Mountainbike-Fahrtechnik: Öko Fahrtechnik Mountainbike-Fahrtechnik: Öko Fahrtechnik

Mountainbike-Fahrtechnik: Öko Fahrtechnik

So schonen Sie Wege und Pfade beim Biken

Laurin Lehner am 08.04.2017

Wer Trails schonend fährt, hat länger Spaß daran und nimmt Bike-Kritikern den Wind aus den Segeln. Stefan Herrmann zeigt die wichtigsten Dos and Don’ts auf dem Trail. Ein Fahrtechnik-Knigge.

Und los geht's mit Umweltschutz und Trailspaß:

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RICHTIG BREMSEN

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Bremse richtig: Das Hinterrad plump zu blockieren, sorgt für Erosion und für nervige Bremsrillen. Wer seine Bremse im Griff hat, bremst ohne Radstillstand. Das spricht dagegen: Das Hinterrad zu blockieren, beweist nicht nur fehlende Fahrtechnik (nämlich verkrampften Fingereinsatz), sondern schadet auch Trails und Wegen. Bestes Beispiel bei viel befahrenen Trails: Bremswellen vor der Kurve. Warum? Ungeübte Biker greifen zu undosiert in die Bremse, das Rad blockiert und verschiebt den Untergrund: Folge: Erosion, Bremswellen und ein Trail, der sich ungeschmeidig fahren lässt. Kurz: Wer das Hinterrad blockiert, macht den Trail kaputt, schadet anderen Bikern und sich selbst. Wie geht’s richtig? Dosiert bremsen. Zudem hat ein drehendes Rad immer mehr Kontrolle als ein stehendes (ABS-Faktor). Tipp: Lege Dir Fingerspitzengefühl beim Bremseinsatz zu. Z. B. auf steilen Passagen. Negativ-Beispiel: So sehen uns Mountainbike-Gegner gerne. Rowdys, die mit blockiertem Hinterrad Trails schaden und Wanderer vor Schreck zur Seite springen lassen.

AUF ANDERE ACHT GEBEN

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Gib Acht auf andere: Oft liegen die Nerven zwischen Wanderern und Bikern blank. Stefan verrät, wie beim nächsten Aufeinandertreffen bei beiden Parteien der Puls unten bleibt. TIPP! Bei Wanderern handelt es sich oft um ein älteres Klientel, die möglicherweise schlechter hören und so schneller erschrecken. Nähere Dich deshalb langsam. ANFAHRT: Grundsätzlich haben Wanderer und Biker das gleiche Recht auf Naturgenuss und Erholung. Ist der Trail für Biker nicht ausdrücklich verboten, gibt es keinen Grund für uns, devot aufzutreten. Trotzdem sollte man für ein besseres Zusammenleben diplomatisch und rücksichtsvoll vorgehen. Klassisches Beispiel (siehe Bild): Zwei Wanderer versperren den schmalen Trail. Wichtig: Nähere Dich langsam und mache Dich klar aber freundlich bemerkbar. Stefans Tipp: eine Klingel am Lenker. Wer die nicht hat, kann auch mit einem "Hallo" oder "Guten Tag" auf sich aufmerksam machen und sich bedanken, sobald die Wanderer Platz gemacht haben. Wer dabei freundlich grinst, nimmt selbst Bike-Kritikern meist den Wind aus den Segeln. 

TRAIL NUTZEN

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Nutze den Trail:  Wer auf den Wegen bleibt, tut der Umwelt Gutes, macht Werbung für unseren Sport und feilt nebenbei an seiner Fahrtechnik. Stefan erklärt, warum.  Auf dem Trail bleiben – Ein Ehrenkodex für Biker. Das hat gleich mehrere Gründe. Einer davon: 1. Neue Wege (siehe Bild) sind meist der Weg des geringeren Widerstands. Drück’ Dich nicht vor der Aufgabe, sondern stelle Dich der Kurve oder Spitzkehre. 

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Nutze den Trail und sieh ihn als Herausforderung, um Deine Fahrtechnik zu verbessern.

