lightness-Sätteln, auch wenn die natürlich zu den handwerklich besten auf Gottes Erden gehören. Daniel Schlegel hat die Firma Crown Saddle gegründet und veredelt nun quasi die Edelsättel von AX Lightness. Die “Herzog Eberhardt”-Edition (Foto) zum Beispiel ist mit Leder und Blattgold verziert. Blöd nur, dass mein EC-Kartenlimit bei lächerlichen 500 Euro pro Tag liegt. “Der Preis für einen Sattel liegt weit jenseits der tausend Euro. Er liegt tief im vierstelligen Bereich”, formuliert AX Lightness-Chef Axel Schnura absichtlich nebulös. Ich spüre das kurzzeitige Absacken von Blutdruck, während mir kalter Schweiß den Rücken hinunter rinnt. Muss gleich mal meinen Bankberater zusammenscheißen. Das Kartenlimit muss dringend angehoben werden. Ich kann mir von meiner EC-Karte ja nicht mal einen Fahrradsattel kaufen. Aber echt!

www.crown-saddle.com

Der Schweißausbruch muss Mitleid bei Axel Schnura ausgelöst haben. Er stopft mir die Umhängetasche voll mit Gratis-Glubschaugen. Die Dinger sind noch leichter als jedes AX Lightness-Teil, kosten gar nichts und schmecken nach Schaumzucker mit Erdbeere. Ein paar Packungen Maracuja-Apfel-Dessert in praktischer Trikottaschen-Portionierung gibt es auch noch. Ich werde also bis auf weiteres nicht an Versorgungsengpässen leiden. Bin noch eifrig mit dem Kauen eines Auges beschäftigt, als mich Schnura zur brandneuen “Engage”-Linie schiebt. Lenker, Sattelstützen, Kurbeln. Alles von Schnura und seinen Grammgeizern entwickelt, aber in Asien gefertigt. Die Kurbeln zum Beispiel hat eine heißhungrige Fräse aus Alu geraspelt. Die Arme sind an ihrer dünnsten Stelle bis auf 2,3 Millimeter abgefräst. Trotzdem sollen sie nach harten Beanspruchungen geradezu lechzen. Das Set kostet 580 Euro ohne Blätter. “Günstig für uns!”, sagt Schnura. Günstig? “Na ja, Leichtbau zum gesellschaftlichen Preis. Handelsprodukte eben, die man im Laden kaufen kann”, quält sich Schnura eine Erklärung ab. Ich übersetze mal in Klartext: Hammergeile Teile für so wenig Kohle wie möglich. Wieso wird eigentlich immer so um den heißen Brei geredet?

www.ax-lightness.de

Was mir gerade einfällt: Was ist eigentlich aus diesen Bomber-Girls geworden, mit denen Marzocchi vor Jahren so herrlich sexistisch Verkaufsförderung betrieben hat? Der pubertierenden Hauptzielgruppe war bei jeder Eurobike der Sabber auf die neonbeschnürsenkelten Freeride-Schuhe getropft, wenn die geradeso gekleideten Marketing-Maßnahmen ihre Silikonbrüste in die Kameras hielten. Es hat sich nicht geändert, denke ich, als ich am Stand von Marzocchi eintreffe. Was jedoch eine völlige Fehleinschätzung meinerseits ist. In Wirklichkeit bin ich nämlich Zeuge eines Revivals. Nach vielen Jahren Sabber-Abstinenz gibt es zum ersten Mal wieder ein Bombergirl zu bewundern. Der Versuch, das Beast mit Hilfe des Autofokus abzulichten, scheitert gnadenlos. Ich bekomme das Gesicht nicht scharf. Immer stellt die Kamera einen halben Meter vorher scharf. Auf das Marzocchi-M, dass sich auf einem strapazierten Spaghetti-Oberteil sehr weit dem Betrachter entgegen wölbt.

