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Bike-Fitting: 3 Anbieter im Vergleich

Bike-Fitting-Systeme: Welches ist das beste?

BIKE Magazin am 20.03.2018

Bike-Fitting kann Beschwerden mildern oder verhindern. Doch Fitting-Anbieter versprechen mehr: Die perfekte Sitzposition auf dem Rad soll sogar die Leistung steigern. Drei Systeme im Vergleich.

Dominik Schwaiger klingt wie Darth Vader mit Staublunge – und so fühlt er sich auch: Der 26-jährige Uni-Absolvent hockt verdrahtet und mit Schläuchen gespickt auf seinem Bike und keucht sich die Lunge aus dem Leib. "430 Watt" blinkt es auf dem Display vor ihm, während das Laktat in den Beinen köchelt. Schwaiger schwitzt für BIKE: als Versuchskaninchen, um herauszufinden, ob Bike-Fitting einen Leistungsvorteil bringen kann. Dazu ließen wir Dominik von drei Fitting-Anbietern einstellen: von Radlabor, von Specialized und von Waytowin.

Kann ein gutes Bike-Fitting schneller machen – das wollte BIKE wissen. Dafür suchten wir uns einen Testkandidaten, der ambitioniert Rad fährt, aber noch keine professionelle Einstellung des Gesamtsystems aus Biker und Bike hatte. Dominik Schwaiger beendete die BIKE-Transalp auf Platz 15. Er hat Leistungswerte, die ihn in die vorderen Ränge bei Marathons rücken, aber auch Probleme wie ein Patellaspitzensyndrom am Knie. Schwaiger stellt sein Bike selbst ein. An seinen körperlichen Schwachstellen trainiert der 26-Jährige zwei bis drei Mal in der Woche, doch Schwaiger hatte immer das Gefühl, noch nicht im Einklang mit seinem Bike zu sein. Unser Plan: den Münchner zu drei Anbietern mit seinem eigenen Bike zu schicken, einstellen und nach jedem Fitting zwei Leistungstests absolvieren zu lassen.

Der Fahrplan der Fitter

Die drei Anbieter Specialized (Fitter: Matthias Laar), Radlabor (Fitter: Johannes Gesell) und Waytowin (Fitter: Johanna Mohr) arbeiten nach ähnlichem Muster. Jedes Fitting beginnt mit einem Aufnahmegespräch, danach folgt eine Vermessung von Dominiks Körpermaßen (Größe, Beinlänge etc.), gefolgt von einem funktionellen Test. Erst danach beginnen die Fitter mit dem Einstellen des Bikes.

Das Aufnahmegespräch

Bevor unser Versuchskaninchen aufs Bike kommt, führen alle Fitter eine Art Anamnesegespräch durch. Dabei werden Fragen zu alten Verletzungen, akuten Problemen und der Bike-Disziplin gestellt. Das Erstaunliche: Die Frage-Protokolle weisen kaum Unterschiede auf. "Je mehr ich von einem Sportler erfahre, desto spezifischer kann man ihn einstellen", erklärt Matthias Laar von Specialized. Der Diplom-Sportwissenschaftler führt die Schulungen der Bike-Fitter für Specialized durch – er gilt als DER Fitting-Guru der US-Firma.

Die Vermessung 

Im zweiten Schritt folgt die Vermessung unseres Probanden. Dabei nutzt Radlabor sein eigenes System, das die relevanten Punkte (Gelenke) mittels Laserpointer vermisst. Specialized arbeitet mit dem Retül-System, das via Funk die Daten überträgt. Die Vermessungsstation von Waytowin (von www.bike-Fitting.com) arbeitet klassisch mit Maßbandstation. Die Ergebnisse werden händisch in die Vermessungs-Software eingetippt. Der Vorteil aller Vermessungen: Fehlhaltungen im Standbild werden erfasst. Zudem errechnen die Programme passende Rahmen und Geometrien für den Fall, dass sich das eigene Rad trotz Anpassungen als nicht geeignet erweist. Specialized bietet allerdings nur eigene Modelle an. Waytowin und Radlabor schöpfen aus einem großen Pool von Radherstellern und deren Geometrien.

