Jay Petervary Jay Petervary

Mountainbike Training: Superkräfte beim Biken

Die Trainingstipps von Jay Petervary

Björn Kafka am 13.01.2018

DIE TRAININGSTIPPS

Wie wird man mental härter und schafft Unmögliches? Jay Petervary verrät seine wichtigsten Trainings-, Taktik- und Mentaltipps.

1. Kontrollverlust
Manchmal passt nichts zusammen: Plattfuß, Regen und dann noch miese Beine. Diese Abwärtsspirale verselbstständigt sich gerne, wenn nicht aktiv eingegriffen wird. Dabei sind diese Probleme meist nicht beeinflussbar, und man verschwendet unnötig Energie, indem man darüber nachgrübelt. Jays Tipp: Sachen und Probleme als Herausforderung annehmen, anstatt sie als Qual zu sehen. Beispiel: Sie fahren im Regen und denken: Ich hasse Regen, wozu mache ich das hier? Denken Sie stattdessen: Die Fahrt durch den Regen macht mich mental stärker, wenn ich sie jetzt durchstehe.

2. Schlüsselwörter
Sie schweifen ab und beginnen, kleine Fahrfehler zu begehen? Wörter oder Phrasen können helfen, den Fokus zu behalten. Jays Tipp: Finden Sie drei Wörter, die Sie laut sagen, wenn es die Situation erfordert. Bei fahrtechnischen Dingen vielleicht: konzentriere dich; bei Schwäche: Ich fühle mich gut und habe alles im Griff. Üben Sie diese Phrasen immer wieder im Training, sodass Sie in der entsprechenden Situation automatisch kommen.

3. Situationstraining
Der ehemalige Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins setzte sich im Training widrigen Umständen aus, um sich mental und körperlich abzuhärten. Der Engländer trainierte zum Beispiel in stark überhitzten Räumen auf der Rolle, um sich auf heiße Bergetappen vorzubereiten. Jays Tipp: Auf Langstrecken ist besonders die Zeit zwischen zwei und sieben Uhr morgens extrem hart. Aus diesem Grund trainiert er ab und zu genau zu dieser Zeit.

4. Essen, was geht
Ultrarennen rauben dem Körper extrem viel Energie, die wieder zugeführt werden muss. Jays Tipp: Oftmals gibt es bei langen Rennen kaum Versorgungsstationen, weshalb man bei Supermärkten und Tankstellen landet. Das Essen dort sollte man kennen und schon unter Belastung gegessen haben. Jay weiß sofort, wenn er die Tankstelle betritt, was er zu kaufen hat, damit es für die nächsten hundert Meilen reicht.

5. Entspannen
Wer sich stresst und verspannt, kann nicht seine volle Leistung abrufen. Unter Stress sollten Sie sich deshalb entspannen. Jays Tipp: Beginnen Sie damit, Ihre Gesichtsmuskeln zu entspannen. Dieses Lockerlassen zieht sich wie eine Kette durch verspannte Muskeln. Zudem sollten Sie Ihren Atem kontrollieren. Tiefe, entspannte Atemzüge unter Belastung reduzieren nachweislich Stress und führen zu besseren Ausdauerleistungen.

6. Objektiv bleiben
Bei all der Selbstmotivation sollte man dennoch objektiv seine Leis­tung und seinen Körper beurteilen. Wer körperlich überzieht, der wird selbst mit dem besten Mantra nicht ins Ziel kommen. Jays Tipp: Wattdaten, Herzfrequenz und Koordination sind wichtige Faktoren bei der Selbsteinschätzung. Wenn man merkt, dass Fahrfehler auftauchen, die Herzfrequenz seltsam ist, oder die Wattdaten nicht passen, ist es Zeit für eine Analyse. Meist hilft aber eine Pause mit ausreichend Essen.

7. Leerfahren
Machen Sie sich nicht abhängig von Kohlenhydraten, und schulen Sie Ihren Fettstoffwechsel. Jays Tipp: Um den Körper besser auf Fett zu schulen, eignen sich morgendliche Nüchternfahrten (bis max. drei Stunden) oder sehr lange Ausfahrten, die Sie ebenfalls nüchtern starten, aber ab Stunde zwei mit Kohlenhydraten nachfüttern. Wichtig dabei: Fahren Sie nicht schneller als Grundlagentempo, damit sich Ihr Stoffwechsel langsam an die Umstellung gewöhnt.
 


INFO JAY PETERVARY

Alter 45
Grösse 175 cm
Fährt seit 1987

Siege

  • Tour Divide (4418 km)
  • Iditarod Invitational (1609 km durch Alaska)
  • Arizona Trail Race (1207 km)
  • Colorado Trail Race (805 km)
Jay Petervary

Jay Petervary liebt Langstrecken-Rennen und Ultradistanzen mit dem Mountainbike.


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Björn Kafka am 13.01.2018
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