“Hi, ich bin die Nici”, streckt mir das Gabel-Luder eine ihrer manikürten Hände hin. Ich versuche mit aller Gewalt meine Augen auf Augenhöhe zu halten. Irgendwas lenkt meinen Blick mit enormer Kraft nach unten. Es müssen die massiven Tauchrohre der Gabel in Nicis Händen sein. Sind aber auch zwei fette Oschis, mein lieber Scholli. 2001 und 2002 sei sie schon einmal Bomber-Girl gewesen, erzählt Nici. Vor ein paar Wochen habe sie dem Marzocchi-Marketing-Mann auf Facebook “kontaktet”, woraufhin sie auch prompt wieder als Messe-Luder engagiert worden wäre. “Scheiße!”, denke ich: “Verdammte Scheiße, wo zum Teufel bekommt man so eine geile Leggins her? Mit Frontschnürung!” Die Dinger sind definitiv schärfer als jede Radhose und gleichzeitig richtig gut belüftet. Sollte Marzocchi ins Zubehör-Programm aufnehmen. Unbedingt!

www.cosmicsports.de

Ich schaue etwa eine Minute lang einem Mann mit Überwurfscheitel und Schnauzbart beim Wurstessen zu, traue mich aber nicht, ihn anzusprechen. Meine Güte, das letzte Mal war ich so aufgeregt, als ich Bianca Mutzenbach in der Diskothek “Blue Moon” zum Engtanz aufgefordert habe. Alle Momente zusammenaddiert, die ich wegen dem Überwurfscheiteltypen in schlafloser Unruhe verbracht habe, ergeben mindestens fünf Monate. Es ist Chris King, der Steuersatz-Künstler. “Häh? Steuersatzkünstler?”, werden von der Zunge des Wissens Ungeküsste jetzt raunen. Aber dann kennen sie wahrscheinlich nicht die frühen Mountainbike-Jahre, in denen die Lebenserwartung von Steuersätzen in Tagen gezählt wurde. Natürlich nicht die Lebensdauer eines Chris King-Steuersatzes, denn die lang vor zwanzig Jahren schon im Bereich von lebenslang. Man kauft sich kein Bike und baut sich einen Chris King-Steuersatz ein. Man kauft sich einen Chris King-Steuersatz und entscheidet dann, welche Teile würdig genug sind, zusammen mit diesem Stück Herrlichkeit über die Trails zu bohren. Angeblich hat Chris King noch nie europäischen Boden betreten. Es gibt auch so gut wie keine Fotos von ihm. Und nun steht er mit lässig überkreuzten Beinen in Friedrichshafen vor mir und stopft Wurst in sich rein. Wie surreal ist das denn, bitteschön? Durchatmen, Schweiß von den Handflächen wischen. “Hey Chris, warum warst Du noch nie in Europa?”, frage ich. Er guckt mich an, sagt nichts. Dann: “Zu viel Stress. Aber es ist schön hier zu sein.” Was für ein feierlicher Moment. Zum nächsten Geburtstag wünsche ich mir übrigens die Chris King-Steuersatz-Torte (Foto). Vielleicht kann das ja mal jemand diskret meiner Freundin stecken.

www.cosmicsports.com

Man liest ja neuerdings ständig über Mondfahrten, die man als Normalsterblicher demnächst unternehmen kann, statt Ägypten-Urlaub. Surly hat sich schon mal für die intergalaktische Reisewelle gewappnet. “Moonlander”, nennt sich folgerichtig das ganz sicher fetteste Mountainbike der Messe. Das Ding walzt mit 4,6er durch jeden Mars-Krater, die dafür nötigen Felgen sind 100 Millimeter breit. Die Blasen, die sich aus den Felgen wölben, stammen von den Felgenbändern. Die sind dick wie Yoga-Matten und halten die Schläuche in den gelochten Felgen da, wo sie hingehören. Das Gewicht ist zum Glück völlig egal, denn auf dem Mond herrscht ja bekanntlich Schwerelosigkeit. Stelle mir nur kurz vor, welches körperliche Leid eine Fahrt zum Bäcker wohl verursacht, wenn es sich um ein Backwarenfachgeschäft auf dem Planeten Erde handelt. In der 29-Zoll-Version würde man wahrscheinlich schon nach zehn Kurbelumdrehungen mit Herz-Kreislauf-Versagen vom Rad fallen. Aber keine Panik. Das “Moonlander” gibt es nur in 26 Zoll.