Bike-Fitting Specialized Retül

Die funktionellen Tests

Die Fitter überprüfen mit speziellen Tests Kraft und Beweglichkeit des Sportlers. Specialized und Waytowin arbeiten nach einem fixen System von unterschiedlichen Übungen. Johanna Mohr (Sportwissenschaftlerin) von Waytowin nutzt den Functional Movement Screen (FMS), einen etablierten Funktionstest. Aus den gewonnenen Daten leitet sie die Einstellung ab und erstellt einen individuellen Kraft- und Beweglichkeitsplan. "Wir sehen den Fitting-Prozess zweiteilig: einmal das Einstellen, dann das Optimieren des Körpers mittels Training", sagt Mohr. Specialized entwickelte über Jahre ein eigenes Prozedere, das sich stark an physiotherapeutischen Tests orientiert. Der Clou: Dem Fitter wird jeder Schritt auf dem Rechner gezeigt. "Damit Händler ein Specialized-Fitting anbieten können, müssen sie eine Schulung bei uns gemacht haben", erklärt Matthias Laar. Das Programm hilft den Radhändlern dann beim Fitting. "Aber klar: je erfahrener und je größer der anatomischen Hintergrund des Fitters, desto besser das Ergebnis." Bei der Testreihe von Radlabor greift Johannes Gesell auf verschiedenste Übungen zurück. Protokolliert wird dabei aber nichts, vielmehr nutzt Gesell sein Wissen als Sportwissenschaftler und Landesverbandstrainer (Triathlon) in Baden-Württemberg. "Jede Radlabor-Niederlassung hat sehr gut geschultes Personal eingestellt (Sportwissenschaftler), die nahe an der Forschung sind und laufend fortgebildet werden", sagt Gesell. Die Ergebnisse der funktionellen Tests: Während Waytowin und Specialized eine deutliche Einschränkung in der linken Hüfte feststellten, attestierte Gesell dem Probanden einen Crosswalk (die Füße werden beim Gehen voreinander gesetzt, nicht nebeneinander).

Das Fitting

Specialized sowie Radlabor arbeiten mit einer Video-Analyse des Sportlers auf dem Bike, wobei Specialized ein spezielles Fitting-Bike verwendet und die Daten später auf das eigentliche Rad überträgt. Waytowin nutzt Druckmessfolien als Fitting-Tool. Aufgrund der verschiedenen Systeme verlaufen die Fitting-Prozesse am Anfang unterschiedlich: Gesell (Radlabor) und Lahr (Specialized) stellen die Cleats unter den Schuhen ein, bevor sich unser Proband aufs Bike setzt. Es gibt somit keine Bestandsaufnahme seiner Eingangseinstellung. Einzig Waytowin zeichnet eine Bestandsaufnahme mit der Druckmessung auf, bevor die Cleats angepasst werden. "Das machen wir immer, um dem Kunden ein klares Vorher- Nachher-Bild zeigen zu können", so Mohr.

Das weitere Einstellen des Bikes läuft bei allen Anbietern nach Näherungsversuchen ab: Es werden immer ein paar Millimeter umgestellt (Sattel, Cleat, Vorbau usw.) und danach gemessen. Während Specialized und Radlabor mittels Winkel­einstellungen und Bewegungsmustern des Sportlers die Position anpassen, konzentriert sich Waytowin auf eine Optimierung des Druckbildes am Fuß. Nach etwa drei Stunden hat Dominik seine neue Bike-Geometrie. Ob sich dadurch eine Leistungsverbesserung einstellt, lesen Sie auf der nächsten Seite.


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BIKE Magazin am 20.03.2018
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