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BIKE besucht... Magura

Aus Tradition bissig

Stefan Frey am 28.03.2017

Im beschaulichen Bad Urach wurde einst nicht nur die Brezel erfunden. Die findigen Schwaben ertüftelten die erste hydraulische Felgenbremse. Heute fertigt Magura Bremsen aus Hightech-Polymeren.

Aufgepasst, Geschichtsstunde: Wer Magura bisher nur mit grellgelben Fahrradbremsen verbunden hat, darf jetzt mal aufhorchen. Freunde des motorbetriebenen Zweiradsports werden es längst wissen – Magura hat 1923 mit Gasdrehgriffen für die ersten BMW-Motorräder angefangen. Zuvor hat der Tüftler und Firmengründer Gustav Magenwirth aus dem beschaulichen Bad Urach an Gasmotoren für Benz mitentwickelt. 1893 entstand so aus den Worten Magenwirth und Urach – na was wohl – Magura. Das gelbe Firmenlogo zeigt nicht etwa ein großes M, sondern eine stilisierte Zahnstange. Das Urprodukt. Die Zacken wurden mit den Jahren immer weiter wegrationalisiert. Erst neun, dann fünf und heute bleiben eben noch drei.

Magura Zahnstange

Damit hat alles angefangen. Zahnstangen-Getriebe waren eines der ersten Produkte der Schwaben.

Magura Hebel

Firmengeschichten zum Anfassen: Auf dem Speicher lagern Griffe und Hebel aus nahezu einem Jahrhundert. Nächstes Jahr wird Magura 125 Jahre alt. 

Fahrrad findet bei Magura übrigens erst seit 1987 statt. Damals, als die alten Cantilever-Bremsen noch teigig an den Felgen lutschten wie weichgekochte Pasta, brachten die Schwaben eine wahre Bremsen-Sensation auf den Markt. Bissfest und auf den Punkt dosierbar. Die hydraulische HS33 war das Non-Plus-Ultra unter den Felgenbremsen. Mit der Scheibenbremse Gustav M setzte Magura 1996 dann noch eins obendrauf. Der Schwaben-Anker war über Jahre an Bremskraft nicht zu übertreffen.

Magura MT7

Alt und neu: Im Hintergrund der Magura-Klassiker Gustav M. Vorne ihr Nachfolger MT7. Von 1961 bis 1967 fertigte Magura übrigens die Tankanzeigen für den VW Käfer.

Magura kleinste Bremse

Die kleinste Magura-Scheibenbremse ist nicht einmal Handteller-groß. Eingesetzt wird sie an Verbrenner-Motor-Modellautos im Maßstab 1:5.

Wer heute das alte Werksgebäude betritt, staunt nicht schlecht: außen ein trostloser 50er-Jahre-Bau, innen herrscht durchgestylte Büro-Atmosphäre. Vor ein paar Jahren haben sich die Schwaben quasi neu erfunden und fertigen seit 2011 komplette Bremsgriffe aus Carbotecture, einem Hightech-Kunststoff aus streng geheimer Rezeptur. Einzigartig in diesem Bereich. Das mussten wir uns natürlich ansehen. Dafür müssen wir rauf auf die Schwäbische Alb. Zehn Kilometer von Bad Urach entfernt steht in Hülben Maguras Kunststoff-Produktion. Zur Montage geht es dann fünfzehn Autominuten weiter nach Hengen. Von hier aus finden die Hightech-Stopper ihren Weg in die Welt hinaus.

Gewinnspiel: Hol Dir einen Satz limitierter Magura MT7 Danny MacAskill!

Magura MT7 Danny MacAskill

Wir verlosen einen Satz der streng limitierten Danny MacAskill Signature-Bremse. Der 4-Kolben-Anker im poppigen Racing Gelb verzögert zuverlässig selbst im steilsten Gelände. Beim HC3-Hebel, eine komplette Neuentwicklung, lässt sich über den Ratio Adjust das Übersetzungsverhältnis und somit die Dosierbarkeit perfekt einstellen. Soviel Exklusivität hat ihren Preis: schlappe 699 Euro ist die MTB-Bremse wert.

BIKE 5_2017 Cover

BIKE 5/2017 – ab 4. April am Kiosk, in der BIKE-App und als digitale Ausgabe erhältlich.

Die komplette Magura-Reportage – den dritten Teil unserer Made in Germany-Serie – lesen Sie in BIKE 5/2017 – ab 4. April am Kiosk. Die komplette Ausgabe können Sie auch in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder im DK-Shop bestellen:

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Fotostrecke: So entsteht eine MTB-Bremse bei Magura

Spritzgusswerk Magura

Dicke Luft: Im Kunststoffwerk in Hülben heizen 45 Spritzgussmaschinen die Luft auf karibische Temperaturen. Hier entstehen nicht nur Bremshebel, Bremszylinder und HS33-Beläge, sondern auch Teile für den Motorrad-Bereich und andere Industrie-Sparten. Die Mitarbeiter machen übrigens nicht gerade Mittagspause, ein Großteil der Produktion läuft hier vollautomatisch ab. 