www.surlybikes.com

Schleppe mich mit schwindenden Kräften raus auf das Freigelände, wo ich mich als Opfer einer Sinnestrübung wähne. Mein reizüberflutetes Gehirn will in dem Typen vor mir Schweißnaht-Artist Jeff Jones erkennen. Was ja eigentlich nicht sein kann. Denn der modelliert ja bekanntlich in Medford/ Oregon exzentrisch aussehende, aber unfassbar grandiose Rahmen-Kunstwerke, oder fährt tagelang mit einem seiner exzentrisch aussehenden, aber unfassbar grandiosen Mountainbikes durch in Ruhe gelassene, amerikanische Weite. Der Typ dreht sich um. Ich werde verrückt. Er ist es! Jeff Jones hat den wahrscheinlich größten Stand der Eurobike. Die ganze Messe ist sein Stand. Er geht einfach überall rum und wer ihn auf sein exzentrisch aussehendes, aber unfassbar grandioses Titan-Bike anspricht, ist auch schon mittendrin in einem netten Gespräch. Ich lerne: Ein Fullsuspension braucht keine Gelenke und Dämpfer, wenn man es nur exzentrisch aussendend genug, aber unfassbar grandios konstruiert. “Federt wirklich gut”, sagt Jones und drückt auf den Sattel, woraufhin der Hinterbau des Twentyniners tatsächlich sichtbar Federarbeit leistet. Die ebenfalls leicht federnde Gabel ist ein Sahnestück für sich. Klickt auf jeden Fall mal auf die Homepage. Jeff freut sich sicher.

www.jonesbikes.com

Alles bunt am Stand von Leichtkraft. Schrauben, Felgen, Sattelstützen – kein Teil, das es nicht mindestens in allen Farben gibt. Falls mein Bank-Fuzzi die Sache mit meinem EC-Karten-Limit endlich geregelt bekommt, werde ich den ganzen Stand leer kaufen. Die Frage ist nur: Wie bekomme ich das ganze Zeug nach Hause transportiert? Da schweifen meine Augen just in diesem Augenblick zur Taschen-Kollektion der Firma Re-Cycles, die ebenfalls am Stand ausgestellt ist. “Hammer!”, denke ich. Vor allem das Modell “Korb” hat es mir angetan. Eine Einkaufstasche aus vier Race Kings in Marathon-Breite 2.2! Mit Henkel. Taschenschneiderin Catarina drückt mir die Tasche für einen kurzen Funktionstest in die Hand. Das Ding hängt definitiv griffig am Arm, auch in Kurven und in steilem Gelände. Auf die Idee, Taschen aus Reifen zu bauen, kam die fotoscheue Catarina übrigens als Schülerin. “Ich brauchte damals eine Tasche, hatte keine Kohle, dafür aber jede Menge alte Reifen. Wie das halt so ist, wenn man Mountainbiker ist.” Die in der Tasche verarbeiteten Reifen haben übrigens noch nie einen Krümel Dreck gesehen. Umso erstaunlicher ist der Preis: Um die 50 Euro. Wie gesagt, verarbeitet wurden vier Race Kings!

