Erst der Bombenkrater, jetzt alle Isartrails? Die Münchner Biker kämpfen um Ihr Bike-Revier. Kommt alle zur Demo am 25. April um 15 Uhr auf dem Münchner Marienplatz Erst der Bombenkrater, jetzt alle Isartrails? Die Münchner Biker kämpfen um Ihr Bike-Revier. Kommt alle zur Demo am 25. April um 15 Uhr auf dem Münchner Marienplatz
Interview

Bombenkrater: Interview mit der Landrätin

Dreuw am 20.03.2009

BIKE präsentiert das Interview mit der Landrätin, Hintergrundinformationen und Videos zum Thema!

Am Montag morgen rückten am „Bombenkrater“ in München die Bagger an. In einer kurzfristig beschlossenen und bis vergangenen Freitag geheim gehaltenen Aktion, wurde die Beseitigung der jahrzehntelang gewachsenen Dirt-Strecke in den Isarauen an der Grünwalder Brücke in die Tat umgesetzt.

Der Bombenkrater wurde von jugendlichen Bikern schon vor 19 Jahren errichtet und bis dato geduldet, denn legal war die Dirtstrecke nie. Zudem liegt sie in einem FFH-Schutzgebiet. Die rechtliche Lage ist hier leider eindeutig. Denn in dieser Umweltschutz-Zone wie die eines FFH-Schutzgebietes ist die Errichtung solcher Lines nicht erlaubt.

Erschreckend ist aber der Schritt des Landratsamtes, die Dirt-Lines so kurzfristig zu beseitigen. Dies erweckt den Eindruck, dass auf einen Dialog mit den betroffenen Bikern bewusst verzichtet worden ist. Selbst die Betreiber und Mitwirkenden der Homepage www.bombenkrater.de wurden zu den Plänen nicht befragt. So stehen die Jugendlichen in München ohne ihren Bombenkrater da – und ohne Alternative.

Magnus Toelle, DIMB IG München: „Es ist sehr zu bedauern, dass die Strecke in einer „Nacht‐ und Nebelaktion“ beseitigt wurde, die keinen sanften Übergang in eine legale Alternativstrecke ermöglicht.“

Stefan Herrmann, MTB Academy: "Jahrzehnte ehrlicher Arbeit vieler fleißiger Biker‐Hände wurden hier Hals über Kopf vernichtet! Man hat nicht mit den Bikern gesprochen – so geht man mit Bürgern nicht um!".

BIKE befragte dazu die Landrätin Johanna Rumschöttel:

BIKE: Seit 19 Jahren gibt es den Bombenkrater. Er hat sich als Refugium für sportbegeisterte Jugendliche etabliert – wieso soll er beseitigt werden?

RUMSCHÖTTEL: Die illegal errichtete und gewachsene Radsportanlage muss wegen der Unvereinbarkeit mit dem Schutzzweck der Landschaftsschutzgebietsverordnung „Isartal“ und mit den Erhaltungszielen des entsprechenden FFH-Gebietes beseitigt werden. Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (kurz FFH-Richtlinie) ist eine Naturschutzrichtlinie der Europäischen Union, die im Bundesnaturschutzgesetz juristisch verankert ist.

BIKE: Die vermeintlichen Schädigungen der Natur, von denen Sie sprechen, bestehen unserer Beobachtung nach gar nicht oder seit Jahren unverändert.
Welche Gründe führen also dazu, den BMX-Parcours gerade zum jetzigen Zeitpunkt zu beseitigen?

RUMSCHÖTTEL: Die massiven Schädigungen an den Bäumen durch die Abgrabungen, Aufschüttungen und Bodenverdichtungen im Zusammenhang mit der Nutzung als BMX-Parcours, die unübersehbar sind, haben im Laufe der Jahre ein Ausmaß angenommen, das aus Sicht des Naturschutzes nicht mehr hinnehmbar ist. Diese Schäden treten nicht sofort ein, sondern ergeben sich im Laufe der Zeit durch zunehmende Beanspruchung des Geländes.

BIKE: Erholungssuchende sollen Ihrer Meldung zufolge vor Störungen und Gefährdungen geschützt werden – welche Gefährdungen sollen das konkret sein?

RUMSCHÖTTEL: Von den massiv geschädigten Bäumen geht beispielsweise eine direkte Gefahr für Spaziergänger und Sportler aus. Als Grundstückseigentümerin obliegt der Stadt München hier die Verkehrssicherungspflicht.

BIKE: In die Natur wird überall und ständig massiv eingegriffen. In nächster Nähe zum Bombenkrater und unmittelbar am Isarufer finden sich: eine Hauptverkehrsstraße, ein großer Parkplatz, ein Kiosk, breite geschotterte und geteerte Wege, ein Wirtshaus. In den Bergen Bayerns werden Bergbahnen genehmigt, auf dem flachen Land Freizeitparks, an den Seen Erholungszentren und Campingplätze – alles nur ein Frage der Lobby?

RUMSCHÖTTEL: Alle Projekte, die legal erstellt werden und hinsichtlich der Auswirkungen nicht gänzlich unbedeutend sind, durchlaufen ein Genehmigungsverfahren unter Berücksichtigung der naturschutzrechtlichen Schutzkategorien. In der Regel sind dem Eingriff entsprechende Kompensationen zu erbringen, die für den Vorhabensträger mit nicht unerheblichen Kosten verbunden sind.

BIKE: Liegt es nicht im Sinne der Stadt und der Gesellschaft ganz allgemein, dass es solche Rückzugsräume für Kinder und Jugendliche gibt? Die dazu aus Eigeninitiative und ohne öffentliche Gelder geschaffen wurden ...?

