BH Bikes Atom-X Lynx BH Bikes Atom-X Lynx

Neuheiten 2018: BH Bikes Atom-X Lynx E-Mountainbike

Die Renaissance des Y-Designs

Markus Greber am 03.04.2018

BH stellt ein futuristisch anmutendes E-MTB vor: Das Atom-X Lynx hat einen vollintegrierten 720 Wh-Akku. Wir konnten das Fully schon testen.

Die Abkehr vom klassischen, diamantförmigen Rahmendesign – seit es Mountainbikes gibt, versuchen sich die Ingenieure an neuen Designs. Oft war es jedoch nur die Optik, die begeisterte. Und nicht selten kehrte man reumütig zur klassischen Dreiecksform zurück. Denn die reine Funktion, sprich das Gewicht im Verhältnis zur Steifigkeit, sowie wichtige Features wie die Versenkbarkeit der Sattelstütze und die Hinterbaukinematik, blieb oft auf der Strecke. Auch Rahmen in Y-Form findet man zur Genüge in der Klamottenkiste der verworfenen Designs. Optisch schick und extravagant, doch rein funktionell leider Rohrkrepierer.

BH Bikes Atom-X Lynx

Oberrohr und Unterrohr treffen sich schon vor dem Steuerrohr.

BH, die kleine Schmiede aus Nordspanien, greift das Y-Design beim neuen Top-Modell wieder auf, denn beim E-MTB hat es eindeutige Vorteile. Wir konnten das "Atom X" auf den Trails von Malaga bereits ausgiebig unter die Lupe nehmen.

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Der vollintegrierte 720 Wh-Akku lässt sich aus dem Rahmen ziehen.

Herzstück des Rahmens ist ein geschlossenes Unterrohr und ein elegant hydrogeformtes Oberrohr, das im vorderen Bereich das Steuerrohr praktisch umschließt. Dieses eigenwillige, von BH patentierte, Design ermöglicht die Unterbringung des hauseigenen 720 Wattstunden-Akkus, der nach dem Öffnen einer Klappe leicht nach oben entnommen werden kann. Im Gegensatz zu anderen integrierten Designs sitzt die Batterie also im geschlossenen Rohr anstatt in einer Schalenkonstruktion mit Deckel. Das soll das Chassis besonders steif und leicht machen. Die Batterie lässt sich entweder mit einem Schlüssel oder mit dem eigens entwickelten Smart Key-Armband entnehmen.

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Schönes Detail: Im Rahmen findet eine Trinkflasche Platz.

Als Aggregat wählt BH den starken "Drive S"-Motor aus dem Hause Brose, der im Tretlagerbereich mit einer speziellen drei Millimeter starken Aluplatte (Bashguard) geschützt wird. Um Überhitzung zu vermeiden, verbaut BH zusätzlich eine Aluplatte (Head Dissipation Plate) am Motor.

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Die Platte schützt den Motor bei Aufsetzern.

Neben dem extragroßen Akku trägt auch das hauseigene 2,2 Zoll "Headup"-Display die ganz eigene Handschrift der BH-Designer. Dieses besteht aus massivem Aluminium und ist im Vorbau integriert. Der Schalter zum Wechsel zwischen den vier Unterstützungsstufen sitzt an gewohnter Position und ist mit LEDs und einem Vibrationsalarm ausgestattet. Neben den klassischen Infos wie Unterstützungslevel, Geschwindigkeit und Ladestand bietet der Bordcomputer zudem noch Zusatzinfos wie zum Beispiel den Abnutzungszustand des Akkus. Natürlich kann man auch die Motorcharakteristik über die Software tunen. Weiterhin gibt es eine spezielle BH-App fürs Smart Phone.

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Das Display befindet sich etwas exponiert vor dem Vorbau.

Fahrwerksseitig will das "Atom X" dem Anspruch eines echten Enduros gerecht werden. Zumindest beim Topmodell Atom X 6. Hier kommt ein leistungsstarker Mehrgelenk-Hinterbau mit Fox Float DPS Dämpfer (150 Millimeter Federweg) sowie eine Fox 36 Float Performance-Gabel zum Einsatz. Mit Shimano XT/SLX Mix, Schwalbe Nobby Nic-Reifen und Kind Shock-Variostütze kostet das Flaggschiff 5499 Euro. Das Modell Atom X 5 für ebenfalls 5499 Euro soll mit der 140er Fox 34-Gabel eher in der All Mountain Liga spielen. Den Einstieg bildet das Atom X 29", ein Hardtail für 3199 Euro.

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Der Hinterbau entlockt dem Fox-Dämpfer 150 Millimeter Federweg.

Unser Fahreindruck

Flink und spielerisch lässt sich das Atom X 6, dass uns in Malaga für einen ersten Fahreindruck zur Verfügung stand, durch die Trails dirigieren. Mit gefühlt recht kurzem Reach und nicht allzu flachen Winkeln fährt es sich dabei auch bei langsamer Fahrt neutral. Das Fahrwerk arbeitet sensibel, der Hinterbau bügelt kleine wie größere Hindernisse glatt. Besonderen Wert hat man bei BH auf die Handhabung und das Fahrerinformationssystem gelegt. Das Display sitzt prominent, ist groß und die Menüführung wirkt durchdacht. Seine Position ist jedoch sehr exponiert und trotz massiver Konstruktion anfällig für Schäden und verkratzt leicht. Per Smart Key-Armband lässt sich der große Akku bequem nach oben heraus zum Laden entnehmen. Das Bike wirkt insgesamt sehr durchdacht und wird seinen Platz im hochwertigen All-Mountain und Enduromarkt finden. Anlass zur Kritik geben Schwalbes Nobby Nic-Reifen in der 2,8er Plus Version, die bei korrektem Luftdruck (1,2 Bar) bekanntermaßen plattenanfällig sind. Auch das Gesamtgewicht scheint mit über 24 Kilo recht hoch.

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Wir konnten das Atom X schon auf den steinigen Trails in Malaga testen.

Interessant wird die Reichweite des Atom X mit seinem 720 Wattstunden Akku, über die wir uns aufgrund des ersten Fahrberichtes noch kein Urteil erlauben wollen. Diese und weitere harte Messwerte bringen wir in einem ausführlichen Test in der kommenden EMTB-Ausgabe 2/2018.

Markus Greber am 03.04.2018
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