www.re-cycle-bag.de

Eine Welle tiefer Depression durchfährt mich. Begehe gerade den Stand von BrakeForceOne. Fühle mich als Versager. Als Chancen-Vertuer. Als Nichts. Bin 39 Jahre alt und vor mir steht ein gerade mal Achtzehnjähriger, der von der internationalen Presse als Innovations-Feuerwerker angehimmelt wird. Ständig kommen Fotografen angehechelt. Auf zwei Flachbildschirmen flimmert in Endlos-Schleife ein aufgezeichnetes Interview mit Tune-Chef Uli Fahl, der Lobeshymnen auf den Burschen anstimmt. Die Scheibenbremse des Heranwachsenden ist wohl das geilste Teil in diesen Hallen. Sagt Uli Fahl. Sagen viele Besucher. Sagt auch der Achtzehnjährige. “Weltneuheit! Innovationssprung bei Scheibenbremsen!”, steht im Info-Blatt. Was keinesfalls gelogen ist. Ein in der Bremszange integrierter Bremskraftverstärker soll entspanntes Ein-Finger-Bremsen ermöglichen, während die Bremse in jeder Situation brutal zupackt. Die Geschichte des Achtzehnjährigen aber ist die eigentliche Sensation. “Ich war Dreizehn, als ich in Frankreich am Strand lag, wir waren damals dort im Urlaub. Plötzlich hat es Klick gemacht, wie man eine Scheibenbremse noch besser machen kann”, sagt der Achtzehnjährige, der Jakob Lauhoff heißt. Er habe schon immer Teile gepimpt, erzählt Jakob weiter, als plötzlich Hektik aufkommt. Der weltberühmte Fahrtechnik-Künstler Danny MacAskill ist mit seinem aufgeregten Manager gekommen, um sich die neue Wunderbremsen anzuschauen. Als Reporter muss man MacAskill ausdauernd mit Mails bombardieren, um eventuell irgendwann in den nächsten fünf Jahren einen Interview-Termin zu bekommen. Und jetzt kommt er her, um Jakob anzuhimmeln. Das gibt es ja alles gar nicht!

www.brakeforceone.com

Mittwoch, 31. August 2011 - Teil 1

Ich muss zweimal hinschauen. Doch, er ist es! Mountainbike-Pionier Joe Breeze hat zwar schnelle Carbon-Flitzer unter eigenem Namen am Stand, kommt aber die zwölf Kilometer vom Hotel zur Messe mit einem Sekretärinnen-Rad der Marke Staiger geradelt. „Gestern auf dem Demo Day saß ich den ganzen Tag auf harten Rennradsätteln. Dieser Sattel hier ist eine Wohltat!“, schwärmt Breeze und klickt aus den extra angeschraubten Klickpedalen. Was für ein großartiger Moment, denke ich.

Eine schöne Alternative zum Sekretärinnen-Staiger, um noch kurz beim angeschnittenen Thema urbane Mobilität zu verharren, haben die Rohrzieher von Tange unter das Halogenlicht gestellt. Das „Impetus“ bohrt sich asphaltnah durch den Fahrtwind, dürfte die Bandscheiben aber schnell zum Knirschen bringen. Die Griffstangen wachsen mittig aus den Gabelscheiden. Leider konnte die Frau am Stand nicht sagen, ob das so in Serie kommt. Hier werde ich in jedem Fall noch mal vorstellig um ein bisschen Druck auszuüben.
www.tange-design.com

Wie viele Tonnen Unzufriedenheit müssen wohl auf den Niederländern der Titan-Schmiede Van Nicholas lasten, damit sie ihre ohnehin schon makellosen Rahmen ständig noch perfekter machen? Das “Tuareg” steht da wie eine Skulptur. Das Firmenlogo wurde mal eben dreidimensional aus Titan ausgeschnitten und zwischen Hinterbau-Streben und Sitzrohr geschweißt. Soll angeblich Komfort bringen. Das Oberrohr hat im Vergleich zum Vorjahresmodell zum Sitzrohr hin etwas mehr Profil bekommen. Das untere, superfette 1.5-Zoll-Steuerlager kontrastiert die elegante Gesamtoptik. 1500 Euro gehen für den Rahmen mehr als okay. Ich bin verliebt und mache ein Foto für den Spind.

