Rachel Atherton Rachel Atherton

Profi-Tipps für Frauen: Ohne Angst aufs Mountainbike

MTB-Fahrtechnik für Frauen: Mehr Freude am Fahren

Gitta Beimfohr am 14.03.2016

„Besser biken“ steht wohl auf dem Wunschzettel einer jeden Mountainbikerin. Ideen, wie man am besten vorgeht, gibt es viele. Wir haben drei Experten gefragt, die es am besten wissen müssen.

RACHEL ATHERTHON (Foto oben): GEGEN DIE ANGST

Die meisten von uns kennen das: Du rollst auf dem Trail auf Wurzeln oder auf eine Stufe zu. Dein Herz fängt wild zu schlagen an, du umklammerst deine Griffe noch fester – und dann, in letzter Sekunde, reißt du doch noch an den Bremshebeln und verweigerst. Dann schiebst du und schwörst, dass du irgendwann zurückkommst und fährst. Die Angst auf dem Trail zu überwinden, ist nicht einfach. Aber es gibt kaum ein besseres Gefühl, als diese Angst überwunden zu haben! Hier meine persönlichen Tricks gegen den Trail-Dämon:

1. Je öfter Du etwas tust, desto weniger angst­einflößend ist es. Das ist Fakt! Setz Dich, so oft Du kannst, aufs Bike und dreh eine Runde. Unterwegs triffst Du immer auf unterschiedliche Situationen, die mit der Zeit normal werden.

2. Bereite Dich gut vor. Wenn ich nervös bin, oder das Gefühl "Angst" in mir habe, dann spüre ich oft ganz tief in mir drin, dass ich mich eigentlich nur nicht genug vorbereitet habe. Ist mir ein Jump zu hoch, dann suche ich mir kleinere und fahr die so oft, bis ich denke: Okay, jetzt bin ich bereit für den größeren.

3. Bleib locker – Dein Bike findet den Weg. Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich meinem Bike vertrauen kann. Es will immer vorwärtsrollen und dabei die sanfteste Linie finden. Hektische Lenkmanöver sind dabei kontraproduktiv. Wenn ich locker bleibe, läuft’s.

Die drei E’s: evidence, energy, enjoyment
• Evidence: Leistungsbeweis. Stehst Du vor einem heftigen Drop, dann denk an all die Drops, die Du bisher schon geschafft hast. Das stärkt das Selbstvertrauen, und die Chancen stehen gut, dass Du es wieder schaffst.
• Energy: Auf was hast Du Deine Energie gerichtet? Vergeude sie nicht an den Gedanken, was passieren könnte. Richte sie dahin, wo Du weißt, was passieren wird! Zum Beispiel: Ich werde diesen Jump versuchen. Ich werde schnell antreten, ich werde abheben, ich werde landen. Und es wird ein weiterer Tag kommen.
• Enjoyment: Ich fahre immer am besten und selbstsichersten, wenn ich gut drauf bin. Ein herzlicher Lacher, und alles funktioniert 1000 Mal besser. Wenn es Dich schmeißt – na und? Steh auf und fahr weiter! Wenn Du Dich verletzt, wirst Du auch wieder heilen.

Du bist nicht aus Glas – rein in den Schlamm!
Es gibt kaum etwas Lustigeres, als bei schlechtem Wetter zu biken. Bei Schlamm und Regen rutscht man oft weg und fällt hin. Klar kriegt man da schon mal einen Kratzer ab, aber was man vor allem lernt, ist, dass ein Sturz gar nicht so schlimm ist, wie man sich das vorgestellt hat.

Du fährst für Dich.
Du selbst weißt am besten, wo Deine Stärken liegen. Messe Dich daher nicht mit anderen. Du fährst für Dich selbst. Wenn Du Angst hast, passe Deine Tour so an, wie es Dir passt. Das könnte eine Linie durch eine etwas knifflige Stelle sein. Aber selbst, wenn Du sie umfährst oder nur mit ungelenken Gymnastikübungen drüberkommst – wichtig ist, dass Du weißt, Du schaffst es bis zum Ende. Beim Rennen lebe ich diese Regel, ich mache Dinge zu meinen. Mir ist es egal, ob irgendjemand pfeilgerade durch die super knifflige Stelle durchgepeitscht ist, denn ich weiß, wenn ich eine sanftere Linie finde, bin ich insgesamt schneller. Geht raus Mädels. Setzt Euch aufs Bike. Und am wichtigsten: Habt Spaß!

Rachel Atherton (27) gewann als erste Britin die Elite-Downhill-Weltmeisterschaft.


Stefan Herrmann

Stefan Herrmann, Fahrtechnik-Experte: MTB-Academy www.mtb-academy.de

STEFAN HERRMANN: FRAUEN UND FAHRTECHNIK

"Nach knapp 20 Jahren als Fahrtechniktrainer kann ich sagen: Frauen sind grundsätzlich offener und interessierter, neue Dinge anzunehmen. Gleichzeitig trauen sie sich aber auch weniger zu und sind auf dem Trail vorsichtiger als Männer. Aber wenn der Knoten erst mal geplatzt ist, haben Frauen oft die bessere Fahrtechnik. Männer gleichen dagegen viel mit Kraft und Schnelligkeit aus. Das Ziel meiner Fahrtechnikkurse ist der Tanz durch den Wald. Wer als Kind viel im Wald gespielt hat, tut sich da viel leichter, weil er mit der Materie Wurzeln, Erde und Geländeformen bereits vertraut ist. Frauen fehlt dieses Urvertrauen, diese Unbekümmertheit oft. Sie können es aber erlernen – und zwar vom Kopf aus. Der Muskel an sich ist ja dumm und wird gesteuert vom Gehirn. Sagt der Kopf "das kann ich nicht", dann verkrampft auch der Muskel, und das System Mensch-Fahrrad funktioniert nicht mehr.

Was also hilft, die Blockade im Kopf zu lösen? Man informiert sich, wie es richtig geht und übt. In möglichst kleinen Schritten und vielen Wiederholungen tastet man sich an die Schlüsselstellen heran. Wieder und wieder und wieder. Dabei ist es übrigens völlig normal, dass auf drei Schritte nach vorne, einer zurück folgt. Einige Frauen lassen sich dadurch entmutigen, dabei ist der Schritt rückwärts wichtig für den Lernprozess. Man reflektiert und optimiert."


KAREN ELLER – VERANSTALTER VON BIKE-CAMPS

Karen Eller

Karen Eller, MTB-Veranstalter: Die Rasenmäher www.dierasenmaeher.de

"Spezielle Frauen-Camps werden ja gerne belächelt. Aber hier melden sich Frauen an, die den Sport unbedingt lernen wollen und zwar mit dem nötigen Abstand von Job, Familie und vor allem: Mann. Unter Männern denken Frauen schnell, dass sie beim Biken stark und furchtlos sein müssen, um hinterherzukommen. In einem reinen Frauen-Camp aber lernen sie von Gleichgesinnten, dass sie mit Spaß und der richtigen Fahrtechnik viel weiterkommen."

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Gitta Beimfohr am 14.03.2016
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