Mountainbike Training: Milatz – Der Multitasker Mountainbike Training: Milatz – Der Multitasker

Mountainbike Training: Milatz – Der Multitasker

MTB-Profi Moritz Milatz: So schafft er Job und Familie

Björn Kafka am 27.01.2018

Berge erklimmen oder Langstrecken meistern – manche Leistungen können nur von Superhelden sein. BIKE fragt, wie es geht: Moritz Milatz – schnell, trotz Job, Familie und chronischer Zeitnot.

Die Erleichterung kennt nur einen Ausweg: sich flach auf den Boden zu legen und nach Luft zu ringen. Moritz Milatz kauert hinter dem Zielbogen beim Worldcup in Val di Sole. Er dreht sich zur Seite und starrt auf die Ergebnisliste: Platz 19. Der Freiburger starrt zum Himmel, kneift die Augen zusammen, in denen der Schweiß brennt. "Geschafft", murmelt er in sich hinein. Milatz hat die Olympia-Norm eingefahren – als Amateur, wenn man so will. Neben Familie und Studium quetschte er das Training, um seinen Traum wahrzumachen.

Sechs Mal Deutscher Meister. Europameister, Marathon-WM-Zweiter, mehrmaliger Sieger der Bundesliga, WM-Vierter: Moritz Milatz’ Karriere gehört zu den erfolgreichsten im Bike-Zirkus. Wenn der Freiburger am Start stand, heimste er meist eine Top-Ten-Platzierung ein – zumindest bis 2014. Trotz einem vierten Platz bei der WM kam das plötzliche Aus: BMC gab dem Freiburger keinen Vertrag mehr. "Das war anfangs ein Schock, aber ich wollte weitermachen und habe meinen Fokus etwas verschoben", erklärt der 35-Jährige. Doch Milatz sah in dem Vertrags-Aus auch eine Chance: "Ich legte mich bei Studium und Job ins Zeug. Und klar, ich bin zwischenzeitlich auch noch zweifacher Familienvater geworden."

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Und das zeigt Milatz gerade im Volleinsatz: Seine große Tochter muss für den Kindergarten fertig gemacht werden. Der 35-Jährige nestelt an den Schnürsenkeln herum, während seine Frau dem kleinen Sohn die Jacke anzieht. Es ist 8:15 Uhr. Milatz ist seit sieben auf den Beinen. Um neun muss er am Bürotisch sein – Milatz ist Mikrosystemtechniker. Erst um 17 Uhr ist Schluss. Danach rast er noch wattgesäuert durch den Schwarzwald, um nach dem Abendbrot einige Sponsorengespräche zu führen. Um 21 Uhr liegt er im Bett – so der Plan.

Milatz hat seinen Tag durchgetaktet wie ein Intervalltraining. Leerlauf findet sich keiner und wenn, dann steckt darin eine Ruhemaßnahme. "Anders geht das gar nicht. Die Tage müssen geplant werden. Früher, als ich noch keine Kinder hatte, hab’ ich mich ins Bett gelegt, wenn ich platt war. Das geht nicht mehr. Ich muss meine Ruhezeiten planen, denn auf Dauer kann man so ein Pensum aus Job, Familie und Profi-Sport sonst nicht stemmen. Aber: Man wächst da rein."

Profi-Leben, Familienvater und Job – das hat für Moritz Milatz bald ein Ende: Der Worldcup-Profi beendet im Oktober seine Karriere. "Es ist ein guter Zeitpunkt aufzuhören, da mein Team sich zum Ende des Jahres auflöst. Zudem habe ich ein gutes Job-Angebot erhalten", sagt Milatz, der bis dahin aber noch mal auf dem Bike Vollgas geben möchte.

Vollgas bedeutet bei Moritz Milatz 15 bis 20 Stunden Training in der Woche. Je nach Jahreszeit können es auch mehr werden. "Ich betrachte auch Schlaf als eine Trainingseinheit und versuche, meine Schlafzeit etwas zu erhöhen, wenn es auf einen Wettkampf zugeht", erklärt Milatz und fügt an, dass er darauf achte, den gleichen Schlafrhythmus beizubehalten. Im Optimalfall gehe er jeden Tag in etwa zur gleichen Uhrzeit ins Bett. "Wenn das nicht klappt, lege ich mich schon mal tagsüber für 20 Minuten hin."

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Immer funktioniert das nicht mit der Erholung, so wie beim Worldcup in Lenzerheide, als er nach drei Runden ausstieg. "Besonders in der Phase um meine Bachelor-Arbeit hatte ich den Kopf doch etwas zu voll", sagt Milatz. Eigentlich strukturiert der Freiburger sein Training genau und legt schon im Vorhinein fixe Ruhetage ein – das ging in dieser Zeit nicht. "Montag und Freitag mache ich sonst nie was. Die Wochenenden nutze ich für lange Ausfahrten oder Rennen. In der Woche stehen täglich maximal zwei bis drei Stunden Training auf dem Plan."

Eine Stunde hat Moritz noch vor sich, eine Stunde Quälereien, wie er es nennt. Er tritt an und starrt auf die Wattanzeige: 680 Watt will er wegpressen, sechs Mal. Die Tacho-Werte schnellen hoch, Milatz rast bergauf. Er keucht, reißt die Luft in seine Lungen. 30 Sekunden hat er schon. Das Herz pocht auf Anschlag am Hals, die Beine brennen

so sehr, dass sie sich taub anfühlen.15 Sekunden noch – Moritz steht auf und drückt im Wiegetritt weiter, bis er zusammensackt. Er röchelt über dem Lenker, japst nach Luft. Fünf Intervalle hat er noch vor sich.Drei Wochen später:

Moritz Milatz reckt die Hand in die Luft und lächelt in den grauen Himmel. Platz zwei in der Gesamtwertung des Schwarzwald-Giros. Eine Vier-Tages-Hatz in der Nähe von Freiburg. "Diesmal war der Kopf frei", keucht er und sammelt Schulterklopfer seiner Kontrahenten ein. Drei Rennen will er in seiner Karriere noch bestreiten, dann ist aber auch wirklich Schluss. 


SCHLAF

Unser Körper braucht ausreichend Schlaf, um sich von den Strapazen des Tages zu erholen. Der Körper wird durch die Kombination aus Training, Beruf und Familie stark beansprucht. Die Schlafforscher gehen davon aus, dass der Organismus während der Schlafphase mehr Wachstumshormone ausschüttet. Diese stimulieren das Muskelwachstum und reparieren kleine Schäden in den Muskeln. Zudem werden der Knochenbau sowie die Fettverbrennung angeregt. Frühere Forschungen haben bereits gezeigt, dass unter Schlafmangel die Ausschüttung von Wachstumshormonen gehemmt wird. Gleichzeitig benötigt der Körper Schlaf, um neu gelernte Bewegungen besser zu verinnerlichen.

Auch der Tagesrhythmus hat eine enorme Auswirkung auf unsere Leistung, wie die Universität Stanford (Kalifornien) in einer entsprechenden Untersuchung herausfand. Wer sein Training an seinen Tagesrhythmus anpasst, verbessert den Effekt. Unser Schaubild zeigt die Leistungsfähigkeit eines Frühaufstehers. Als Trainingszeiten bieten sich in diesem Fall der frühe Morgen und der frühe Abend an – dann ist die Leistungsfähigkeit am höchsten. 

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Björn Kafka am 27.01.2018
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