Tom "Pro" Prochazka - Whistler Trail-Bauer Tom "Pro" Prochazka - Whistler Trail-Bauer

Interview mit Tom "Pro" Prochazka - Whistler Trail-Bauer

Ich will die Alpen zum Bike-Eldorado machen

Florentin Vesenbeckh am 03.01.2018

Tom „Pro“ Prochazka hat den Bikepark Whistler zum Sehnsuchtsort für Biker aus aller Welt gemacht. Jetzt wird der Trail-Bauer auch in den Alpen aktiv. Dürfen Biker vom neuen Paradies träumen?

"Ohne gebaute Bike-Strecken wäre der Sport niemals dort, wo er jetzt steht. Biken ist Mainstream geworden." (Tom "Pro" Prochazka)

Du giltst als Meister Deiner Zunft. Wie wird man zum bekanntesten Trail-Bauer der Welt?
Für mich ist Trail-Bauen wie Kunst. Du schaust dir einen anderen Künstler an und denkst dir: "Cool, das gefällt mir." Dann schaust du zum nächsten und entdeckst etwas, dass dir vielleicht nicht so gut gefällt. Inspiration eben.

Das ist alles?
Dazu kommt natürlich das Handwerk: Wie nutze ich das Gelände? Was ist Erosion? Was passiert, wenn tausende Biker über diese Stelle fahren werden? Das muss sitzen. Da gibt es dann schon einen Unterschied zur Kunst: Es gibt einfach gut angelegte Trails, und Trails die nicht funktionieren, weil sie nicht so gut gemacht sind.

In den Alpen gelingt das anscheinend nicht so gut, denn Biker schauen neidisch nach Kanada. Als die Nachricht aufpoppte, dass das berühmte Freeride-Festival Crankworx nach Innsbruck kommt und Du Trails im Bikepark baust, träumten viele von einem Whistler 2.0.
Das kann ich nicht mehr hören. Da gibt’s nur eine Antwort: Versuche niemals, Whistler zu kopieren. Das ist unmöglich. Setze auf deine eigenen Stärken, denn jede Region ist einzigartig.

Innsbruck ist bisher eher durch seine heikle Wegerechtssituation aufgefallen. Wie können wir uns die neue Bike-Hochburg denn vorstellen?
Was dort in Zukunft passieren wird, ist schwer zu sagen. Wir müssen das langsam angehen, erst mal einen Trail fertigstellen und dann weitersehen. Wir hoffen, dass wir so die Offiziellen und Einheimischen von dem Projekt noch mehr begeistern können.

Tom "Pro" Prochazka - Whistler Trail-Bauer

Tom "Pro" Prochazka

Wo stecken die Probleme?
Ich würde nicht von Problemen sprechen, das sind normale Herausforderungen. Wir müssen uns mit Jägern, Naturschützern und der Stadt abstimmen. Da kommt einfach ein ganzes Paket an Aufgaben zusammen. Das hat dazu geführt, dass wir nicht wie geplant im April mit dem Bau anfangen konnten.

Wie geht’s jetzt weiter?
Wir können erst mal nur einen Trail bauen, nicht drei, wie wir es bei einem neuen Park in Amerika sonst machen. Ich warte aktuell auf das Go, dass wir mit dem Buddeln anfangen können.

Für einen Trail-Bauer aus der Wildnis Kanadas ist es wahrscheinlich nicht leicht, sich mit Papierkram rumzuschlagen.
Na ja, als wir damals in Whistler angefangen haben, haben wir einfach Trails in den Berg gegraben. Inzwischen müssen wir auch in Kanada offizielle Stellen in die Planung mit einbeziehen. Mountainbiken ist Mainstream geworden, deshalb muss auch der Trail-Bau verantwortungsvoller ablaufen. Aber hey, das macht uns zu besseren Trail-Bauern.

Amerika oder Europa – wer hat die besseren Trails?
Ich kenne die Alpen kaum. Aber eine Sache ist mir aufgefallen: Das Gelände ist sehr steil. Es wird versucht, Trails in Hänge reinzudrücken, die dort nichts zu suchen haben. Die sind dann kaum zu pflegen und oft mit gefährlichen Sprüngen gespickt. Aber es gibt auch wirklich geile Trails, im Bikepark Serfaus zum Beispiel. In Nordamerika ist auch nicht alles der absolute Wahnsinn. Aber das Gelände dort gibt mehr her und ist für Trail-Bauer leichter zu handlen.

Klingt, als käme im schwierigen Gelände der Alpen selbst der Meister Tom Pro an seine Grenzen.
(Lacht). Die Alpen sind steil und hart, ganz klar. Kein leichtes Pflaster für Trail-Bauer. Aber ich würde eher sagen, das Gelände setzt Grenzen. Wenn es so steil ist, bist du limitiert, welche Trails du bauen kannst.

Haben die Alpen denn auch Stärken?
Absolut! Die Alpen sind einfach super schön, und es gibt viele Bike-Regionen auf kleinem Raum, jede davon mit ganz eigenem Charakter. Du kannst verschiedene Gebiete zu einem herausragenden Erlebnis zusammensetzen. In Nordamerika kannst du das vergessen. Wenn du Whistler verlässt, kommst du ins große Nichts.

Was macht eigentlich einen guten Trail aus?
Ha, gute Frage! Grundsätzlich ist das Design der Strecke entscheidend. Wenn der Trail nicht zum Gelände passt, wirst du immer mit Bremswellen und Erosion kämpfen, und dann macht es keinen Spaß mehr.

Klingt nach glattgebügelter Murmelbahn. Ist das eigentlich noch echtes Mountainbiken?
Klar ist das echtes Mountainbiken. Der Sport entwickelt sich eben. Das Geniale ist doch: Wir haben die Wahl! Natur-Trails, Murmelbahnen, Sprünge. Jeder kann fahren, worauf er Lust hat. Ich fahre gerne einen gut gebauten Flowtrail. Aber will ich nur solche Trails fahren? Niemals! Persönlich bevorzuge ich natürliche Singletrails. Aber ohne gebaute Bike-Strecken wäre der Sport niemals dort, wo er jetzt steht. Heute ist Biken Familienangelegenheit. Ein Vater kann mit Frau und Kind über Trails düsen. Das ist doch mega!


INFO Tom "Pro" Prochazka

Der gebürtige Tscheche Tom Prochazka kam im Alter von 13 Jahren mit seiner Familie nach Kanada. 2001 übernahm der ehemalige Freeskier den Bikepark Whistler als Manager und machte ihn zum wohl besten Park der Welt. Das Markenzeichen: Vom Kind, über den Profi-Biker bis hin zur Hausfrau – in einem echten Prochazka-Park hat jeder Spaß. Unter seiner Regie entstanden Trails wie Dirt Merchant und A-Line, beide zählen zu den Sehnsuchtszielen von Bikern aus der ganzen Welt. Heute ist der 62-Jährige Teil von Gravity Logics, einem Unternehmen, das sich weltweit mit dem Bau von Bike-spezifischen Parks und Strecken beschäftigt.

Tom "Pro" Prochazka - Whistler Trail-Bauer

Whistler Bikepark


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Florentin Vesenbeckh am 03.01.2018
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