www.vannicholas.com

Wundere mich gerade über die zahlreich vorhandenen Mountainbikes mit merkwürdig großen Rädern, während ich meine Hüften im Takt von Public Enemy’s „Don’t believe the Hype“ wiege, das mir aus Ohrstöpseln in die Ohren flutet. „Don’t believe the Hype! Don’t believe the Hype!“, stimme ich in den Chor von Flavor Flav und Chuck D. ein. Die Knie federn im Takt, die Hose hängt unter der Hüfte. Fette Beats, yeah! Hatte mir eigentlich vorgenommen, diesen so genannten und mich voll mit Groll erfüllenden 29-Zoll-Trend zu ignorieren. Quasi als eine Art Protest, angeführt von meinem Geschmacksnerven. Doch ich ahne, dass ich dann: Erstens, wenig zu schreiben hätte. Und zweitens, das globale Fahrrad-Business mir Markt-Manipulation im großen Stil vorwerfen würde. Habe einen Deal mit meinen Geschmacksnerven vereinbart. Zähne zusammenbeißen. Und als Belohnung jede volle Stunde einmal am Stand von Ritchey das sagenhafte „P Team“ streicheln.

Ich muss ja zugeben, dass Gegenstände bei mir selten einen Liebkosungsreflex auslösen. Ich finde es eher gruselig, wenn Leute eine Art intime Beziehung zu Dingen pflegen. Bei dem “P Team” hier kann ich derartiges Handeln aber verstehen. Exzellent ineinander verschmelzende Ritchey Logic 2 Rohre, integrierte Steuersatz-Lagerschalen, Buckelhinterbau in innen liegender Bremssattel-Aufnahme. Mit knapp zwei Kilo zwar nicht sonderlich leicht, aber eine Anschaffung für das Leben. Ja, schon gut. Ein 29er gibt es auch. Ähnlich konstruiert, aber mit Schlittenausfallenden. Das Foto ist aber leider nichts geworden.

www.ritcheylogic.com

Eile gerade zu einer sich mehr und mehr ballenden Menschenmasse, als mir zwei Zwitterwesen aus Unterwäschemodells und Stallhasen den Weg verbauen. Ich soll das neue Playboy-Bike aufregend finden. Der Versuch, den patentierten, weltneuen, revolutionären, verschleißlosen Antrieb mit Blue Tooth-Übertragung von Kurbel zu Hinterrad abzulichten, scheitert. Die Zwitterwesen versperren mir mit vollem Körpereinsatz die Sicht. Angeblich seien die Patentrechte noch nicht final abgeklärt. Ist natürlich Quatsch.
www.ciclimbm.it
 

Ich biege in die rustikale Hütte von Syncros, wo ich Marathon-Star Bart Brentjens erblicke. Der Holländer informiert sich über schnelles Zubehör. Schließlich will er mit seinem Milka-Trek-Team im nächsten Jahr wieder massenhaft Pokale einfahren. Leichte 273 Gramm wiegt beispielsweise die neue Lenker-Vorbau-Kombi aus Carbon. Zu den Preisen wollte sich der Syncros-Mann noch nicht äußern. Auch sei die Frage des Deutschland-Vertriebs noch nicht abschließend geklärt.
www.syncros.com
 

Und da wären wir auch schon angekommen im tiefsten Winkel der Bastler-Ecke. Das FM Bike ist so liebenswert und detailverrückt gebaut, dass ich dafür gerne mal meine 29-Zoll-Phobie abwerfe. Handarbeit, und zwar alles! 6680 Gramm wiegt die Karre mit allem Pipapo. Zur Ausstattung gehören unter anderem ein Pumpenhalter und eine irre windschnittige Lenker-Vorbaueinheit. Von vorne betrachtet sieht das Ding am besten aus. Bei Uphill-Rennen werden die Gegner aber wohl eher nur den hauchdünnen, zwischen den Sitzstreben platzierten Spoiler sehen, der dem Hinterrad den nötigen Anpressdruck beschert. Der letzte Teil des letzten Satzes ist natürlich reine Vermutung. www.fm-bike.com

