Ein unscheinbarer, gelber Helmeinsatz aus Schweden wird als Sicherheitsrevolution gefeiert. Schutzengel oder dreiste Geldschneiderei? Wir nehmen das MIPS-System im Innovations-Check unter die Lupe.

Stefan Loibl am 29.11.2012
Innovationscheck MIPS

In Sachen Verkehrssicherheit forscht Schweden international vorneweg. Wie 1959, als Volvo als erster Autohersteller der Welt einen Dreipunktgurt in Serie verbaute. Auch in puncto Fahrrad legen die Skandinavier vor. In Stockholm beispielsweise tragen 70 Prozent der Radfahrer einen Helm, unter deutschen Bikern greift gerade mal jeder Vierte zum Kopfschutz. Für Furore sorgt momentan eine neue schwedische Innovation. „MIPS“ nennt sich das derzeit noch wenig bekannte Sicherheitsversprechen. Hinter den vier Lettern steckt das Wortungetüm „Multi-Directional Impact Protection System“.

© Hersteller Durch den MIPS-Einsatz kann der Helm etwa einen Zentimeter nach vorne und hinten wandern.

Niklas Steenberg (MIPS-Geschäftsführer)

„Wir forschen bereits seit 15 Jahren daran, wie man den Kopf am besten vor Verletzungen bei Unfällen schützt. Die MIPS-Technologie ist nur ein Resultat daraus. Außerdem bräuchte die aktuelle EN-Norm dringend eine Überarbeitung. Darauf drängen wir schon seit Jahren. Mit dem CEN-Gremium arbeiten wir daran, in die Testverfahren auch Rotationskräfte und schräge Aufprallwinkel einzubauen. Denn das kommt in der Praxis viel öfter vor. In Zukunft werden mehr Helme mit MIPS zu sehen sein: Motorrad- und Fahrradhelme, aber auch Helme für Icehockey und American Football.“
 

© Hersteller MIPS-Geschäftsführer Niklas Steenberg.

Dr. med. Wolfram Hell (Unfallforscher LMU München)

„Bei meinem Besuch in Schweden vor sechs Wochen habe ich mir das MIPS-System angeschaut. Die Idee an sich klingt ganz pfiffig, allerdings fehlt mir noch der wissenschaftliche Beweis. Zwar werben die MIPS-Leute mit Bildern einer Simulations-Software, mit der wir auch arbeiten. Aber da sollte man immer vorsichtig sein. Es kann sich auch um eine schlaue, potente Marketing-Offensive handeln. Klar, dass als Quelle der Daten ein Institut genannt wird. Aber die Daten können auch gekauft oder positiv für MIPS interpretiert sein. Das hoffe ich nicht! Meine schwedischen Kollegen halten von der Idee zumindest viel.“

© Hersteller Unfallforscher Dr. med. Wolfram Hell

Mehr Infos und alle MIPS-Modelle stehen auf der MIPS-Website zur Verfügung: www.mipshelmet.com

Unser Urteil zu den MIPS-Helmen finden Sie in BIKE 1/2013 ab 4. Dezember am Kiosk.

Stefan Loibl am 29.11.2012
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