Rohstoff Bremsenherstellung

In großen Säcken stapelt sich das Ausgangsmaterial für die Bremsgriffe. Hier wird nicht wie bei anderen Herstellern Aluminium geformt oder gefräst. Bei Magura entstehen die Bremsarmaturen aus Kunststoff. 

Carbotecture Rohmaterial

Schwarzes Gold: Carbotecture nennt Magura das Gemisch aus Hightech-Polymeren und Carbonfasern. Bisher ist es keinem anderen Hersteller gelungen, Carbonfasern in das Spritzgussverfahren einzubinden. Greift man in den Sammelbehälter, kratzen die Carbonfasern spürbar in der Handfläche. 

Magura Granulatbahnhof

Bevor das Granulat verarbeitet werden kann, muss dem Material das Wasser entzogen werden. Das passiert in großen Trocknern. Danach werden die Körnchen über den Granulat-Bahnhof, einem undurchblickbaren Geflecht aus Rohren und Leitungen, zu den Spritzgussmaschinen befördert.

Spritzgussmaschine

Das Granulat rieselt in die mannshohen Maschinen und wird dort auf 280 Grad erhitzt. Danach ist es flüssig wie heißer Pudding und wird mit lautem Zischen und Pusten bei drei Tonnen Druck in die Formen eingespritzt.  

Magura Bremszylinder

Wenn sich die Form mit einem letzten „Zisch“ wieder öffnet, sind die Teile bereist auf 150 Grad abgekühlt und purzeln noch heiß aufs Förderband. Übrigens: sämtliche Spritzgussteile benötigen keinerlei Nachbearbeitung. Die Oberflächen sind glatt wie eine frisch gemachte Eislauffläche. Sämtliche Gewinde werden schon in der Form eingespritzt – ein Riesen-Aufwand und höchst kompliziert. 

Magura Bremshebel

Griffe, Zylinder, Kolben: es gibt kaum ein Teil am Bremshebel, das sich nicht aus Carbotecture formen liese. Dabei sind die Fahrradteile geradezu lächerlich einfach, verglichen mit den hochkomplexen Bauteilen aus anderen Sparten.

Magura Hochlager

Der Weg vom Spritzgusswerk zur Montage in Hengen dauert kaum mehr als zehn Minuten. Hier werden sämtliche Teile, die für die Bremsmontage benötigt werden, erstmal im Lager einsortiert. 70000 der blauen Kisten sind bei Magura im Umlauf. Baustoff für tausende neuer Bremsen. Wer genau hinsieht, erkennt links oben eine magenta-farbene Box. Darin werden ausschließlich Teile für BMW aufbewahrt. Die Münchner bekommen nicht nur hier eine Sonderbehandlung.

Einzelteile MT8

Der Klassiker HS33 kann bei Magura mittlerweile vollautomatisch von Montagerobotern zusammengebaut werden. An dieser Station warten jedoch Kleinteile einer MT8 darauf, von Hand zusammengesetzt zu werden. Die vielen kleinen Einzelteile würden eine maschinelle Montage unrentabel machen. 

Hebel-Montage

Die aktuellen Scheibenbremsen von Magura bestehen zu mehr als 50 Prozent aus Hightech-Kunststoff. Allerdings nur am Bremsgriff. Das Gewicht, das hier eingespart wird, investiert Magura dann am Bremssattel, um die Bremsen noch standfester und leistungsstärker zu machen. 

Magura

Nachdem Griff, Leitung und Bremssattel miteinander verbunden sind, müssen die Bremsen noch befüllt werden. Das erledigt bei Magura mal wieder – ganz genau – eine Maschine. Fotografieren durften wir die Eigenentwicklung leider nicht. Streng geheim. Nur soviel sei verraten: mit wenigen Robotergriffen werden die Bremsen hier mit Hydraulikflüssigkeit befüllt und gleich noch auf ihre Funktion hin überprüft. 18 Jahre dauerte es, bis man endlich auf dem heutigen Stand der Automatisierung angekommen war. Unfassbar. 

fertige Bremsen

Schön aufgerollt liegen die fertigen Bremsen dann in der Versandschachtel. Ohne helfende Hände geht das leider nicht – die Maschinen würden sich mit den störrischen Bremsleitungen verheddern.

Magura - Made in Germany

Ab geht die Post. Von Hengen aus werden die Schwabenstopper in die ganze Welt verschickt. Auf das Siegel „Made in Germany“ ist man bei Magura besonders stolz.

 

Gewinnspiel: Hol Dir einen Satz limitierter Magura MT7 Danny MacAskill!

Stefan Frey am 28.03.2017
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