 

Grund Nummer zwei: 2. Jeder Biker weiß, nur schmale Singletrails garantieren den vollen Trail Genuss und lassen den Pfad optisch glänzen. 

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Drittens: 3. Neue Wege entstehen zu lassen, ist verboten (gilt übrigens auch für Wanderer). Aus gutem Grund: Denn genau so entsteht Erosion. Je höher die Lage, umso kritischer. 

 

TIPP! Meide es, neue Wege entstehen zu lassen. Nur so nimmst Du Bike-Kritikern die Argumente, die oft zu Bike-Verboten führen. 

DIE PFÜTZE LIEBEN

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Stell’ Dich der Pfütze:  Wer Pfützen umfährt, verbreitert Trails und schadet so nicht nur der Trail Optik, sondern auch der Natur. Außerdem sind Mountainbikes geländegängig. Unser Credo: durch statt drumherum! Wer kennt es nicht? Prompt kommt eine Pfütze, schon fahren viele Biker drumherum, statt einfach durch. Das geht bestimmt vielen so und ist nichts Verwerfliches. Allerdings entstehen so Schlammfelder, der Singletrail verliert an Definition, und die umliegende Vegetation nimmt Schaden. Stefans Tipp: Nutze Pfützen, um den Manual anzuwenden. Auf dem Hinterrad kommst Du trockener und dazu noch sicherer durch die Wasserlache. TIPP! Egal, ob Matsch, Laub, Schnee oder Pfütze. Bei unbekanntem Terrain wendet man den Manual an. Er gibt Sicherheit, und das Vorderrad läuft nicht Gefahr, stecken zu bleiben.

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So geht’s: Fahre auf die Pfütze zu, beuge Beine und Arme und erzeuge so Spannung. 

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Kurz vor dem Hindernis streckst Du Dich dynamisch nach hinten: 

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Folge: Die Front wird leicht, und Du rollst auf dem Hinterrad durch die Pfütze. Wichtig: Ein Finger liegt immer auf der Hinterradbremse.

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Bekanntes Bild: Nicht nur die Optik leidet an ausgefahrenen Trails, auch die umliegende Vegetation nimmt Schaden. 

NACHTRUHE

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Erholung – auch für die Natur: Nicht nur Biker haben das Recht auf Natur und Erholung, auch Tiere wollen entspannen. Also: Stollen weg vom Trail bei Nacht!

TIPP! Willst Du hohe Trail-Frequentierung vermeiden, gehe azyklisch biken. In der Früh oder abends. Nachts solltest Du Wild und Natur Zeit zur Erholung gönnen.

 

Ein Zusammenleben geht nur mit gegenseitiger Rücksichtnahme – auch gegenüber Tieren. Zugegeben: Nachts biken ist ein Erlebnis und bringt Vorteile, wie ungewohnte Einsamkeit auf dem Trail. Trotzdem sollte man Nightrides aus Rücksicht auf das Wild vermeiden. Auch die brauchen Ruhe und Erholung von Bikern und Wanderern. 

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Ein Biker mit Stirnlampe setzt Wild beim Ruhen unter Stress. Wir wollen schließlich auch niemanden nachts mit Stirnfunzel im Schlafzimmer.

Stefan Herrmann MTB-Academy

Fahrtechnik-Experte Stefan Herrmann von der Mountainbike Akademie: "Schon seit Jahrzehnten kämpfen Mountainbiker darum, auf Trails und Wegen akzeptiert zu werden. Gut, dass letztes Jahr der Bayerische Verwaltungsgerichtshof beschlossen hat, dass wir genau wie Wanderer ein Recht auf Erholung und Naturgenuss haben. In der Praxis sieht das jedoch meist anders aus. Trails werden für Biker geschlossen und Biker wie Aussätzige verbannt. Grund dafür sind, wie so oft, meist nur wenige Rowdys, die unserem Image schaden. Gerade deswegen finde ich, dass jeder einzelne Mountain­biker sich als Werbebotschafter für unseren Sport sehen sollte." 

Laurin Lehner am 08.04.2017
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