Stehe voller Demut vor dem vielleicht am perfektesten ausgeformten Kohlefaser-Rahmen. Frage mich jedes Mal, warum nicht jeder Mountainbiker mindestens ein Scapin im Wohnzimmer hängen hat. Und zwar in einem golden glänzenden Barockrahmen. Die Italiener fertigen seit Ewigkeiten bezahlbare Rahmenkunstwerke, doch in Deutschland sind sie äußerst selten. Der Murdok ist nicht wirklich neu, besitzt nun aber Postmount-Sockel und Ausfallenden aus Carbon. Die Züge sind selbstverständlich komplett durch den Rahmen verlegt. Bei so was machen Italiener keine halben Sachen. 1150 Gramm wiegt der Rahmen, mit Sitzdom. Das soll ich unbedingt dazu schreiben, hat der Italiener am Scapin-Stand gesagt. Preis: 1800 Euro. Leider nicht in 29 Zoll.

www.scapin.com

Meine Augen zucken in alle Richtungen. Völlige Reizüberflutung, ausgelöst von einem einzigen Fahrrad. Axevo importiert erlesenes Tuning-Zubehör nach Italien und hat sich von Rewel ein Titan-Bike schweißen lassen. Fette Steuerlager, durch eine Muffe führendes Mega-Sitzrohr, feine Ausfallenden. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Den gedengelten Titansattel muss ich mir unbedingt bestellen. Damit kann man prima Nägel in Stahlbetonwände einschlagen. Bei der komischen, einarmigen Parallelogramm-Gabel (100 mm Federweg) bin ich mir nicht so sicher. Das Teil ist ein Einzelstück des italienischen Cannondale-Importeurs. Ob es die Gabel in Serie geht, haben die Axevo-Jungs Giorgio und Paolo mir zwar erzählt. Allerdings auf Italienisch. Ich habe kein Wort verstanden.

www.rewel-bikes.com

In Karlsruhe sitzt eine meiner Lieblings-Marken, schon weil ich den Zusatz im Firmen-Namen so geil finde: “Fixie Inc. – Cycles for Heroes”. Bisher haben sich die Fixie Inc.-Burschen Recep und Holger (Foto) mit durchgestylten Kurierfeilen und Cross-Rädern aus dem Einheitsbrei geschält. Nun rollen sie ein Mountainbike an den Start. Das “Twin Flame” leuchtet Acidgrün und besitzt hübsche Ausfallenden, was ich bei Fahrrädern immer ganz wichtig finde. Der Bremssattel wird innen montiert, für die verstellbare Sattelstütze steht sogar eine extra Kabelführung bereit. Und jetzt kommt es: Das Bike gibt es bis Größe S nur in 26 Zoll und ab Größe M nur in 29 Zoll. Was kostet eigentlich eine chirurgische Beinlängenverkürzung? Muss ich mal googeln. Der Preis für das Twin Flame beträgt jedenfalls 2990 Euro. X.9-Gruppe, Reba-Gabel und Naben in Rahmenfarbe sind dann natürlich dabei.

www.cycles-for-heroes.com
 

Alle Video-Clips zur EUROBIKE finden Sie im BIKE Eurobike Channel ->

Alle Meldungen von der EUROBIKE finden Sie im Bereich Test und Technik -> Neue Produkte

Das Crema-Logo strahlt farbig auf mattem Titan.

Poduano hat das durchgehende Sitzrohr erfunden. Und bleibt ihm auch beim X12 treu.

Standesgemäß zum Brötchenholen: Poduano-Chopper.

Tollwut baut radikale Getriebe-Freerider.

Mario Sillack verkauft bezahlbares Titan unter dem Namen Punch Cycles.

Mit dem Biciclista-Trikot ist das Erfrischungsbier immer dabei, virtuell.

Aus Holz geschnitzt? Die Rigida-Felge sehen nur so aus.

Coole Bommel-Trachten-Helme.

Downhillerin Antje Kramer will es noch mal wissen.

Wiederbelebter Kultsattel „Concor“ mit Street Art-Deko.

Da spielt die Musik: Fanny Rybarsch auf rollender Disco-Anlage.