RUMSCHÖTTEL: Als Landrätin des Landkreises München kann ich natürlich nicht für die Landeshauptstadt München, auf deren Grundstück sich der Parcours befindet, sprechen. Selbstverständlich sind Eigeninitiativen von Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen, um die es sich hier zu einem großen Teil handelt, begrüßenswert. Man muss jedoch abwägen. Der hier von den Sportlern errichtete Parcours liegt inmitten eines hochsensiblen Naturschutzgebietes und hat im Laufe der Jahre zu massiven Schädigungen an der Natur geführt, die darüber hinaus nun auch Gefahr für den Mensch bedeuten. Aber auch von der Anlage selbst gehen Gefahren aus; es hat hier bereits schwere, z. T. sogar tödliche Unfälle gegeben. Und natürlich ist es relativ einfach, Eigeninitiative zu entwickeln, wenn man selbst die Verantwortung, sprich die Verkehrssicherungspflicht, nicht tragen muss. Dass dies vielen der Nutzer gar nicht bewusst ist, haben die Gespräche vor Ort gezeigt.

BIKE: Welche Voraussetzungen müssten erfüllt sein, um den BMX-Parcours am Bombenkrater offiziell zu genehmigen?

RUMSCHÖTTEL: Eine Genehmigungsfähigkeit am Bombenkrater ist aufgrund der Schutzkategorien (Landschaftsschutzgebiet, FFH-Gebiet) nicht gegeben.

BIKE: Die Biker aus dem Bombenkrater werden ihre Aktivitäten nun in angrenzende Waldgebiete verlagern – ist das im Sinne der Verantwortlichen?

RUMSCHÖTTEL: Das Radfahren im Wald abseits geeigneter Wege ist gemäß Art. 13 Abs. 3 des Waldgesetzes für Bayern verboten. Dies gilt für den Bombenkrater und alle anderen Waldgebiete.

BIKE: Gibt es konkrete Überlegungen/Projekte, den jugendlichen BMXern aus dem Bombenkrater Alternativen für die Ausübung ihres Hobbys anzubieten?

RUMSCHÖTTEL: Soweit ich weiß, haben sowohl die Stadt München als auch die Gemeinde Grünwald bereits nach Alternativen gesucht – allerdings bisher ohne Erfolg. Das Landratsamt kann hier nicht viel tun, allenfalls unterstützend einwirken. Dies werde ich gerne tun.

BIKE: Sollte es gerade in der aktuellen Diskussion nicht gefördert werden, wenn Jugendliche einer „vernünftigen“ Freizeitbeschäftigung in der Natur nachgehen?

RUMSCHÖTTEL: Keine Frage. Unser Problem ist jedoch ein komplexes. „Vernünftige Freizeitbeschäftigung“ contra Naturschutz bzw. contra Sicherheit für Sportler und Erholungssuchende. In meinen Augen wäre einzig eine Alternative an anderem Ort denkbar.

BIKE: In die Entscheidung waren alle möglichen Instanzen und Vereine involviert.
Waren auch Interessensvertreter der Jugendlichen beteiligt?

RUMSCHÖTTEL: Bei den Nutzern des Parcours handelt es sich um einen nicht näher bekannten Kreis von Jungendlichen und jungen Erwachsenen. Aus Sicht des Landratsamtes, das hier einzig als Naturschutzbehörde involviert ist, war daher die Einbindung einer nicht näher definierten Gruppe nicht möglich, zumal es aus naturschutzrechtlicher Sicht für diesen Ort keine Kompromisslösung gibt. Alternativstandorte müssten gemeinsam mit Gemeinden bzw. der Stadt München gesucht werden, die möglicherweise im Besitz von geeigneten Grundstücken sind. Aber wie gesagt: Bisherige Bemühungen waren meines Wissens erfolglos.

Offenbar sind aber nicht nur die Dirter direkt betroffen auch auf den Isartrail soll sich die Situation zuspitzen, wie aus den Berichten der DIMB hervorgeht:

Auch auf den Isartrails scheint sich die Situation zuzuspitzen. Naturschutzwächter halten regelmäßig Biker an und machen sie auf deren Fehlverhalten aufmerksam. Das Fehlverhalten ist aus Sicht der Naturschutzwächter das Befahren der Singletrails längs der Isar. Dazu haben schon unzählige Gespräche der DIMB IG München mit den Behörden stattgefunden und meist ist es gelungen, vernünftige Lösungen zu finden, die Natur, andere Waldbesucher und natürlich Biker gleichermaßen zufriedenzustellen. Hoffen wir, dass wir auch nun eine Radikal-Sperrung verhindern können.

Die DIMB IG München hat bereits wegen Bombenkrater und Isartrails Kontakt mit den Behörden aufgenommen und es stehen weitere Aktionen an, die auf die Belange der Biker aufmerksam machen werden. Die Biker in München, egal ob unorganisiert oder Mitglieder der M97 oder DIMB IG München müssen jetzt zusammen arbeiten und sich für die Interessen einsetzen. Geplant sind eine Unterschriftenaktion und eine Großdemo in München. Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren. Erste Anzeichen einer Gesprächsbereitschaft der Behörden sind bereits erkennbar.

BIKE wird die Situation weiter beobachten und aktuell darüber in der nächsten Ausgabe berichten. BIKE 5/09 ist ab 9. April am Kiosk erhältlich.

Hier gibt es mehr Informationen zum Thema:

VIDEO TV-MÜNCHEN ->

MTB-NEWS ->

DIMB ->

MERKUR MÜCHEN ->

MERKUR MÜCHEN II ->

TZ MÜNCHEN ->

Die Bagger beseitigen den „Bombenkrater“

Stefan Herrmann, MTB Academy

Landrätin Johanna Rumschöttel

Stefan Herrmann im Gespräch mit TV-München

Dreuw am 20.03.2009