Robot Bike - Ed Haythornthwaite Robot Bike - Ed Haythornthwaite

Interview mit Ed Haythornthwaite

Das steckt hinter dem Robot Bike aus dem 3D-Drucker

Stephan Ottmar am 07.04.2017

Bei Robot Bike treibt man den Begriff Custom auf die Spitze: Jeder Kunde bekommt einen Rahmen mit individuellen Geometriedaten. Der Clou: Einige Rahmenteile kommen aus dem 3D-Drucker.

Wo liegen die Vorteile eines gedruckten Rahmens?
Jedes unserer Bikes ist individuell. Der größte Vorteil ist, dass wir den Rahmen perfekt an die Bedürfnisse des Fahrers anpassen können. Das gilt in zweierlei Hinsicht: zum einen natürlich für die Maße. Zum Zweiten nehmen wir Einfluss auf die Fahreigenschaften. Alle Parameter sind frei. Wir können beispielsweise die Laufradgröße frei wählen. Konventioneller Rahmenbau benötigt sehr teure Werkzeuge, das schränkt die Freiheitsgrade ein. Bei uns bekommt jeder Kunde genau, was er möchte.

Die meisten Highend-Rahmen bestehen vollständig aus Carbon. Eurer nicht, warum?
Wir setzen die Materialien da ein, wo sie am besten passen. Carbon eignet sich am besten für einfache Formen und Belastungen. Für komplexe Zonen wie Drehpunkte und das Tretlager ist Titan besser. So gelingt es uns, extrem robuste Rahmen zu bauen, und wir halten gleichzeitig das Gewicht im Zaum. Für die Käufer entsteht dadurch ein weiterer Vorteil: Sie bekommen lebenslange Garantie.

Wie kann man sich die Entstehung eines Robot Bikes vorstellen?
Wie alle Hersteller starten wir mit einem Computermodell des Bikes – nur, dass bei uns jeder Käufer ein eigenes CAD-Modell bekommt. Wir haben diesen Prozess standardisiert, und er geht recht schnell. Mit den Daten füttern wir eine Renishaw-Maschine. Darauf dauert der Druck der Titanteile etwa 50 Stunden. Sie schmilzt feines Titanpulver mit einem starken Laser punktuell. Das Pulver verschweißt, und es entstehen stabile Strukturen. Das ist der längste und teuerste Teil. Anschließend folgen eine Wärmebehandlung zur Verbesserung der Festigkeit und die Nachbearbeitung. Die Carbon-Rohre schneiden wir auf Maß und kleben sie in die Verbindungsmuffen. Lack drauf, zusammenbauen, fertig. Wir schaffen das in etwa vier Wochen. Wegen der großen Nachfrage dauert es allerdings im Moment etwas länger.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, einen Rahmen zu drucken?
Ben Farmer, einer unserer Mitgründer, hatte die Idee. Ich kenne ihn noch von der Uni, wo ich Materialwissenschaft studiert habe. Unsere Liebe zu Mountainbikes brachte uns zusammen, und 2012 haben wir dann begonnen, die Idee umzusetzen.

Was waren die größten Hürden?
Wir sind Ingenieure, wir lösen gern technische Probleme. Daher war dieser Teil der spannende und spaßige. Die größte Herausforderung aber war es, an das Startkapital zu kommen, um das Konzept zu entwickeln und den ersten Prototypen auf die Räder zu stellen. Heute ist es eher der ganze Bürokram, der mich davon abhält, Sachen zu entwickeln.

Robot Bike - Ed Haythornthwaite

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Und Dich von den wesentlichen Dingen des Lebens abhält – Mountainbiken?
In der Firma teilen wir alle dieselbe Leidenschaft. Wir setzen uns mindestens einmal pro Woche zusammen aufs Bike. Es wäre zum Scheitern verurteilt, eine Fahrradfirma zu gründen mit Leuten, die Fahrräder nicht lieben. Aber unsere Firma ist auch noch klein: Derzeit arbeiten erst drei Angestellte für uns, plus zahlreiche Unterstützer, die in ihrer Freizeit mitarbeiten.

Wieso habt Ihr gerade mit einem Enduro angefangen?
In den 90ern bin ich Downhill-Rennen gefahren. Damals hatten die DH-Bikes ja noch weniger Federweg als moderne Enduros. Ich fühle mich mit 160 Millimetern immer noch am wohlsten, darum haben wir als erstes das R160 umgesetzt. Aber grundsätzlich liebe ich alle Mountainbikes, vom aggressiven Hardtail bis zum Downhiller. Schon während meines ersten Jobs neben der Schule habe ich im lokalen Bikeshop ausgeholfen. Entweder fuhr ich Bikes oder hab’ dran rumgeschraubt. Ich hab’ sogar für die Athertons im Worldcup geschraubt und war zehn Jahre Redakteur beim Dirt-Magazine. Und eine zeitlang führte ich meinen eigenen Betrieb für Custom-Stahlrahmen.

Wie sieht die Zukunft von Robot Bike aus?
Offiziell haben wir 2014 gestartet, seit Mai diesen Jahres kann man unsere Bikes kaufen. Momentan besitzen wir noch nicht einmal eine eigene Maschine zur Herstellung der Titan-Muffen. Eine solche Anlage kostet etwa eine halbe Million Britische Pfund. Trotzdem planen wir langfristig eine breite Palette an Bikes. Vermutlich größer als jeder andere Hersteller, einfach weil der Rahmen zum Einsatzbereich passen muss. Wir würden keinen Rahmen bauen, der sowohl 27,5- als auch 29-Zoll-Räder verträgt. Schließlich können wir ein spezifisches Modell zu jeder Laufradgröße anbieten. Wir sind sicher: Das ist der einzige Weg, um die maximale Performance aus einem Bike rauszuholen. Aktuell arbeiten wir an einem 29er mit langem und einem mit kürzerem Federweg, zusätzlich kommt ein Plus-Bike. Und wir wollen schon ewig einen Downhiller bauen, auch wenn das aus unternehmerischer Sicht wohl wenig Sinn macht. Aber ginge es nur ums Geldverdienen – es würde ohnehin tausend einfachere Wege dafür geben.

Rahmen aus dem 3D-Drucker

Für jeden Kunden wird bei Robot Bike ein individuelles CAD-Modell erstellt. Mit den Daten wird dann der 3D-Drucker gefüttert, der die Muffen (Verbindungsteile) druckt. Der Druck der Titanteile dauert etwa 50 Stunden. Der Drucker schmilzt feines Titanpulver mit einem starken Laser punktuell. Das Pulver verschweißt, und es entstehen stabile Strukturen. Danach werden die Carbon-Rohre in die Titanmuffen eingeklebt. Der Rahmen des 160-Millimeter-Enduros R160 kostet 4395 Pfund.

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Stephan Ottmar am 07.04.2017
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