Colnago rollt einen Twentyniner aus Alu an die Startlinie.

Stijn Deferm mit seinem Twentyniner voller schöner Details.

Das Oberrohr des Stijcycles ziert ein chromblitzender flämischer Löwe.

Dem Stijncycles reicht ein einziges Kettenblatt. Die Führung hält die Kette im Zaum.

Unique Bicycles verschweißt Stahl zu wunderschönen Kurbeln.

Ken Bloomer mit neuer Crema Cycles-Trail-Rakete.

Das Tapered-Steuerrohr des Crema Cycles mit 1,8- und 1,5-Zoll-Lager.

Die Quatschmusikanten Rock und Rollinger.

Freeride-Held zu Besuch auf der Eurobike: Hans „No Way“ Rey.

Dan Hooper und Daniel Fricke präsentieren den Downhill-Rahmen ihres neuen Labels Eaze Bikes.

Weder lebendig, noch angesprüht: Kelly-Models.

Bodypainting für Einsteiger: Casco-Damen mit beschriftetem Dekolleté.

Acht Kilo für die Rennstrecke: FRM Galaxy 29.

Thron für Tuning-Könige: Möbel am FRM-Stand.

„After Cycling Wine“ für stilvolles Après-Biken.

Perfekte Linienführung am neuen Look.

Ventil-Kappen mit Glitzersteinchen.

Antriebsstrang in kunterbunten Farben.

Hingucker: Bambus-Bike mit brandneuen Biturbo-Laufrädern.

Thomas Lang von Trend Wizzard mit waschechter Radler-Jeans.

Onion präsentiert das erste Dirtbike aus Carbon und Titan.

Twentyall: Dank Spezial-Ausfallenden lassen sich im Onion-Bike Laufräder in 26 und 29 Zoll fahren.

Gegen Fettfinger gesichert unter Glas: Crown Saddle veredelt Edelsättel, gerne mit Blattgold.

Axel Schnura macht Stielaugen - und isst sie auf.

Leicht, geil, bezahlbar: Engage-Kurbel, made by AX Lightness.

Leggins mit Front-Belüftung: Bomber-Girl Nici führt alte Traditionen fort.

Chris King, der Steuersatz-Künstler.

Chris-King-Steuersatz-Torte. Oder: Feuchter Traum.

Alles andere als schwerlos: Das Surly Moonlander mit Angeber-Reifen.

Gelochte Giga-Felge.

Fully ohne Klimmbimm: Der Twentyniner von Jeff Jones federt auch ohne Dämpfer.

Hängt griffig am Arm: Re-Cycle-Tasche aus Race Kings.

Die Krönung: Danny MacAskill klopft Bremsenerfinder Jakob Lauhoff die Schulter.

Joe Breeze im Wellness-Rausch.

Dem Asphalt nah: Streckbank von Tange mit Hörnerlenker.

Titan in Vollendung: Das Tuareg von Van Nicholas.

Komfort? Logo! Van Nicholas veredelt das Tuareg sogar mit einem Komfortlogo.

Schlanke Linie, Charakter-Hinterbau: Das Ritchey P Team räkelt sich mit Traumkörper aus der Masse.

Hasenfrauen mit Hasenrad: Playboy-Rad für Großstadt-Prolls.

Marathonstar Bart Brentjens auf der Suche nach schnellen Produkten.

Leichte Kombi: Syncros präsentiert ein schickes Carbon-Cockpit.

Sechs Kilo bis zur Schwerelosigkeit: Beim Thema Leichtbau beschreitet FM Bike einen konsequenten Weg.

Keine halben Sachen: Das Scapin Murdok besteht komplett aus Carbon.

Das Axevo made by Rewel trotzt jeder Norm. Die Besitzer Giorgio und Paolo sind mächtig stolz.

Nicht bequem, aber hübsch: Der Sattel des Rewel/Axevo ist ein Einzelstück.

Holger von Fixie Inc. schultert das Twin Flame in bester Crosser-Manier.

Henri Lesewitz am 31.08.2011